Nährstoffmedizin ist für jeden! mit Dr. Helena Orfanos-Boeckel #38

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In dieser Folge ist Helena Orfanos-Boeckel zu Besuch in München! Sie und Thiemo sprechen über Nährstoffe, warum die Schulmedizin sie nicht abtun sollte und warum niemand Angst vor Supplementen haben muss. Helena erzählt außerdem, wie es zu ihrem zweiten Buch kam, welche Intention sie damit verfolgt und warum sie die Hoffnung nicht aufgibt, dass immer mehr Ärzte sich der Prävention und der Nährstoffmedizin widmen. Außerdem geben Thiemo und Helena einen Praxisleitfaden für Nährstoffe an, an dem man sich auch als Laie orientieren kann. 

Wir sprechen über:

  • Die Angst vor den Nährstoffen [00:03:58]
  • Helenas 40 Fragen zu Nährstoffen [00:07:28]
  • Nährstofftherapie im medizinischen Kontext [00:11:40]
  • Nahrungsergänzungsmittel in der Forschung [00:15:45]
  • Die Lücke zwischen Ausschlussdiagnostik und Nährstofftherapie [00:20:38]
  • Die 4 Gruppen von Menschen [00:30:04]
  • Präventive Diagnostik [00:34:22]
  • Das größte Problem der Individualmedizin [00:40:30]
  • Laborwerte für Laien [00:44:11]
  • Kleine Zahlen, große Aussagekraft [00:48:23]
  • Knochenschutz ist wichtig [00:50:14]
  • Genanalysen und Liquid Biopsie [00:55:05]
  • Präventivmedizin [00:58:04]
  • Helenas Supplemente Take Away [00:59:33]
  • Kann die falsche Einnahme schädlich sein? [01:03:27]
  • Die Angst nehmen [01:06:39]
  • Unabhängig sein als Arzt [01:10:52]
  • Umweltbelastung [01:17:34]
  • Nährstoffdichte in unseren Lebensmitteln [01:21:00]
  • Klare Kommunikation ist wichtig [01:23:21]
  • Helena verliert die Hoffnung nicht [01:28:40]
  • Supplemente, die schaden können? [01:30:59]
  • Ein Blutbild als Beispiel [01:39:14]
  • Das Problem mit dem TSH Wert [01:51:47]
  • Kalzium, Bor, Q10 [01:55:06]
  • Wird Helena ein drittes Buch schreiben? [02:00:45]

Time Stamps und Inhalte:

00:00:33 Intro

Helena Orfanos Boeckel und ich zweites Buch.

Thiemo

  • Okay, Helena, herzlich willkommen zurück. Vielen Dank dafür, dass du den Weg von Berlin nach München auf dich genommen hast. In der ersten Folge möchte ich mit dir, wie immer, über das Thema Nährstofftherapie bzw. den Praxisleitfaden sprechen. Dies bezieht sich auf dein neues Buch, das quasi an das erste Buch anschließt, über das wir bereits gesprochen haben.
  • Genauer gesagt, sprechen wir über das Buch, in dem es um die Nährstofftherapie an sich geht. Ein wichtiges Thema ist, dass wir den Zuhörern einige Fragen beantworten und ihnen die Möglichkeit geben, Nährstofftherapie und Supplemente sowie das grundlegende Verständnis für Vitamine, Spurenelemente, Mikronährstoffe und Ähnliches zu vermitteln, damit sie dies in der Praxis anwenden können.
  • Am Anfang interessiert mich, warum du überhaupt ein zweites Buch zu diesem Thema geschrieben hast? Das erste war bereits hervorragend, das zweite ist ebenfalls ausgezeichnet. Allerdings ist es nicht unbedingt ein Buch, das man von vorne bis hinten liest. Es scheint eher wie ein Nachschlagewerk zu sein. Wie kamst du auf die Idee, das zweite Buch zu schreiben?

Helena

  • Ich dachte eigentlich, dass mit dem ersten Buch alles klar wäre und alle nun wüssten, wie Nährstoffe und Hormone eingesetzt werden können. Natürlich ist es im aktuellen Gesundheitssystem nicht so, dass man einfach zum Arzt geht und dieser dann eins zu eins das umsetzt, was ich in meinem grünen Buch vorgeschlagen habe. Nach der Veröffentlichung des Buches begann ich auch auf Instagram aktiv zu werden.
  • Durch Instagram erhielt ich tatsächlich viele Anfragen, bei denen ich dachte: Hm, das habe ich noch gar nicht so erklärt. Ich dachte mir also, , wenn ich das verbildliche, dass ich bisher nur darüber gesprochen habe, wie großartig die deutsche Sprache ist und was man damit alles machen kann. Aber die eigentliche Grammatik, wie man das genau macht, ob man etwas vorher weglassen muss, und vor allem viele Fragen darüber, was mit wem zusammenkommt – und bei vielen Frauen auch eine gewisse Ängstlichkeit – das hatte ich bisher nicht ausführlich behandelt.

Abb.1: Instagram Post von Helena

  • Da dachte ich mir: Gut, dann schreibe ich es jetzt noch einmal praktisch. Ich überlegte sogar, einen Online-Kurs zu machen, fand dies aber ebenfalls ziemlich anstrengend. Da ich nun wusste, wie man ein Buch schreibt, und der Verlag daran interessiert war, wurde dies ziemlich schnell umgesetzt. Ich vermied einige Fehler, die ich im ersten Buch gemacht hatte, nämlich zu viel zu schreiben. Es war mir wichtig, dass Menschen, die vielleicht nicht persönlich zu uns kommen können und die ich auch nicht alle persönlich behandeln kann, zunächst einmal mehr Anleitungen zum Umgang mit Nährstoffen haben, die sie alleine kaufen können, sei es ohne Ärzte oder vielleicht auch mit einem kooperierenden Arzt.

Ende der Vorschau

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00:03:58 Die Angst vor den Nährstoffen

Sollten wir Angst vor Nährstoffen haben?

Helena

  • Und das war sozusagen die Motivation. Also wirklich viele Fragen. Und was mich vor allen Dingen stört, ist die Angst.

Thiemo

  • Also die Angst jetzt vor den Nährstoffen?

Helena

  • Vor den Nährstoffen. Angst, etwas falsch zu machen. Also ich glaube, dass viele Frauen Follower sind oder Follower haben, die einfach oft Angst haben. Und dann ist die Reaktion unserer Kollegen und Kolleginnen nicht immer unbedingt unterstützend. Manchmal ist sie einfach nur ablehnend und manchmal wird behauptet, es sei Geldverschwendung. Oft sind sie jedoch auch empört, und in der Apotheke oder so mischen sich dann die Kollegen ein und verunsichern.
  • Also, mein Gefühl ist wirklich, dass viele sehr verunsichert sind. Vielleicht sind das aber auch nur diejenigen, die sich melden. Tatsächlich habe ich auch das Gefühl, dass noch mehr Rückmeldungen kommen werden, dass die Bücher geholfen haben, sich selbstständig auf den Weg zu machen, was mich freut. Aber oft gibt es wirklich viele Fragen, bei denen ich denke, zum Beispiel auch: Man sollte doch noch einmal richtig lesen.
  • Also ich habe auch das Gefühl, dass viele nicht mehr so richtig lesen und es einfach schnell und bequem wollen. Es ist jedoch keine einfache Thematik, es ist komplex, und tatsächlich das, was ich jetzt in der Praxis mache, ist, dass ich die Nährstoffe richtig internistisch nutze. Das ist nicht leicht zu erklären. Und das ist auch nicht das, was ich sofort von den Menschen verlange oder fordere. Sie sollten erst einmal klein anfangen.
  • Vielleicht so wie beim Sport. Also erst einmal sich bewegen, erst einmal rausgehen an die frische Luft. Das ist jetzt auch nicht sofort schädlich, wenn man ein wenig joggt. Wenn man natürlich einen Triathlon oder einen Marathon schaffen will und vielleicht sogar gewinnen will, ja, dann braucht man noch einmal richtig jemanden, der einen Sportwissenschaftler mit Training und so begleitet.
  • Aber. Also sofort das falsche Produkt, die falsche Dosis, der Wert. Auch Zahlen scheinen irgendwie sehr zur Verunsicherung beizutragen. Da kann ich aber jetzt nichts für. Die Innere Medizin ist nicht sichtbar, so wie beispielsweise die Dermatologie oder die Zahnheilkunde. Da ist es für alle leicht, Prävention zu machen. Es gibt dann auch Kosmetik, eine riesige Sparte. Für die innere Innere Medizin gibt es keine Kosmetik, und ich kann nur über Messungen, sei es Bildgebung oder Funktionsgeräte oder eben Blutdiagnostik, Informationen erhalten.
  • Mit Zahlen scheint auch nicht jeder es so leicht zu haben. Ich mag Zahlen, weil ich finde, dass sie eine klare Aussage haben. Man muss sie nur in Verhältnis setzen. Das scheint nicht so leicht zu sein. Allein die Umrechnungen von den Laborwerten. Dabei kann man das alles im Internet nachschlagen.

Thiemo

  • Also ich glaube, da geht generell so ein bisschen der Trend hin. Ob das jetzt nur bei diesem Thema ist, sei mal dahingestellt. Aber ich glaube, vielen Menschen geht es so. Es ist viel einfacher, mal kurz um Hilfe zu fragen und dann zu hoffen, dass man eine Antwort bekommt, anstatt sich ein bisschen selbst mit dem Thema zu beschäftigen.
  • Und das ist ja auch so die Motivation, die wir hier haben, mit dem Podcast den Leuten eigentlich die Möglichkeit zu geben, die Sachen zu verstehen, sich damit zu beschäftigen. Und du hast jetzt gerade so viel von diesem Thema gesprochen, dass du die Idee hattest, das zu machen, weil Menschen fragen, zwei hast du jetzt schon angedeutet.

00:07:28 Helenas 40 Fragen zu Nährstoffen

Welche Fragen bekommt Helena immer wieder?

Thiemo

  • Ich fände es super, wenn wir vielleicht nochmal ein bisschen auf diese Fragen eingehen würden. Also, was sind so die typischen Fragen, wenn es um dieses Thema Nährstoffe geht? Zwei hast du schon genannt. Da können wir gleich nochmal gezielt darauf eingehen. Aber was sind so die Standardfragen? Hattest du vor dem Buch da gesessen und dir irgendwie die 40 Fragen aufgeschrieben und dann gesagt, okay, diese 40 Fragen muss ich im Buch beantworten?

Helena

  • Nicht direkt. Bei mir ist einfach über viele Fragen, die wir gleich nochmal genauer besprechen können, bewusst geworden, dass ich die Anleitung nochmal systematisch erklären muss. Und während ich schreibe, erarbeite ich das. Ich hatte das nicht vorher erarbeitet, weil ich es einfach mache. Das, was ich mache, dann ordentlich und nach irgendeiner Art von Plan sozusagen Anleitungen geben. Das war die Idee, und die Kategorien von Fragen – bitte fragt mich jetzt nicht mehr, weil ich finde, das ist alles im blauen Buch jetzt irgendwie erstmal beantwortet.
  • Ich hätte sowieso gerne weniger Fragen, die erst mal meinetwegen auch Schilderungen von medizinischen Sachen sind und dann „Was soll ich machen?“ Also das sind natürlich Fragen, die ich nicht unbedingt auf Instagram beantworten kann. Dazu muss man einfach zu einem Arzt in die Praxis gehen.
  • Denn natürlich nutze ich in der Praxis die Nährstofftherapie auch im Zusammenhang mit Krankheiten, aber das ist jetzt echt eine Nummer zu groß. Das kann der Laie jetzt alleine noch nicht sofort, aber eine Idee war vielleicht noch mal praktischer. Zum einen die Labordiagnostik zu bestimmten Themen, aber auch zu bestimmten Nährstoffen nochmal genauer aufzuschreiben, was man denn im Labor bestimmen müsste, wenn man denn anfangen möchte zu messen. Das ist mir bewusst geworden, dass die Labordiagnostik – da hast du ja auch ein gutes Buch drüber geschrieben – in Wahrheit der Schlüssel ist, wenn man Nährstofftherapie “richtig machen” will.
  • Und “richtig” heißt jetzt nicht gegenteilig von falsch, sondern richtig heißt wirkungsvoll. Das ist ja so wie im Sport. Wenn ich jetzt den Muskel im Arm größer haben will, dann bringt es jetzt nichts, mit meinem Fuß eine Übung zu machen, sondern ich muss einfach hier vielleicht auch nach Anleitung mit speziellen Gewichten, Hanteln oder so was arbeiten. Und so ähnlich ist das in der Nährstofftherapie auch.
  • Insofern war die Idee: Okay, einmal erkläre ich nochmal zu den Nährstoffen, welche Labordiagnostik interessant ist. Das ist das Kapitel zwei. Und zum anderen erkläre ich dann noch mal, vielleicht haben die meisten Interessenten ja doch eher so ein Bedürfnis. Entweder es ist der Wunsch nach Prävention bestimmter Orte im Körper, Gefäße, Knochen oder Stress oder irgendwie so etwas. Oder es liegt schon eine bestimmte Störung oder Krankheit vor, und dann möchte man gerne mit Nährstofftherapie arbeiten. Also im ersten Kapitel erkläre ich so ein bisschen die Grammatik, wie man vorgeht, was wichtig ist. Das Allerwichtigste ist zu verstehen, dass, wenn man Nährstoffe richtig anwenden will, dazu eine Labordiagnostik gehört, wo man nicht nur die Spiegel misst.

Thiemo

  • Sondern das wird so das immer empfehlen.

Helena

  • Das kommt ein bisschen darauf an, wen wir so vor uns haben. Ich finde, dass junge Menschen, mit denen könnte ich jetzt am Strand im Gespräch kann ich den sofort, ich muss die ein bisschen ansehen oder ein bisschen gucken, was die essen, was die wollen. Ich finde, dann brauche ich nicht unbedingt ein Labor. Wenn man dann aber unter Therapie etwas erreichen will oder auch ein Symptom wegbekommen will oder irgendwie das, der verbessert sich nicht. Das geht eigentlich nur, wenn man genau weiß, was man macht. Also kann man vielleicht vergleichen wie Blutdruck messen. Also manche Menschen, ältere Menschen, die dann auch viele Krankheiten haben, die brauchen vielleicht drei, vier Blutdrucksenker, um dann einen Zielwert zu erreichen. Der muss jetzt vielleicht auch nicht so super niedrig sein, wie ich das bei jungen Menschen erwirken möchte.

00:11:40 Nährstofftherapie im medizinischen Kontext

Man muss Nährstoffe messen, um sie therapeutisch dosieren zu können.

Helena

  • Aber ich finde schon, dass wenn man Nährstofftherapie richtig machen möchte und vor allem die nutzen möchte in einem medizinischen Kontext, geht es nicht ohne zu messen, weil nur so bekommt man eine Dosierung heraus, die im Zusammenhang Sinn macht. Man muss mehreres Wissen kombinieren, man muss das klassische universitäre Wissen über Tod, Krankheit und Organversagen und was die Laborwerte bedeuten, verbinden mit der Nährstoffspiegel-Sichtweise. Dazwischen kommen noch einige Funktionswerte, und es hängt alles miteinander zusammen. Und ja, das kann man alles durchdenken oder berechnen. Das könnte man auch digitalisieren und an jemanden abgeben, der das für einen alles ausrechnet. Aber erst mal ist das schon etwas.
  • Diese Messung ist wichtig. Und tatsächlich, all die Menschen, die Angst vor Schaden haben, was ja auch durch die Medien immer wieder unterstützt wird, lässt sich nur durch rationales, objektives Messen und das Gegenteil beweisen. Und das geht nur durch Messen. Man kann sich natürlich über das Befinden der Patientin oder des Patienten orientieren, aber was soll denn ein Gesunder finden? Also ich meine, der ist ja schon gesund, und präventiv kann man auch mit Gesunden Sport machen, um wieder mit dem Sport zu vergleichen.
  • Genauso kann man mit gesundem Vitamin D gut einstellen. Und das muss jetzt nicht unbedingt dazu führen, dass sie sich dann noch toller fühlen. Aber wenn morgen die Grippewelle kommt, kann es sein, dass derjenige, der Vitamin D hat, nicht so schwer erkrankt ist oder vielleicht sogar auch symptomlos bleibt. Und dass derjenige, der kein Vitamin D, kein Zink, kein Selen hat, dann doch zwei, drei Infekte hat.
  • Und wenn er ganz viel Pech hat, vielleicht auch bei intensiver sportlicher Belastung, Kreislaufprobleme oder so? Also, es geht. Man kann Nährstofftherapie präventiv nutzen, man kann sie halb präventiv bei schon kooperativen Ansätzen nutzen, und man kann sie in Wahrheit nur in der Praxis mit Ärzten zusammen richtig kooperativ, begleitend nutzen zur klassischen pharmakologischen Medizin.
  • Also, es sind wirklich interessante Stoffe, sie sind essenziell, das heißt, es gibt Krankheiten, die entstehen, wenn sie wirklich fehlen. Insofern, wieso sollen sie nicht umgekehrt auch für die Gesundheit nützlich sein?
  • Also ich glaube, das ist ein guter Punkt, aber es wird nicht. Es ist nicht Teil der universitären klassischen Herangehensweise in der Medizin. Also wir lernen ja die Gesundheit, die Physiologie, und dann lernen wir die Pathologie. Und in der Pathologie gehen wir dann sofort zur Pharmakologie, und wenn dazwischen etwas ist, dann ist es das Verhalten der Menschen. Die sollen gefälligst gesünder essen, sich gesund verhalten, Sport machen und dann noch entspannen und meditieren und am besten den ganzen Tag sich nur noch mit sich selbst beschäftigen.
  • Aber so ist unser Leben in Deutschland mit der Arbeitswelt und so auch auf der Welt, so wie im Moment alles ist. Also ist das unrealistisch und es wird dazwischen weder die Hormone noch werden die Nährstoffe therapeutisch genutzt. Das wird dann immer nur von Nährstoff direkt Ernährung abgeleitet. Das war ja auch interessant.
  • Das erste Buch, das Grüne, war ja zwar auch mal ganz kurz auf der Spiegel-Bestsellerliste, immerhin aber in der Kategorie Ratgeber, Ernährung, Leben, Essen und Trinken. Oder das, wo es heißt „Es wird gar nicht verstanden, dass ich nicht über Ernährung schreibe“, sondern der Punkt war ja, dass ich über das schon gesunde Ernähren der Frauen überhaupt nur darauf gekommen bin, dass da trotzdem noch im Körper etwas im Stoffwechsel ist. Gerade wenn im Rahmen der Wechseljahre die hormonelle Situation sich verändert, was über die Ernährung nicht zu kompensieren ist, auch wenn sie gesund ist, was auch immer das dann bedeutet.

00:15:45 Nahrungsergänzungsmittel in der Forschung

Helenas Perspektive als Nephrologin.

Thiemo

  • Da kommen wir gleich nochmal drauf zurück. Da habe ich so zwei, drei Stichpunkte von dir oder Statements mal rausgeschrieben. Ich glaube, dass das unter Ernährung fällt, liegt eher an der wirtschaftlichen Komponente. Denn wenn man sich Nahrungsergänzungsmittel und Supplements zum Beispiel anschaut, werden sie nicht als Medikamente eingestuft, sie werden nicht so geprüft wie Medikamente. Stattdessen fallen sie unter das Lebensmittelgesetz und dadurch werden sie eben der Kategorie Nahrung oder Ernährung zugeordnet. Und es kann natürlich sein, dass das Buch deswegen auch so eingeordnet wird. Ich glaube, dass es zwei Dinge gibt, die ich auf jeden Fall mal aufgreifen möchte, auch wenn ich eigentlich auf etwas ganz anderes hinauswill.
  • Aber dass so viele Sachen gerade gesagt wurden, schreibe ich mir zwischendurch immer ein paar Sachen auf. Ich glaube, was ganz wichtig ist, und das ist ja auch, wovor ich größten Respekt habe bei dir. Aber ich glaube, es ist trotzdem wichtig, einmal so ein bisschen von einer anderen Seite aufzurollen. Du hast jetzt ja zum Beispiel viel mehr Erfahrung als ich. Also du hast einen Facharzt, du hast lange in der Klinik gearbeitet. Das habe ich ja gar nicht so in dem Kontext. Das heißt, du hast eine unglaublich große erfahrungsmedizinische Laufbahn hinter dir und machst das Ganze jetzt natürlich auch in der Praxis.
  • Klar, ich mache das jetzt auch lange, aber natürlich nicht in demselben Kontext wie du. Und ich glaube, das kann eben so zwei, drei Sätze gesagt und die Sätze sind, glaube ich, ganz wichtig, dass man die nochmal aufgreift, weil der eine oder andere diesen Satz vielleicht jetzt falsch versteht. Du hast gerade so etwas gesagt. Ja, es gibt ja Erkrankungen, wie Skorbut zum Beispiel. Oder du hast jetzt nicht erwähnt, gerade eben. Aber wer jetzt eine Möglichkeit bei einem Vitaminmangel hat, wie Vitamin C, ist ja glaube ich, wenn Vitamin C gar nicht vorhanden ist, wie das bei Seefahrern früher der Fall war, die dann kein Vitamin C hatten und dann Skorbut bekamen. Dann hat man ihnen wieder Vitamin C gegeben und dann hat plötzlich alles, auch mit den Zähnen und dem Zahnfleisch, wieder funktioniert.
  • Und du hast jetzt gerade so einen Rückschluss gezogen von: Ja, wir wissen ja, dass wenn wir diesen Vitaminmangel haben, diese Erkrankungen entstehen, dann ist es ja logisch, dass dieser Stoff, also wir wissen ja, Vitamine sind essenziell. Aber ich glaube, dieser weitere Schritt, und das ist dann diese therapeutische und behandlungsmedizinische Facette, die du ansprichst. Wir haben ja de facto zu diesem therapeutischen Aspekt super wenig Belege.
  • Also wir haben halt sehr wenig Daten, wir haben sehr wenige Studien dazu. Und das ist ja auch fein, das ist ja auch okay und wir sind ja wie. So komme ich jetzt auf das Thema, weil wir haben ja vorher darüber überlegt, ob wir über so ein, zwei medizinische Artikel sprechen. Kommen wir ganz am Ende auch noch mal dazu.
  • Wir sind ja so tief in diesem Research-Thema, was Belege für medizinische Outcomes angeht. Und ich glaube, was viele Menschen verwechseln, ist dieses auf der einen Seite evidenzbasierte Medizin zu machen, die auf Outcomes basiert. Ich nenne mal ein Beispiel: Insulin zum Beispiel, wissen wir ja, als Hormon, sprechen ja auch noch über Hormone später und haben wir ja sogar auch schon in den anderen Podcast-Folgen gesprochen, wissen wir ja. Zum Beispiel führt Insulin als eine der Mechanismen dazu, dass die Fettverbrennung gehemmt wird, also das Fett letzten Endes nicht richtig abgebaut werden kann. Und das ist jetzt ein Mechanismus. Eigentlich würde man sich jetzt hinsetzen und sagen, okay, wenn ich jetzt Zucker esse und Insulin ausgeschüttet wird, kann Fett nicht abgebaut werden.
  • Wenn ich mir aber die wissenschaftlichen Belege am Ende des Tages anschaue und es gibt eine Gruppe von Menschen, die kohlenhydratreich essen und eine andere, die kohlenhydratarm isst, und beide haben dieselbe Kalorienzahl, dann nehmen die auch gleich viel ab. Das ergibt eigentlich keinen Sinn, wenn man sich nur auf diesen Mechanismus stützt. Und ich glaube, was viele Menschen heutzutage verwechseln, ist, dass ich super Fan von Daten und von Belegen bin, haben wir ja schon ganz oft drüber gesprochen und wir feiern das im Team total.
  • Und ich glaube auch, dass das ganz wichtig ist, weil das Outcome ja das ist, was für die Menschen wichtig ist. Es geht jetzt nicht darum, über Insulin irgendwie zu reden, sondern es geht ja am Ende darum, wie kann ich denn jetzt abnehmen? Das ist ja das, was die Menschen wissen möchten. Und ich glaube, es ist ein großer Unterschied. Ich denke sowieso, dass Wissenschaft sich in den nächsten Jahren immer weiterentwickeln, auch in andere Richtungen entwickeln muss, aufgrund dieser ganzen chronischen Geschichten, die wir heutzutage haben.
  • Aber ich glaube, es ist wichtig zu verstehen, dass es für die meisten dieser Nährstoffe keine richtigen Belege gibt. Die meisten Menschen, die damit arbeiten, tun das aufgrund eines sehr, sehr großen Erfahrungsschatzes. Wie du jetzt zum Beispiel auch machst. Wir machen ja zum Beispiel auch. Aber und deswegen fand ich das so wichtig, was du gesagt hast. Da komme ich dann zu dem zweiten Punkt, den ich eben mir noch aufgeschrieben habe, dass wir das messen. Und das ist, glaube ich, etwas, was die allermeisten Menschen auch falsch verstehen, nämlich dass man Nährstoffe ja einfach so random benutzt, einfach weil das cool ist, jemandem Vitamine zu geben.
  • Und du hast es gerade mit Zink und unserem Umgang mit Erkältung und so angesprochen. Es gibt ja zum Beispiel Studien, die zeigen, dass wenn man 50 Milligramm Zink oder ich glaube 250 Milligramm Zink, was sogar Zinkoxid war, was jetzt nicht mehr die beste Form ist, aber das die Erkältung verkürzt wird. Es gibt aber keine Daten, die wiederum zeigen, dass Zink dazu führt, dass man weniger anfällig für eine Erkältung ist. Das bedeutet aber nicht, dass das nicht so ist. Nur wenn wir keine Daten haben, ist das ja etwas anderes, als wenn wir einen Beleg haben, dass etwas nicht zutrifft. Aber wir haben halt in diesem gesamten Nährstoffthema generell einfach sehr, sehr, sehr wenig Daten. Das ist ja auch irgendwo logisch, weil die meisten vielleicht in diesem Bereich auch gar nicht richtig forschen wollen, weil da trotzdem natürlich sehr, sehr, sehr viel Geld drinsteckt.
  • Aber es ist natürlich trotzdem noch etwas anderes als bei Medikamenten. Wie wir gerade eben gesagt haben über.

Helena

  • Ich glaube, dass tatsächlich die Gesundheit nicht gut erforscht ist und der Nutzen der Nährstoffe für die Gesundheit ist nicht erforscht. Es ist sehr gut erforscht, was passiert, wenn sie über lange Zeit fehlen.

Thiemo

  • Also krankheitsspezifisch.

Helena

  • Also es ist auch erforscht im Rahmen von Krankheiten und schrecklichen Krankheiten, wie man dann mit gewissen Hormonen, Nährstoffen dann vielleicht auch zuarbeiten könnte. Ich meine, die Endokrinologie beschäftigt sich mit den Störungen von Hormonen und man gibt Hormone, aber erst wenn sozusagen das herstellende Drüsenorgan völlig dahin ist. Oder aber wenn wirklich Zustände erreicht sind, die sehr, sehr krank sind.
  • Also es ist nicht erforscht, wie man mit bestimmten Dosierungen an bestimmten Nährstoffen funktionell in die Gesundheit hinein unterstützt. Und ich glaube, die größte Lücke, die eben dazu auch nötig wäre, wäre bessere und frühere und breitere Labordiagnostik zu machen. Ich finde sowieso, dass die Diagnostik generell in unserem System nicht so gut ist, wenn die Sache nicht klar ist, also wenn die Sache klar ist.
  • Und wir sehen sozusagen schon anhand der äußeren Kriterien, was Sache ist, dann ist es nicht so schwer, Zusammenhänge zu erarbeiten, vor allen Dingen durch die Bildgebung, CT und Laborwerte. Aber im Gegensatz zur Radiologie, wo wirklich? Da kennen sich ja auch die Laien schon sehr gut aus, selbst bis hin zum CT. Das kennt man schon. Aber die Labordiagnostik, die ist richtig unterentwickelt in der Medizin.


00:20:38 Die Lücke zwischen Ausschlussdiagnostik und Nährstofftherapie

Wir müssen die Leitlinien anpassen!

Helena

  • Es wird nur Ausschlussdiagnostik gemacht, und das ist die Grundvoraussetzung, um dann funktionelle Nährstofftherapie zu machen. Das ist eine riesige Lücke. Also warum das so ist? Ich denke, dass sich das aus wirtschaftlichen Gründen so entwickelt haben könnte. Ich meine, wenn der Arzt ein CT anfordert, dann hat er auch Zufallsbefunde von sehr vielen Daten, die er vielleicht nicht explizit wissen wollte.
  • Selbst wenn er eine Raumforderung oder eine Lungenentzündung ausschließen wollte, kann er trotzdem die Rippen sehen, die Herzgröße sehen. Er findet vielleicht auch noch zufällig Lymphknoten oder einen Mediastinal Tumor oder so etwas. Also das ist aber in der Labordiagnostik nicht so, weil einfach nur einzelne Werte von den Ärzten angekreuzt werden. Und wenn man sich viele Leitlinien zu Krankheiten anschaut, dann sind das wirklich immer sehr, sehr wenige Werte, die dort vorgeschlagen werden, die dann auch wirtschaftlich abgerechnet werden können und bezahlt werden, die einfach nur den schlimmsten Zustand des betreffenden Themas abklären bzw. ausschließen.
  • Und dann ist es auch so, selbst wenn die Zahl schon etwas erhöht ist, aber noch nicht schlimm genug, um dann nach Leitlinien eine pharmakologische therapeutische Konsequenz einzuleiten, wird sie auch noch nicht mal mehr mit den Menschen besprochen. Meinetwegen der Langzeit-Zuckerwert, dieser HbA1c-Wert, der drückt ja aus, wie viel rote Blutkörperchen sich in den letzten drei Monaten im Blut vergrößern konnten.
  • Und die Diagnose Diabetes mellitus wird ab einem Wert von 6,5 % gegeben. Wenn wir beide jetzt 6,0 % hätten, wäre das wirklich schon auf dem Weg zur Krankheit. Ich sage nicht, eine Vollkatastrophe, nicht im Hier und Jetzt. Aber in der Zukunft und ich meine, wir sind noch nicht so alt, Du bist sowieso noch total jung. Wenn du jetzt schon einen HbA1c von 6,0 % hättest und das, was das verursacht, bei vielleicht einer Genetik jetzt nicht gefunden wird, obwohl du viel Sport machst und vielleicht nicht nur Schokolade und Brötchen futterst oder so, das geht weiter.
  • Also das ist dafür da, man kann Scores damit ausrechnen, also das ist, da kann man Wahrscheinlichkeiten mit ausrechnen und richtig gesund. Meinetwegen für alle, die den HbA1c-Wert nicht kennen – gesund ist maximal 5,0 bis 5,25. Ja.

Thiemo

  • Sonst 4,8?

Helena

  • Ja, das ist sogar dann schon fast ein bisschen ungewöhnlich. Aber da spielt sich die Gesundheit ab und jetzt schon. Ich fange an, darüber nachzudenken. Ab 5,7 – 5,8, das ist nicht normal. So, und wenn man doch nur zum Beispiel bei diesem Check 35, der war ja, als ich kassenärztlich noch tätig war bis 2010, da war das noch alle zwei Jahre möglich.
  • Jetzt haben sie das nur noch alle drei Jahre. Ich meine, okay, mit 35 alle drei Jahre, aber mit 55 alle drei Jahre. Da können in den drei Jahren wirklich sehr viel passieren und da werden also ein paar Werte nur von den Kassen umsonst abgefragt. Also Cholesterin, HDL, das eher Gute, das LDL, das eher nicht so Gute und der Nüchternzucker.

Thiemo

  • Ich habe aber einen CSA nicht dabei.

Helena

  • Nein, und auch nicht mal Kreatin. Das wäre jetzt für mich als Urologin wichtig. Mann, wenn das schon ein bisschen erhöht ist, dann schläft in Wahrheit schon eine Niere. Und die zweite Niere, die ist auch schon nicht mehr richtig fit. Also insofern diese leichte Erhöhung von schon Werten, die für Krankheiten, Krankheitsprozesse, Entwicklungen sprechen. Wenn man die früher in der Labordiagnostik herausarbeiten würde, mit den Menschen spätestens um die 50, gerne auch Mitte 30 oder vielleicht auch bei den Paaren, bevor sie Kinder bekommen, auch für die Frauen die Schwangerschaften.
  • Ist ja nicht so, als gäbe es jetzt keinen Schwangerschaftsdiabetes. Müsste man auch mal die Zahlen gucken, ob der nicht mehr geworden ist. Also das ist auf jeden Fall ein wichtiger Aspekt und das, was ich mache, in der Praxis vielleicht auch nochmal für die Zuschauer und Zuhörer. Ich gehe hin und behandele diese steigenden kranken Werte, die für potenzielle Stoffwechselerkrankungen im Rahmen der Alterung sprechen.
  • Die behandle ich mit Nährstoff- und Hormontherapie. Das heißt, es geht mir jetzt als Ärztin in der Praxis nicht darum, jetzt irgendwie den Vitamin-D-Spiegel und dies und das, sondern mir geht es darum, mit bestimmten Stoffen, die für diese Systembereiche, wo dann als Indikator wird der eine oder andere kranke Wert symbolisch zu messen ist, sozusagen zu schauen, was fehlt denn dem Körper innendrin im Stoffwechsel, um diesen Prozess, vielleicht sogar in deinem Alter, wenn es noch ein bisschen reversibel ist, zu machen und wenn das nicht geht, zumindest dafür zu sorgen, dass es nicht weiter steigt, denn für unser Befinden ist das egal. Also 5,7 % müssen wir nicht merken.

Thiemo

  • Hast du da mal ein Beispiel? Also explizit auf den HbA1c.

Helena

  • Vielleicht habe ich einen HbA1c-Wert. Wenn der jetzt zum Beispiel bei dir erhöht wäre, was ja echt komisch wäre, dann würde ich natürlich gucken, was ist denn innendrin so los? Was ist mit deiner Leber? Hast du vielleicht eine Fettstoffwechselstörung? Familiär bedingt? Ist die überfordert mit dem Speichern von Energie, was ja aus Kohlehydraten aus Glucose auch entsteht?
  • Fehlt dir Zink? Fehlt dir Chrom? Was ist mit den B-Vitaminen, mit den Mitochondrien? Es muss ja irgendwo ein Grund sein. Häufig zum Beispiel ist auch bei Frauen würde ich dann Hashimoto gucken. Da ist oft eine Glutenintoleranz oder Unverträglichkeit, die jetzt egal welches Wort dafür benutzt und Leaky Gut – die vertragen dann einfach irgendwie das Gluten und dann die Kohlehydrate nicht so gut.
  • Also ich würde dann wirklich “bissig rumforschen” und tatsächlich, wenn das nicht weggeht, auch vielleicht Medikamente benutzen. Metformin früher als man das vielleicht durfte. Natürlich Insulin. Spiegel müsste man sich angucken, ob da vielleicht eine Insulinresistenz ist. Bei Frauen zum Beispiel gibt es ja so PCO-Syndrome, wo einfach auch genetisch bedingt hormonell alles bisschen durcheinander geraten ist. Das ist eben nicht so leicht. Das sind jetzt tatsächlich auch echt viele komplexe Schritte, die ich einfach gucke.

00:30:04 Die 4 Gruppen von Menschen

Warum Helena in ihrem Buch Menschen “in Schubladen” steckt.

Helena

  • Aber ich versuche im Buch tatsächlich, habe ich so in vier Gruppen eingeteilt, also die ganz Gesunden, die einfach präventiv irgendwie sich erforschen wollen. Dann so ein bisschen Halbgesunde, die schon ein bisschen irgendwie Symptome haben, dann die Kranken und dann viertens die “Verrückten”, die irgendwie biohackingmäßig unterwegs sind, um dann vielleicht zu den Halbgesunden und den Gesunden so ein bisschen den Zugang zu erleichtern.
  • Aber es ist möglich, in kleinen Schritten sich einfach mit der Materie Schritt für Schritt zu -beschäftigen, und die Fragen sind oft viel zu groß. Und was soll ich jetzt machen? Na ja, wenn also irgendwie das Immunsystem das Problem ist, dann geht man hin und guckt erst mal, welche Nährstoffe sind für das Immunsystem wichtig? Man kann dann einen Stoff schon mal einstellen, Zink oder Selen und einen Wert.
  • Und dann kann man sich weiter, sozusagen, weiterforschen, frisch mit sich, seinem Körper, seinem Stoffwechsel beschäftigen und ergänzend zu einer wie auch immer guten Lebensweise sich mit diesen Nährstoffen dann einfach zusätzlich versorgen. Aber die Labordiagnostik, ich glaube, dass da im System eine Lücke irgendwie entstanden ist, die vor allen Dingen wirtschaftlich begründet ist. Also Hausärzte werden gefördert, wenn sie sparen.
  • Auch in der Notfallaufnahme gibt es einfach nur ein Notfall-Labor. Alles andere gibt es nicht. Man, die Ärzte werden oft auch eher, sagen wir mal, eingeschränkt in dem, was sie im Labor machen, wogegen die Radiologie da sehr großzügig zeigt. CT, MRT, Sonographie und PCT. Also das ist viel, viel schneller wird das gemacht und da werden die Kosten auch erstattet.
  • Aber in der Labormedizin, das ist anders. Aus und so angewandte Labormedizinische Gedanken, dass man sozusagen rausrechnet. Wer bist du denn und was ist dein Potenzial? Dann gibt es ja, man könnte ja noch so viele interessante Informationen aus dem Labor hinzunehmen: Genetik, Epigenetik, Urin, Stuhl, Speichel, Atem. Also. Aber erst mal allein das Blut. Das reicht schon, um auch erst mal einen richtig guten Überblick zu bekommen.
  • Also wenn man richtig todkrank ist, sieht man das im Blut und wenn man das dann nicht sieht, dann ist man erst mal nicht lebensbedrohlich irgendwo krank. Na ja, jetzt nicht jeder Krebs, das kann man jetzt nicht immer im Blut sehen, aber man kann unheimlich viel im Blut sehen und auch sehen, was man nicht sieht. Das sind also alles interessante Informationen. Das wird einfach zu wenig genutzt.

Thiemo

  • Hast du vor zwei Monaten gesehen? Ich war bei Pro7. Ja. Und hast du das Interview gesehen?

Helena

  • Habe ich mir nicht angeguckt. Ich habe aber gehört, dass ja dieser Kollege quasi sich so einer Zuckerdiät ausgesetzt hat. Und ich glaube, der hat das auch gar nicht gut vertragen.

Thiemo

  • Der hat das nicht so gut vertragen. Richtig, also war ja ehrlicherweise auch logisch, der hat ja ein Kilo Zucker am Tag gegessen für zehn Tage. Dem ist auch davon abgeraten worden. Das Spannendste an dem Experiment fand ich gar nicht, dass er den Zucker so hoch konsumiert hat. Klar, die Glycerin und so sind hochgegangen und alles ist ja danach nach dem Experiment wieder reversibel gewesen.
  • Aber das viel Spannendere fand ich, dass mit ihm eine Blutanalyse gemacht wurde vor dem Experiment, währenddessen und danach. Und das vor dem Experiment, war der HbA1c bei 5,8 war und ich dann in dem Interview danach gesagt habe, dass das absolut dramatisch schon vor dem Experiment war und dass man sich jetzt aber mal überlegen müsste, dass wenn er dieses Experiment nicht gemacht hätte, dann wüsste man jetzt nicht darüber Bescheid, dass er mit einem sehr diabetischen HbA1c schon rumlaufen würde.
  • Und dann ist in diesem Experiment rausgekommen, dass er halt irgendwie gerne mal so vier, fünf Dosen Eistee am Tag trinkt, also normal gezuckert und Eistee und co aber eigentlich körperlich jetzt nicht aussah wie jemand, der einen erhöhten Habe hat. Wobei man das jetzt ja auch nicht pauschalisieren kann und jetzt sieht wie der Zucker ist bei jemandem wie du ja auch gesagt hast, Stoffwechselerkrankungen, Fettstoffwechselstörungen und co.

00:34:22 Präventive Diagnostik

Wie steht es um die aktuelle Datenlage?

Thiemo

  • Aber das war total spannend, weil das genau das ist, was ich ja auch immer sage. Hey, wir müssen eigentlich viel früher, viel schneller und vor allen Dingen viel mehr messen. Was würdest du denken, wie es so die Datenlage, was präventive Diagnostik angeht? Ich weiß, du weißt das wahrscheinlich nicht, aber deswegen frage ich dich.

Helena

  • Weil ich weiß es bestimmt nicht so gut recherchiert wie du, aber sie muss schlecht sein, weil sonst kann ich mir nicht erklären, dass es so ist wie es ist.

Thiemo

  • Weil ich finde es super spannend, wo du gerade mit der Radiologie das Thema gesagt hast, weil es gibt 2,3.4 …. Ich gab vor knapp zwei Jahren großes Cochrane Review, also supergute, aussagekräftige Daten, die rausgekommen sind mit großer Metaanalyse, wo die Aussage am Ende ist, dass präventive Diagnostik keinen Sinn ergibt. Und dann und das haben mir viele Leute dann geschickt vor ein paar Monaten und dann irgendwelche Ärzte wieder darüber geredet, dass es also keinen Sinn ergibt.
  • Und dann haben wir uns jeder, ich glaube es waren dann 36 Studien, angeschaut und die Blutwerte, die präventiv da gemessen wurden, ist dann das große oder kleine Blutbild, ein bisschen Gesamtcholesterin, aber fast nichts anderes. So, und dann kommt am Ende die Aussage raus: “Präventive Blutdiagnostik ergibt keinen Sinn.”

“Ja natürlich. Wenn die präventive Diagnostik so aussieht wie das, was wir grundsätzlich ja eh messen, nämlich fast nichts. Aber ich zeig dir gleich noch mal ein Bild. Aber dann ist ja klar, dass die Aussage am Ende ist Prävention, was Blutdiagnostik angeht, ergibt wenig Sinn, weil in diesen Daten halt auch einfach fast nichts gemessen wird.”

  • Und das ist, finde ich tatsächlich eine Aussage, die schwierig ist. Und wenn man dann aber nicht einsteigt in diese Studien, dann sieht man nämlich am Ende wieder nicht, wie man das eigentlich bewerten soll.

Helena

  • Also das ist das eine, dass sozusagen auch dann nicht entsprechend gute Werte in ausreichender vernetzter Form gemessen wird. Und das zweite ist ja die Interpretation der Laborwerte. Und das waren auch viele Fragen, die ich bekommen habe, immer wieder – diese Problematik mit den Referenzwerten und da habe ich ja zur Klärung auch im Ersten, aber auch jetzt noch mal im zweiten Buch unterschieden.
  • Also erstens bin ich mir sicher, dass in diesen Studien eben auch das HbA1c mit 5,8 irgendwie als relevant pathologisch bewertet werden würde, das heißt kranke Werte werden zu spät, ernst genommen oder sagen wir mal überhaupt herausgegriffen und kommuniziert und darüber nachgedacht. Dann gibt es ja viele Werte, die nenne ich gesund mach Werte, die man normalerweise oft in der Medizin nicht macht, zum Beispiel Vitamin B12 oder auch das 1,25 Vitamin D.
  • 1,25-OH ist ein Schlüsselwert. Und da ist es so, dass die Referenzwerte ja eher so der normalen mangelnden Norm statistisch in der Bevölkerung vorliegend entsprechend und da entsprechen und man dann dort unter Therapie dann außerhalb der Referenz wäre bei B12 oder Folsäure oder Selen, dass dann die Ärzte, die das sehen, aber eben auch die Patienten, die sich mittlerweile vielleicht auch trauen, Laborwerte selber zu kaufen.
  • Und wenn dann die Referenzwerte aber von Gesundmachwerten überschritten werden, viele Nährstoffe, auch ein paar Hormone, dann hat man sofort Angst und wird verunsichert. Das heißt zum einen Werte werden spät zu spät ernst genommen und mit Diagnosen beziffert und zum anderen Nährstoffe und Hormone werden entweder in einer Referenz gemessen, die einfach zu niedrig ist und therapeutische Zielwerte liegen oben oder darüber und dann auch noch mal sehr interessant sind Schlüsselwerte.
  • Also zum Beispiel, du hast gesagt, die haben ein kleines Blutbild gemessen – bin mir ganz sicher, wenn auch da die Schlüsselwerte können schon links und rechts etwas verschoben sein, zum Beispiel der HB-Wert der die die Färbung unserer roten Blutkörperchen macht. Bei Männern liegt er um die 15 musst, bei Frauen um die 13, aber bei Frauen habe ich jetzt gesehen, haben sie vor kurzem die Referenz auch noch mal runter gesetzt.
  • Und jetzt früher wurde kleiner 12 mit einem Kästchen versehen. Jetzt wird erst glaube ich kleiner 11 mit einem Kästchen versehen. Das wäre jetzt zum Beispiel für eine Sportlerin recht wenig. Und die hätte es dann schwerer, vielleicht im Wettkampf gute Position zu erwischen. Also das heißt, diese neue Lesart von dem, wie man das aus der Gesundheit präventiv denkend tun müsste, das ist ein ganz, ganz wichtiges Manko, das heißt also, die Zusammensetzung ist viel zu schmal, und dann wird pauschal abgewertet. Das stimmt. Aber auch die feine Ausleseart und die beschreibe im Buch ganz gut.
  • Also ich habe dann in dem neuen Buch, da habe ich am Ende so eine Tabelle und dann habe ich versucht – ist manchmal nicht so leicht – immer zu markieren, ist das ein Gesundmachwert oder ein Schlüsselwert, sodass dann die Menschen verstehen, wie sie in Zukunft, wenn sie sich Laborwerte kaufen oder von ihren Ärzten bekommen, was sie dort sehen.
  • Dass man dann dann mit meinem Buch nachlesen kann und schauen kann “Aha, bin ich denn wirklich gesund? Sind denn meine Werte wirklich tipptopp für mein Alter und vielleicht auch über mein Alter hinaus?” Ja, aber diese zwei Aspekte, das ist da in der Studie bestimmt.

Thiemo

  • Das ist da natürlich nicht aufgegriffen, weil klar, ich glaube, gerade der HbA1C Wert ist noch mal so ein sehr, sehr, sehr spezieller Wert, muss man ehrlicherweise gestehen, weil es gibt ja schon Schwankungen von verschiedenen Werten, auch da, wie gesagt, dadurch, dass man diesen einen Artikel und ich habe vor drei Tagen einen großen großen Podcast zum Thema Schilddrüse aufgenommen und man sieht zum Beispiel, dass es starke Schwankungen vom TSH Wert gibt, jetzt auch nach Erkältung zum Beispiel.

00:40:30 Das größte Problem der Individualmedizin

Wie steht Thiemo dazu?

Thiemo

  • Also, dass der TSH-Wert sich nach oben anpasst, ist ja auch physiologisch, ist ja auch normal. So soll das auch sein. Deswegen ist aber natürlich der Zeitpunkt der Abnahme super relevant und wichtig. Aber das ist glaube ich beim HbA1c-Werten etwas ganz Besonderes, was eigentlich jeder weiß, der so aus diesem Bereich kommt, aber trotzdem oft nicht betrachtet wird.
  • Das ist ja ein Langzeitwert, der unterliegt ja nicht tagesabhängigen Schwankungen plötzlich, sondern du brauchst ja zehn Wochen. In dem Experiment zum Beispiel mit dem Jenke hat sich der HbA1c-Wert gar nicht verändert in diesen zehn Tagen, weil es waren halt nur zehn Tage, obwohl er trotzdem so viel Zucker zu sich genommen hat. Und es braucht ja diese lange Zeit und gerade deshalb finde ich es auch beim HbA1c-Wert so absurd, dass bei einem 0,1 plötzlich eine Diagnose steht und 0,1 davor keine, weil das ist so was.
  • Wenn jetzt jemand zu mir kommt und der sagt, er macht jetzt 100 Kilo Kniebeugen, er macht eine Kniebeuge mit 100 Kilo drauf, dann weiß ich über diesen Jemanden ja ganz viel, nämlich: ich weiß, dass er wahrscheinlich sehr oft Kniebeugen macht und sehr stark ist. Also das ist ja nicht etwas, was nur an dem Tag dann gut ist, sondern ich weiß, was er die letzten vier, fünf Monate davor auch gemacht hat. Und das weiß ich. Bei dem haben wir einen Zielwert, weswegen es gerade da so sinnvoll wäre, viel früher anzusetzen, weil wir da diese Schwankung nicht haben. Und ich glaube gerade, und das habe ich ja auch geschrieben im Buch, der Referenzwert ist wahrscheinlich sowieso mit eines der größten Probleme, die wir was Individual Medizin angeht.
  • Also wenn man sich das anschaut und was heißt das? Wahrscheinlich eines der größten Probleme auf diese Gesamtpopulation bezogen, kann das natürlich Sinn ergeben für verschiedene Daten und Co. Aber und auch das ist total spannend, man sieht das, wenn man sich Schilddrüsenwerte zum Beispiel anschaut, müsste es eigentlich von Süden nach Norden in Deutschland andere Referenzbereiche geben, aufgrund dessen, dass es im Norden anderen Mangel an verschiedenen Nährstoffen in den Böden gibt als im Süden, weswegen es ein TSH-Gefälle gibt, zum Beispiel innerhalb von Deutschland.
  • Und wenn man sich auch so TSH-Werte anschaut, waren die vor zehn Jahren die Referenzbereiche anders. Ja, also die waren nicht so breit wie sie jetzt sind, sondern deutlich schmaler, was auch logisch ist, wie du es gerade gesagt hast. Diese Referenzbereiche passen sich ja an aufgrund dieser statistischen Breite, die wir dann einfach haben und je nachdem wie viele Menschen ich versuche jetzt bewusst nicht zu sagen, wenn wir kränker werden, werden die Werte breiter.
  • Theoretisch ist es natürlich so, aber das ist jetzt ja keine richtige haltbare Aussage. Es ist jetzt so eine Vermutung, die irgendwie dahinter steckt. Aber ich glaube, das ist etwas, was ganz viele auch verstehen dürfen, dass wir auch bei den Referenzbereichen, auf die sich ja sehr, sehr, sehr viele beziehen, das sind ja keine studienbewiesenen Bereiche, sondern das ist ja Statistik, nichts anderes.
  • Und das, was das glaube ich ganz, ganz viele falsch verstehen, und das ist zum Beispiel auch was, was ich mir total gut vorstellen kann, dass das so wahrscheinlich an der primären Frage war, die du wahrscheinlich immer noch bekommst, weil das kenne ich ja auch als Frage, wie werde ich das jetzt aus, wie ist es? Aber es ist natürlich auch schwierig, sich einen Wert isoliert anzuschauen und diese Gesamtheit irgendwie nicht zu verstehen am Ende, weil dann irgendwie doch was anderes, wenn der LDL-Wert so semi gut ist und der HDL wird es hoch, aber das ist niedrig oder es ist dann plötzlich oder was ganz anderes, wenn der Wert dann hoch ist beim Kleinen. Also vom Grundtenor her spielt das ja schon bei den meisten Werten noch eine Rolle. Und deswegen ist natürlich das finde ich eine komplexe Sache, aber deswegen brauchen wir viel mehr von solchen Büchern und von solchen Themen.

00:44:11 Laborwerte für Laien

Warum man sich auch als Nicht-Mediziner mit ein paar Labotwerten auskennen sollte – auch wenn es kompliziert gemacht wird.

Helena

  • Also tatsächlich, vielleicht noch mal zurück zur praktischen Bedeutung des Labors für die Nährstofftherapie. Also, ich denke wirklich, dass wenn man das besser, sicherer, direkter, kraftvoller machen möchte, dass man auch als Laie nicht drum kommt, sich ein bisschen mit den Laborwerten zu beschäftigen. Und man möge es uns nicht übel nehmen, wenn mir oft die Worte fehlen, dass ich einfach die Fragen kaum korrekt beantworten kann, weil die Menschen sich das einfach zu leicht vorstellen.

Thiemo

  • Ist das auch gar nicht bei Instagram so, das ist auch, ich glaube nicht, dass das das ist, was die Menschen wollen, dass man diese Fragen beantwortet. Also kurzfristig natürlich schon. Aber wenn du jemanden nicht kennst und da gibt es ja so eine medizinische Antwort am Ende, dann ist die Antwort ja nur halb so gut, wie sie eigentlich wäre, wenn du jemanden wirklich kennen würdest.

Helena

  • Also ich habe schon versucht, diesem Problem irgendwie etwas näher zu kommen, indem ich also erstens versuche durch die Nennung konkreter Werte aus den zwei Referenzlaboren oder Standardlaboren, die ich habe, einfach dort die Zahl zu nennen, mit der ich gute Erfahrungen gemacht habe. Und auch das ist vielleicht interessant zu wissen, es ist wirklich auch nicht so leicht, von Labor zu Labor die Werte zu vergleichen.
  • Wo das ganz gut klappt, sind diese klassischen Standardwerte, die man eben auch in der Ausschlussmedizin gerne macht. Ich würde auch sagen, dass man da aus dem Ausland dann die Werte vergleichen kann, aber ich hatte keine andere Möglichkeit, es praktisch zu machen, als konkret die Werte zu nennen, mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe und manche von diesen Werten, gerade auch was die Nährstoffspiegel betrifft, die sind auch einfach noch gar nicht standardisiert.
  • Und da ist es tatsächlich noch mal schwieriger, unterschiedliche Labore zu vergleichen. Also ich habe gesehen, du arbeitest mit Ganz Immun, glaube ich, zusammen.

Thiemo

Helena

  • Auch mit Augsburg auch. Also das ist wirklich, ich kann das nicht ändern. Ich habe wirklich viele Jahre gebraucht, um auch mich mit den Werten wohlzufühlen. Ich kann das nicht anders erklären. Das ist ein riesen Apparat, so ein Labor, da sind unheimlich viele Möglichkeiten für Fehler. Es wird ja immer noch alles in der Praxis abgeholt. Dann muss die Analyse muss stimmen.
  • Das ist wahnsinnig viel Arbeit. Manche meinen dann auch, ich soll mal jetzt mal eben sagen, welche Laborwerte man bestimmt. Nein, soll man das neue Buch lesen? Da steht dann zu jedem, denke ich mal, größeren Thema auf jeden Fall ein paar Ideen drin, aber das ist wirklich ein komplexer Vorgang. Ja, das kann sicherlich in der Zukunft mal alles viel einfacher werden.
  • Aber noch ist das richtig analog. Meine Mitarbeiterin bereitet alles vor, Zettel digital, dann wird das abgenommen. Der muss immer auch immer die gleiche Zeit. Ich mache das immer morgens, immer zwölf Stunden nichts gegessen haben, bitte nur Wasser trinken morgens. Ich messe immer ohne irgendwas. Vielleicht auch noch mal wichtig. Wenn also jemand Hormone nimmt, bitte vorher keine Hormone auch nicht die auch gar nichts Andere Praxen machen das anders. Wichtig ist, dass die Praxis selber, wo man das bestimmt, einen Plan hat und ein System, so dass man dann auch zwischen den Individuen die Werte vergleichen kann. Nicht nur zwischen dem einen, einen aber auch. Auch da muss das teilweise zentrifugiert werden. Also wir haben auf jeden Fall eher vier Zentrifugen in der Praxis und das sind dann auch manchmal 15-20 Röhrchen, die dann in verschiedene Labore gehen, wo dann jemand kommt, der muss durch den Verkehr, dann geht das wieder an eine Annahmestelle.
  • Da kann es auch mal irgendwas sein und dann wird das in ein Zimmer getragen, zu einem Menschen oder einer Maschine. Also das ist ein riesiger Prozess, der viel mit Logistik und Vorbereitung zu tun hat. Das ist nicht mal eben so, alles so nachzumachen. Es hat viel Arbeit gekostet, sich irgendwie so etwas zu erarbeiten.

00:48:23 Kleine Zahlen, große Aussagekraft

Manche Menschen brauchen es Schwarz auf Weiß, um Veränderungen durchzuführen.

Helena

  • Aber du hast meine Erfahrung angesprochen. Also, ich kann wirklich sagen, dass mit all dem, was ich schon so gesehen habe, und immerhin, ich gucke mir jetzt Blutwerte seit 30 Jahren an, von anfangs sehr kranken Menschen bis jetzt eben etwas gesünderen Menschen. Und diese Werte, diese Zahlen, haben eine große Aussagekraft. Auch zum Beispiel gesundes Verhalten könnte man den Menschen dann erklären.
  • Hör mal, du hast ein HbA1c von 6.0, du musst etwas machen, ansonsten ist dein Risiko für Diabetes hoch – das kann man ausrechnen. Bin mir ganz sicher, dass viel mehr Menschen mitmachen würden und auch ihr Leben und ihre Lebensweise verändern würden, wenn sie wirklich wüssten, dass es sie betrifft. Und ergänzend dazu mit Nährstoffen und Hormonen zu arbeiten, ist halt jetzt auch noch mal einfach attraktiv, weil ich schon glaube, dadurch, dass wir so alt werden, dass dadurch, dass wir echt ganz schön Umweltbelastung ausgesetzt sind, ist das mit einer gesunden Ernährung, die man auch erst mal haben und bekommen muss, einfach nicht zu schaffen, das, was ich will. Es sei denn, man hat super Genetik.

Thiemo

  • Woran liegt das?

Helena

  • Also, ich finde, dass tatsächlich viele genetisch einfach ein paar Schwachstellen aufweisen. Also, ich bin ja als Internistin an der Vermeidung von Folgen von altersbedingten Stoffwechselerkrankungen interessiert, weil erst die Folgen unsere Lebensqualität einschränken und uns im schlimmsten Fall zu einem Pflegefall machen. Und da wäre jetzt also vor allen Dingen ist ja so meine Reihenfolge, die ich meine, auch so beobachtet zu haben, dass der Knochenschutz sehr wichtig ist.

00:50:14 Knochenschutz ist wichtig

Warum Helena großen Wert auf den Knochenmetabolismus legt.

Helena

  • Da waren wir uns ja auch einig. Das bedeutet, dass es eben für die Frauen sehr, sehr wichtig ist, nicht ab 40-50 schwere Osteoporose zu entwickeln. Dann ist es ganz wichtig, die Gefäße zu schützen. Das heißt also nicht, Arteriosklerose zu entwickeln. Aufgrund von vielen Risikofaktoren, die ja auch genetisch vorhanden sein können, ist es eben wichtig, dort zu schauen, wer ein Risiko hat.
  • Und ganz schlimm ist es eben, wenn man Osteoporose- und Arteriosklerose-Genetik hat. Plus dann vielleicht auch noch ein Immunsystem, das sich gerne nicht wieder beruhigt und gerne in der stillen Entzündung bleibt. Und wenn man das hinbekommen würde, besseren Knochenschutz, besseren Gefäßschutz, dann haben auf jeden Fall diese Organe Niere, Herz und Leber – Niere, Herz und Gehirn. Also diese ganzen Themen Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz, die sind ja sehr von den Gefäßen abhängig.
  • Und wenn dann noch Knochen zusätzlich sich verkalken, sind die Gefäße auf jeden Fall noch besser geschützt. Und damit könnte man dann doch sehr viel Stürze, Frakturen, Schmerzen, Thrombose, Ereignisse, Schlaganfall, Herzinfarkt und vielleicht auch das Thema Demenz hinter unseren Tod hinausschieben.

Thiemo

  • Also ist diese Genetik oder?

Helena

  • Also man kann es schon. Es ist dann halt einfach noch mal eine Kostenfrage.

Thiemo

  • Wenn, was willst du da messen? Also hast du da so spezifische Sachen, die du da misst, wenn Geld keine Rolle spielt.

Helena

  • Dann könnte man zum Beispiel bei einer Kollegin, die in Hamburg sitzt und sich genetisch sehr viele präventive Profile ausgedacht hat, eine Genetik machen. Wenn man so ein größeres Programm haben möchte, sind das dann aber auch mehrere Tausend Euro. Kleinere Sachen? Kann man zum Beispiel Gefäß- und Neurotransmitter-Stoffwechsel oder so etwas für vielleicht 1.000 €.
  • Also man kann das schon. Man kann auch beim IMD zum Beispiel oder auch in den Laboren so auch teilweise Genetik, meinetwegen Chemo oder zum Beispiel. Auch interessant sind die Enzyme von der zweiten Entgiftungsphase in der Leber. Man kann also auch so einzelne Sachen. Fakt ist, oft brauche ich die Genetik gar nicht mehr, weil wenn ich in der Bildgebung ja schon Osteopathie-Übergang zur Prognose habe, plus erhöhten Abbau-Parametern, ist ja klar, dass da etwas vorliegt, was vielleicht im Vergleich zur Freundin oder Schwester irgendwie schneller vorangeht. Erst recht, wenn die Frau vielleicht auch nicht geraucht hat und sich gut ernährt. Dann ist da einfach was Genetisches.
  • Der Punkt ist, man sieht die Genetik nicht so wie bei uns in der DNA, die Hautfarbe oder meinetwegen hier bei den Männern die Haare oder die Augenfarbe oder so. Sondern das ist alles, was man über Bildgebung und/oder Labor ausarbeiten muss, wo Genetik ist. Aber man kann. Also es ist nicht das Problem. Die Diagnostik liegt rum und wird nicht benutzt. Ja, sie ist teuer. Noch ist sie teuer, aber früher waren auch Videorekorder teuer, und jetzt haben wir sie alle in unseren Smartphones. Also sobald etwas viel benutzt werden würde, würde es ja auch für die Masse günstiger werden.

Thiemo

  • Also gibt es eine schöne Statistik, die glaube ich noch sogar signifikanter ist als Videorekorder. In dem Beispiel, nämlich Genanalysen. Die hat man sich dort angeschaut. 2020, also jetzt eher das Endstadium dieser Untersuchung ist 2020 gewesen, meine ich. Und der Start war ungefähr 2000, und da sieht man den Preis von einer kompletten Gen- oder Genom-Sequenzierung, die ungefähr bei einer Million lag am Anfang. Und jetzt reden wir so von knapp 1000 nochwas Euro. Der Preis ist deutlich runtergegangen aufgrund dessen, dass das halt immer mehr Menschen gemacht haben.

Helena

  • Ja, ich denke auch, dass die Prozesse, die haben sich sehr automatisiert, auch.

Thiemo

  • Klar, natürlich, absolut. Also die Technologie dahinter ist natürlich auch viel, viel, viel effizienter und besser geworden.

Helena

  • Also man kann sehr, sehr viel machen. Also man kann auch mittlerweile ja auch in der Onkologie jede einzelne Tumorzellen total molekular, genetisch sozusagen personifizieren, um zum Beispiel in einem schwereren Verlauf einer onkologischen Erkrankung vielleicht noch mal über so eine Analyse irgend so ein ganz geheimes.

Thiemo

  • Hast du schon mal was gehört?

Helena

  • Steht hier gar nicht auf meiner Liste.

00:55:05 Genanalysen und Liquid Biopsie

Die Zukunft der Diagnose?

Thiemo

  • Aber wo wir gerade darüber reden: Hast du schon mal von Liquid Biopsie gehört? Also ich habe darüber gelesen, und tatsächlich auf dem gesamten Kongress letzten Sommer war auch eine Firma dort, die meint, so etwas zu können. Habe ich aber mit mir selber noch nicht getraut, weil wir wollten das tatsächlich mal ausprobieren in der Praxis. Aber es ist gar nicht so einfach, da dranzukommen und das dann wirklich am Ende auszuprobieren. Also letzten Endes ist das ja nur eine, also so, wenn ich es richtig verstehe, eine Messung von kleinsten mRNA-Partikeln oder DNA-Partikeln.
  • Aber so tief bin ich da selber noch nicht drin, also Genom-Partikeln von Krebszellen letzten Endes, und die werden halt irgendwie im Blut sequenziert und gemessen, und aufgrund dessen kann man irgendwie dann einen Rückschluss aufgrund dieser Zelle auf den Tumor schließen.
  • In Amerika ist das schon sehr, sehr, sehr groß. Also ich habe in Deutschland tatsächlich noch niemanden gefunden, der das schon mal gemacht hat, wirklich so, und ich würde das selber einfach super gerne mal probieren, weil ich kann mir vorstellen, dass das in den nächsten zehn Jahren sicher eine spannende Geschichte werden wird.
  • Also ich meine eher phänomenal. Wenn man über eine Blutuntersuchung herausfinden könnte, ob man irgendwo schon.

Helena

  • Die Frage ist dann natürlich die therapeutische Konsequenz.

Thiemo

  • Absolut.

Helena

  • Und das psychisch ist das auch nicht so ohne. Vor allen Dingen, wenn du dann nichts findest, was du dann irgendwie tun könntest, und dann bist du natürlich sozusagen in einer Mühle drin. Aber ich denke schon, dass das die Zukunft werden wird, weil auch da analog jetzt zu dem, was ich meinetwegen zu Osteoporose und Arteriosklerose denke, da braucht es ja auch 10, 20, 30 Jahre.
  • Und natürlich kann ich, sobald der Knochen mit dem Verlust von Östrogen anfängt, sich mehr aufzulösen, das im Blut messen. Und je nachdem, wie dann das Standing ist und wie der Knochen sozusagen zu Beginn der Postmenopause ist, kann man sich dann natürlich hochrechnen, was dann mit dem Knochen passiert und Osteoporose ist richtig schlimm und auch richtig behandelt werden muss.
  • Das ist ein Prozess von 10, 20, 30 Jahren. Okay, da wüsste ich jetzt, was ich tun soll. Wenn ich jetzt aber eine Krebszelle finde und ich weiß jetzt also vielleicht in fünf Jahren, kriege ich irgendwo einen Tumor, bräuchtest du im Prinzip Antikörper oder Biologie, um dann diese Krebszellen sozusagen auch wieder wegzubekommen.

Thiemo

  • Wobei man schon ja auch, also ist jetzt aber ja, reines Mutmaßen natürlich schon auch gucken könnte, dass man präventiv dann mehr arbeitet. Jetzt vielleicht nicht spezifisch auf dieses Thema bezogen, aber was mir jetzt als erstes in den Sinn kommt, ist so: Wir können ja zum Beispiel ApoB messen, also für Alzheimer-Risiko. Und wenn wir da eine homozygote ApoB Variante vorliegen haben, haben wir 18, 19, 20 % erhöhtes Risiko.

00:58:04 Präventivmedizin

Welche Konsequenzen können sich aus den Neuerungen in der Diagnostik ergeben?

Thiemo

  • Da weiß man ja auch nicht, dass man Alzheimer bekommt, sondern dass man ein deutlich erhöhtes Risiko hat. Und auch da ist ja die Frage, ob man nicht präventiv medizinisch, weil auch das ist ja ein riesen Diskussionspunkt, wenn man sich mit anderen Ärzten austauscht. Wir machen das zum Beispiel in der Praxis, weil ich das absolut essenziell wichtig empfinde zu machen.
  • Klar, es ist ein sehr teurer Spaß, kostet glaube ich 140 €. Macht man ja auch nur einmal. Jetzt nicht irgendwie alle paar Wochen wieder. Aber man weiß natürlich, wenn man sich die Daten anguckt, gibt es nicht spezifische präventiv medizinische Alzheimer-Therapien oder so etwas. Aber man weiß schon, dass gerade zum Beispiel Ausdauersport den größten Effekt auf Alzheimer langfristig haben kann.
  • Also wenn man sich die Daten anschaut und da wäre es ja fatal, wenn man das messen kann, finde ich, aber man nichts dagegen macht. Und auch dann wissen wir ja ungefähr, auch wenn Alzheimer ja immer noch nicht wirklich verstanden ist, ist die Frage, ob das in 20 Jahren anders ist. Aber wir wissen ja schon so Teilgebiete davon, und wir wissen ja auch, womit es zu tun hat, mit verschiedenen Proteinen und co.
  • Aber wir wissen ja, dass eben dieses ganze Thema rund um einen gesunden Lifestyle und so schon eine Rolle zu spielen scheint. Und ist natürlich die Frage, ob das bei so einer Biopsie langfristig ist, ja ein ganz anderer Komplex, aber ich finde es trotzdem super spannend, weil das natürlich auch wieder in dieses präventiv medizinische Messen und Co rein gehen würde. Lass uns noch mal zurückkommen zum Anfang, zu diesen Fragen.

00:59:33 Helenas Supplemente Take Away

Welche Nährstoffe sollte man zusammen einnehmen und welche lieber nicht?

Thiemo

  • Du hast so zwei, drei Fragen am Anfang genannt. Wir haben viel über Labordiagnostik gesprochen. Wenn man so ein bisschen über die Interpretation gesprochen hat. Da sollen die Leute sich das Buch anschauen. Das ist, glaube ich, das Relevanteste. Du hast eine sehr schöne Frage am Anfang in den Raum geworfen, die wir noch gar nicht besprochen haben.
  • Und das ist eine, die ich auch ganz, ganz, ganz oft bekomme. Da würde mich mal dein Takeaway interessieren. Du hast nicht gesagt, welche Sachen man mit welchen zusammen nehmen darf oder welche man vielleicht bewusst nicht zusammen nehmen sollte. Genau, mich würde mal total interessieren, was für dein Takeaway ist, wenn es darum geht, welche Dinge man von Nahrungsergänzungsmitteln und Nährstoffen zusammen nehmen darf, welche man vielleicht bewusst nicht zusammen nehmen sollte.
  • Ich habe da eine Meinung, aber…

Helena

  • Also meine Grundsatzerfahrung ist, dass tatsächlich sich die Menschen darüber zu viele Gedanken machen, deswegen habe ich auch in dem Buch habe ich quasi in Kapitel 2 so ein bisschen tabellenartig zu jedem Nährstoff hingeschrieben, wer mit wem und so.
  • Und das sind nicht viele Sachen, wo ich wirklich darauf achte, also welche getrennt genommen werden sollten und vielleicht eine … oder ich sage mal vielleicht die wichtigsten Sachen, die ich wirklich versuche, ein bisschen getrennt von allen anderen Mineralien einzunehmen, ist das Eisen. Und da fühlen sich Frauen auch eher ein bisschen übel, wenn sie Eisen in höherer Dosierung einnehmen müssen, daher gebe ich das ganz gerne zu Nacht. Außerdem ist auch in meiner therapeutischen Vorgehensweise oft der Morgen, wo man nüchtern ist, besetzt mit vielen, vielen anderen Sachen, wo ich das Eisen nicht gerne mit zusammen im Team haben möchte.

Thiemo

  • Was heißt hochdosiert?

Helena

  • Na ja, also sagen wir mal so, ich nutze ganz gern 30mg. Oder 80mg gibt es schon in den Apotheken, wenn man mal etwas in der Apotheke benutzen möchte und die Ärzte geben es natürlich gerne. Ich mag es auch nicht so gerne, aber ich finde schon, wenn die Ärztin das vielleicht oder wenn die Ärztin das zumindest mal verordnet hat, dass man das ja mal probieren kann.
  • Aber es gibt dann auch kleinere Sachen, die sind dann so 15 Milligramm. Muss man vielleicht zwei oder drei nehmen oder fünf Mal nehmen, aber das nehme ich zum Beispiel jetzt nicht zusammen mit Zink oder Magnesium oder so was. Einfach weil ich so die Sorge habe, dass das dann noch schlechter vertragen wird und dass sich dann vielleicht Komplexe bilden und dann wird es auch nicht resorbiert.

Thiemo

  • Und nimmst du das sieben Tage am Stück mit dem Eisen oder machst du Pause zwischendurch oder wie?

Helena

  • Tatsächlich gucke ich so ein bisschen, was derjenige verträgt. Ich meine nicht zu wissen, dass das eine gut oder das andere schlecht ist. Ich habe eher so das Gefühl, dass es grundsätzlich einfach anstrengend ist, es oral hinzubekommen. Und wenn jemand sehr empfindlich ist, dann würde ich eher aus Rücksichtnahme auf diese Empfindlichkeit sagen, fang mal an, jeden zweiten Tag oder so. Das ist ein interessantes und manchmal nicht so einfaches Thema.
  • Dann gucke ich zum Beispiel, dass Natrium nicht auch morgens direkt, zum Beispiel mit den Schilddrüsenhormonen oder auch Nebennierenhormonen geschluckt wird. Und das trenne ich gerne von sehr hohen Dosen von Vitamin C, weil ich mir vorstelle, dass vielleicht dann die Fähigkeit zu oxidieren dieser beiden Substanzen etwas gestört werden könnte.

01:03:27 Kann die falsche Einnahme schädlich sein?

Wie steht Helena zu solchen Aussagen?

Helena

  • In Wahrheit findet man die ja schon auch in Multis und die klappen dann auch. Also es ist dann auch nicht schädlich, wenn man das dann nicht so macht. Es geht ja nur um vielleicht eine etwas bessere. Die Menschen denken oft, man würde sich dann schaden, also so als würde man zwei Antibiotika zusammen, die sich dann irgendwie aufheben oder die einen sofort vergiften oder so was.
  • So irgendwie, ich weiß auch nicht. Also irgendwie ist das Misstrauen der Pharmakologie so groß, dass sich das auf die Nährstoffe überträgt. Also da ist irgendwann in Deutschland irgendwas vielleicht ein bisschen schief gegangen, vielleicht vor dem Zweiten Weltkrieg oder so, ich weiß es nicht. Ich stelle das fest und bin selber ein bisschen erstaunt, dass es so ist. Um das sind vielleicht schon mal die wichtigsten Sachen.
  • Und dann gibt es nicht so viel, was ich jetzt so explizit nicht zusammen haben will. Mein Problem in meiner Praxis ist, dass ich sowieso sehr, sehr viel gebe und ich habe gar nicht die Möglichkeit, das jetzt jemandem alles getrennt zu geben. Und meine Erfahrung ist, dass das schon klappt, es sei denn, jemand individuell wird übel. Also manchen wird zum Beispiel auch etwas schlecht vom im höher dosierten B-Komplex.
  • Das kann dann vielleicht mit der Entgiftung in der Leber zusammenhängen oder manchen wird auch übel bei Zink oder auch nach Kupfer. Also man muss eher individuell schauen und es ist nicht so sehr der Nährstoff, der jetzt sofort deutsche Verbote mit sich bringt, sondern eigentlich kann man so ein bisschen machen, was geht. Und vor allen Dingen sollte man machen, was individuell für den Menschen auch im Alltag umsetzbar ist.
  • Und das ist meine Orientierung. Also ich frage: Wann stehst du denn auf und wann isst du denn was und wann wäre es denn möglich, an etwas zu denken? Dann gucke ich, ob ich zwei Slots, drei oder vier vielleicht hinbekomme. Vielleicht so ein bisschen wie Sport oder Meditation, dass man schaut. Aber sitzt du vielleicht irgendwo rum und muss mal warten und kannst dich erholen, mal ein bisschen atmen?
  • Also das ist viel, viel, viel wichtiger, dass man etwas sich ausdenkt, was umsetzbar ist für den Einzelnen in dem Alltag.
  • Also es verträgt nicht jeder Vitamin C, es verträgt nicht jeder so viel Magnesium, wie ich es gern hätte, ohne Durchfall. Es ist so, finde wirklich immer wieder wie Sport.
  • Nur der eine, der knickt um, wenn man den Joggen schickt, der nächste kriegt einen Muskelfaserriss, die nächste kriegt eine Blasenentzündung im Schwimmbad. Also man muss einfach ein bisschen individuell schauen, was ist von den Laborwerte her sinnvoll, welche Dosierung müsste man etablieren, um auch anderen Wirkungen zu erzeugen. Und insofern steht in meinem Buch ja zu jedem Nährstoff, dass eigentlich fast alles erlaubt ist, weil mir ganz wichtig war, viele Ängste erst mal zu nehmen und man keinen Schaden anrichtet, wenn man mal etwas ohne Arzt macht.

01:06:39 Die Angst nehmen

Warum Helena und Thiemo Hemmungen abbauen und Ängste nehmen wollen.

Thiemo

  • Wenn du das Thema jetzt schon so oft angesprochen hast: also, ich würde sagen, ein Großteil der Follower bei mir sind auch Frauen, die das überschätzen.
  • Eine andere Altersgruppe, aber das ist ja nicht wichtig. Das Thema Ängste spielt eine große Rolle oder auch die Angst, etwas falsch zu machen mit diesen Dingen. Und du hast jetzt ja gerade so Eisen, Natrium. Ich hätte nämlich das, was du ganz am Anfang gesagt hast, dass man eigentlich nicht so kompliziert sehen muss. Das hätte ich nämlich auch gesagt.

Helena

  • Tatsächlich, das ist doch gut.

Thiemo

  • Allein deswegen, weil man sieht das auch. Es macht einen Unterschied, ob ich Magnesiumbisglycinat, -malat oder was auch immer nehme. Es wird halt über unterschiedliche Aminosäurenrezeptor sogar aufgenommen, und damit je nachdem, welche Form ich nehme. Theoretisch würde das so kompliziert machen, aber das einzige, wo ich auch kritisch bin, ist tatsächlich Eisen. Bin ich beim Selen gar nicht wirklich, aber beim Eisen auch.
  • Und da versuchen wir auch, wenn wir das wirklich abends geben, dass wir das separiert von allem anderen machen, was wir aber tatsächlich auch oft machen, das Eisen zur Nahrung dazuzugeben, einfach auch wenn wir wissen, dass es dann schlechter aufgenommen wird. Aber was wir sagen, genau, bevor man es gar nicht macht und die es wird deutlich besser vertragen, weil man halt dann nicht nur Eisen letzten Endes durch den Darm.
  • Es ist ja nicht nur Eisen, aber trotzdem wirkt es ja dann. Ob Symptome waren oder mehr über Nebenwirkungen. Letzten Endes macht so etwas wie Übelkeit und auch Verstopfung und co. Und da würde ich sagen, aber es jetzt wieder nun ist wieder nur Erfahrung. Kann ich jetzt keine Daten nennen oder so ist es finde ich wird es sehr gut vertragen zur Mahlzeit. Aber es wird natürlich dann weniger aufgenommen, als wenn ich es halt nüchtern machen würde, morgens, aber das machen wir gar nicht.

Helena

  • Also dann freue ich mich aber, dass du das ähnlich erfahren hast, weil tatsächlich draußen oft auch finde ich Fleisch von vielen Experten, halb Experten eher das Gegenteil. Behauptet wird, dass entweder nur das eigene Produkt das allerbeste sei und man will oft dies nicht und das nicht und das sei ganz schlecht. Also ich finde schon, dass bezüglich Nährstoffe auch so in dieser Instagram Welt durchaus zu kompliziert und ja auch wieder, als sei das so mächtig irgendwie.
  • Wenn man da jetzt irgendwie das statt morgens abends nimmt und man so das Beste, also das Beste ist, das was geht, was der Mensch macht. Und wenn dann im Labor mit der entsprechenden Dosierung Dinge sich hin zur Gesundheit bewegen, dann ist das gut. Und das reicht dann auch.

Thiemo

  • Ja, es ist ja sowieso nur ein Tool von ganz vielen, viele muss man ja ausprobieren.
  • Und ich habe es ja gerade eben im Auto schon mal erzählt, als wir hierher gefahren sind, wenn wir auch da tatsächlich drüber nachgedacht, eine Nährstoff-/ Supplementfirma zu gründen. Einfach aufgrund dessen, dass wir halt selber oft so verzweifelt waren, weil es super schwierig ist in der Praxis. Wenn du etwas empfiehlst, ein bestimmtes oder du empfiehlst ein Eisenbisglycinat, dann kommt jetzt die Frage: Was ist das?
  • Welches Präparat soll ich nehmen? Dann empfiehlst du sogar vielleicht ein Präparat, weil es eine individuelle Heilbehandlung ist. Dann ist das Präparat nicht lieferbar. Dann musst du wieder etwas Neues raussuchen, dann nehmen die Leute vielleicht das Falsche. Am Ende des Tages. Aber ich habe mich ja auch gänzlich davon distanziert, überhaupt irgendwelche Produkte zu nennen und auch eine eigene Supplement-Firma zu gründen, weil man ja trotzdem, auch wenn die Intention ja eine andere ist, etc. immer eine kurze Geschichte, weil das war der Moment, wo ich gedacht habe, ich werde das nie wieder machen und keinen Gedanken daran verschwenden, eine Nahrungsergänzungsmittel-Firma zu gründen, auch wenn ich Spaß daran gehabt hätte.
  • Ich mache einen Master in präventiver und funktioneller Medizin in Dresden, und wir saßen da und wir haben so einen Film geguckt. Ich glaube, wir hatten irgendwie das Fach, was wir gerade hatten. Ich, es war Statistik oder es war Masterarbeit oder irgendwie so was, an die wissenschaftliches Arbeiten genau das war, das war das Fach. Und wenn so ein Film geguckt, ich weiß nicht mehr, worum es in dem Film ging, aber ich erinnere mich ganz genau an eine Szene, und zwar war einer der Ärzte.

01:10:52 Unabhängig sein als Arzt

Ärzte und die Zusammenarbeit mit Firmen.

Thiemo

  • Es ging um die Leitlinien, die aktuelle Adipositas-Leitlinie, und einer der Mitverfasser dieser Leitlinie saß vor der Kamera und hat darüber geredet, welche Dinge gemacht werden sollten, wenn man einen erhöhten BMI hat oder wenn man viel Körperfett hat. Und dann hat er so ein paar Sachen empfohlen, die man machen soll, wie Whatever, Charles und vier, fünf andere Sachen noch.
  • Und dann hat sich dieser Reporter nach diesem Interview, oder vielleicht wusste er es auch schon vorher, hingesetzt und hat sich diesen Verfasser angeguckt. Der war halt ein Teil dieser Ärzteschaft, die diese Leitlinien geschrieben haben. Und es waren irgendwie fünf oder sechs Ärzte, die diese Leitlinien geschrieben haben. Und es waren fünf oder sechs Programme empfohlen wurden. Und jeder dieser Ärzte, der in dieser Leitlinie mit drin war, dem gehörte eines der Programme.
  • Und die haben also alle die Programme empfohlen, die in dieser Leitlinie drin standen. Und klar, sie haben argumentiert und gesagt Ja, aber wir haben die Programme geschaffen aufgrund dessen, dass wir dieses Problem gesehen haben. Aber selbst bei mir hat das diesen dieses Gefühl ausgelöst in diesem Moment, dass ich gedacht habe Ja, aber vielleicht empfehlen die das auch in der Leitlinie Ja, also in dieser 400 Seiten Leitlinie zu Adipositas stand das dann drin.
  • Und das ist ja jetzt kein Instagram-Empfehlung, sondern das ist jetzt wirklich pure Medizin. Aber ehrlicherweise sollte da auch nicht so ein Unterschied zu sein, und das hat so ein schlechtes Gefühl ausgelöst in diesem Moment bei mir, weil ich gedacht habe, ich weiß gar nicht, ob ich das glauben soll, was der dann gesagt hat über diese, über diese Herangehensweise.
  • Und ich fand es dann schon fast muss fast das Wort lächerlich ein bisschen benutzen. Als er dann darauf angesprochen wurde in dem Interview und er gesagt hat Ja, aber wenn es um das Produkt ging, was mir letzten Endes gehört, dann bin ich bei den Diskussionen in der Leitlinie rausgegangen. Und wenn es um die Produkte der anderen ging, jeweils derjenige, dem das Produkt oder der ist dann aus dem Raum rausgegangen.
  • Und da habe ich dann auch gesagt so, ja, kann sein, Aber es erzeugt ein Gefühl nach außen und ich Und vor einem Jahr hätte ich was ganz anderes gesagt, so er. Aber ich finde schon. Ich weiß nicht, ob Ärzte das machen sollten, ob Ärzte so was empfehlen sollten, ob solche Firmen besitzen sollten, ob Ärzte mit solchen Firmen zusammenarbeiten sollen.
  • Ich weiß es nicht, weil und ich sage das als jemand, der das ja zu einem Teil selber früher getan hat. Aber ich finde, das erzeugt immer eine gewisse Befangenheit. Und ich glaube nicht, dass wir die in der Rolle, in der wir uns befinden, klar sind, wir auch Menschen wohnen, nicht nur Ärzte, aber ich finde trotzdem, dass das ein ganz, ganz wichtiger Punkt ist und den man auch einfach mal so fallen lassen, der aber natürlich sehr schwierig macht, so ein Buch zu machen in so einem Kontext.
  • Weil du würdest dich ja dann hinsetzen und sagen Ich empfehle Eisen und ich kann mir jetzt vorstellen, dann kommen die Leute und fragen Ja, Helena, welches Präparat soll ich denn jetzt nehmen?

Helena

  • In dem ersten Buch habe ich ja Firmen empfohlen aus genau dem gleichen Bedürfnis von Hilfe geben wollen, wie du auch geschildert hast. Ich habe gedacht, na ja, gut, ich arbeite natürlich mit ein paar Firmen zusammen, ich habe von denen nichts. Aber ich wollte einfach irgendwie den Menschen einen anfänglichen Start geben, womit sie auf jeden Fall erst mal ohne Gefahr beginnen könnten.
  • Und dann fand ich irritierend, dass trotzdem ganz viele Fragen kamen. “Ja, Frau Doktor, welches welche Firma würden Sie denn empfehlen?” Und dann habe ich gedacht, ich habe doch schon geschrieben, was mit welchen Firmen ich zusammenarbeite. Und dann war ich schon auch ein bisschen wütend. Oder sagen wir mal doch ein bisschen wütend. Und dann habe ich gesagt, okay, das heißt, ich schreibe in dem zweiten Buch gar keine Firma mehr.
  • Ich werde nichts mehr empfehlen, weil mir ganz wichtig ist, dass ich einfach besser erkläre, wie man gut einkauft und was sozusagen vielleicht auf der Packung stehen sollte. Und was nicht. Und ich meine, Menschen können ja auch Möbel nachhaltig kaufen und Äpfel können sie auch kaufen. Warum sollen sie dann jetzt auch lernen irgendwie gute Nährstoffprodukte zu kaufen?
  • Und wir sind ja hier in Deutschland auch irgendwie ganz gut versorgt mit guten Firmen. Die finde ich auch sehr gut. Außen schreiben was drin ist und vielleicht auch was nicht drin ist. Das war tatsächlich vor 15 zehn Jahren an, da habe ich noch mit vielleicht mehr Sachen aus dem Ausland arbeiten müssen. Das ist heute aber wirklich anders, sodass eigentlich nicht eigentlich, dass man mit einem gesunden Menschenverstand und vor allen Dingen mit dem Wissen vielleicht welche Dosis man täglich braucht oder pro Woche, dass man und mit dem Wissen, dass man eigentlich fast nicht so viel Fehler machen kann, wenn man gemessen hat und seine Dosis weiß, dass man dann einkauft und bitte mich nicht mehr fragt, welche Firma und welches Produkt, weil das würde ich nicht mehr beantworten. Aber diese Erfahrung habe ich auch gemacht und ich finde es auch als Ärztin sehr schwierig mit diesen Produkten.
  • Wobei ich auch mir wünschen würde, etwas zu haben, was ich vielleicht selber irgendwie entworfen habe, es ganz sicher bin, dass Misstrauen nicht angebracht ist. Aber das interessiert mich tatsächlich. Mich interessieren Produkte gar nicht. Mich interessiert Menschen zu beschützen vor dem, was im Moment so getan wird, als sei das ganz normal und eben unser Schicksal. Und immer ist nur der Einzelne verantwortlich, in dem man einfach sich noch gesünder ernähren muss. Und wann hast du auch mal gefragt, woran liegt das, dass ich daran glaube, dass die Ernährung nicht reicht?

01:17:34 Umweltbelastung

Das heikle Thema Entgiftung – wie belastet sind wir?

Helena

  • Ich denke, ein wichtiger Punkt ist tatsächlich unsere Umwelt. Inwiefern das Schadstoffe sind.
  • Also, man kann ja mittlerweile auch Umweltgifte über die Blutwäsche rauswaschen und kann dann die Watte untersuchen. Und tatsächlich sind auch Menschen, die jetzt nicht irgendwie ein ganz schreckliches Leben haben und die es auch nicht schrecklich kommunikativ haben, belastet mit Glyphosat, Plastik, Schwermetallen, Pestiziden, mit Dingen, die ich gar nicht aussprechen kann. Insofern, das ist etwas, das hat es so bestimmt vor 30 Jahren noch nicht in unseren Körpern gegeben.

Helena

  • Und das braucht tatsächlich vor allen Dingen Ausleitung, Transportmittel. Das sind zum Beispiel sehr viele Mineralien, die als Co-Faktoren wirken, um Niere und Leber zu helfen. Auch das, was geht. Vieles geht gar nicht, auch über Urin oder Stuhl, die Leber wieder rauszubekommen. Also das ist noch nirgends. In der Medizin wird das erforscht, was die Umweltbelastung, Klimawandel wird immer nur so getan.
  • Temperatur sei so ein Problem und Hitze und so, aber dass das, was ja den Klimawandel verursacht hat, meinetwegen die Landwirtschaft, die industrielle Lebensmittelherstellung, die Tierhaltung und so, dass das eben auch nicht nur Folgen für die Tiere hat, so und die Pflanzen, sondern eben auch für unsere Körper. Also das wird noch viel zu wenig beachtet, und ich glaube, dass das mit ein großer Grund ist, warum die Ernährung nicht reicht.
  • Sie ist voll mit Dingen, die früher nicht drin waren. Thunfisch ist quecksilberbelastet, gewisse Kakaobohnen sollen Cadmium belastet sein, Reis ist Arsen belastet – also richtig gesunde Nahrungsmittel sind belastet. Das heißt, das ist das eine. Und da gibt es, glaube ich, auch ganz gute Daten für. Das ist auch nicht mehr an Nährstoffen das drin, was mal vor 30, 40 Jahren drin war.
  • Oder Milch ist auch nicht mehr Milch, so wie man das früher vielleicht auf dem Bauernhof hatte. Von drei Kühen oder auch Brot ist auch ein anderes Lebensmittel geworden durch verschiedene Prozesse, die ich teilweise auch gar nicht überblicke. Aber es fängt ja schon vom Saatgut über Boden war dann Transport Herstellung. Also da ist ein Riesenunterschied zu dem, was eigentlich unser Körper mal gewöhnt gewesen ist über viele, viele Jahre.

Thiemo

  • Ich glaube, du hast gerade einen ein Fakt angesprochen, den ich vor zwei, drei Jahren auch mal so gesagt, den ich jetzt glaube so ein bisschen differenzierter oder anders sehe, dass es mit den Nährstoffen, die in den Lebensmitteln drin sind. Ich glaube nämlich nicht, dass das so gut bewiesen ist. Tatsächlich. Also ich glaube das trotzdem auch, dass das so ist, aber das ist trotzdem nicht so richtig bewiesen. Weil wenn man es gibt schöne Untersuchungen, zum Beispiel von der ETH Zürich, wenn man sich da anguckt, wie so der Gehalt und der Nährstoff Anteil von Selen in den Böden ist, dann sieht man der Selen Gehalt nimmt ab.
  • Aber jetzt muss man sich diese Daten mal anschauen und das sind dann modulatorische Hochrechnung. Also wir sehen dann, da wird verglichen das ja ich es war 1980 bis 1999. Also diese 19 Jahre wurden dann moduliert. Hochgerechnet auf 2080 bis 2099. Wie sich dieser Gehalt dann verändert innerhalb der Jahre, aufgrund dessen, dass wir wissen, was wir von 1989 bis 1999 verloren haben.
  • Und da sieht man, dass gerade in Europa der Gehalt an Selen so modulatorisch um 9 % abnimmt. Das klingt jetzt erst mal nicht so viel, aber neun oder zehn knappe Prozent mehr oder weniger zu haben, ist natürlich schon ein deutlicher Unterschied. Vor allem wenn es um so Dinge wie Selen, Schilddrüse, etc geht, wo wir eh viele Probleme haben. Denn man sieht, dass Schilddrüsenunterfunktion gerade bei Frauen deutlich nach oben geht in den Verhältnissen.
  • Aber ich habe tatsächlich auch noch nicht diese Daten. Also wenn die irgendjemand hat, dann schickt sie oder schickt sie uns.

Helena

  • Ist natürlich auch schwierig, die Tomate aus der Vergangenheit jetzt “herzuholen”.

01:21:00 Nährstoffdichte in unseren Lebensmitteln

Wie schlimm steht es eigentlich um das Gemüse und Co.?

Thiemo

  • Aber es gibt tatsächlich – ich war in einem Experiment dabei, vor mehreren Monaten, da ging es um Nahrungsergänzung, wo ich mit jemandem Blutwerte gemessen habe. Dann hat er 30 Tage Nahrungsergänzungsmittel genommen, und dann haben wir wieder Blutwerte gemacht. Wir haben natürlich vorher total viele Sachen gefunden, die nicht in Ordnung waren, die auch zu seiner Anamnese passten.
  • Er hat aber auch mit einem, ich glaube, Ernährungswissenschaftler oder so, gesprochen, und der hat über die Tomate nämlich geredet – dass man genau sieht, wie der Anteil der Nährstoffe abnimmt. Aber ich habe diese Daten immer noch nicht gesehen, von daher ist es schwierig.

Helena

  • Vom Geschmack her würde ich schon sagen…

Thiemo

  • Genau, weil was ich nämlich auch sagen würde …

Helena

  • Man würde selber merken, dass sich etwas verändert.

Thiemo

  • Absolut. Und das ist nämlich genau das, was ich auch so sehe. Jetzt weiß ich nicht mehr hundertprozentig, wie mit 15 so ein Apfel aussah, das ist schwieriger für mich zu sagen.
  • Aber wenn wir uns so einen Apfel angucken heutzutage, der ja riesengroß ist, zum Teil im Verhältnis, wo Gentechnik und Co plötzlich eine riesen Rolle spielt. Glaube ich schon, dass das ein großes Problem ist, auch dieses Glyphosat – ich meine, Glyphosat wurde früher zugelassen als Antibiotikum. Eigentlich so klar, dass das jetzt nicht so optimal ist, wenn das jeder von uns zu sich nimmt.
  • Aber ich glaube schon, dass das ein Riesenproblem ist. Aber ich glaube auch trotzdem, dass uns da immer noch so… Wir nicht so richtig verstehen, was genau macht das jetzt? Also das macht was, und ich bin total bei dir, dass wir heutzutage einen viel höheren Stress haben, mit dem wir klarkommen müssen, gleichzeitig aber weniger Nährstoffe zu uns nehmen, aber irgendwie mehr verbrauchen. Also irgendwie ist das alles schwierig. Ich finde das schwierig zu greifen.

Helena

  • Könnte man aber erforschen, genau.

Thiemo

  • Absolut! Und ich finde auch, dass man das müsste. Tatsächlich, und dass das super relevant wäre. Ich verstehe viele Dinge davon einfach nicht, warum das so ist, und ich glaube, es ist aber super wichtig, trotzdem zu reden, dass man das nicht versteht.
  • Aber das auch so zu kommunizieren, weil ich glaube, die Kommunikation, die wir heutzutage haben, und da komme ich gleich dann auch so zu dem letzten Thema, wenn es um Kommunikation geht, gerade was uns betrifft, also was Ärzte, was Leute in diesem Gesundheitsbereich angeht. Ich glaube, Kommunikation ist ganz wichtig, weil natürlich viel von dem, was wir sagen, so aufgenommen wird und dann einfach weitergegeben wird.

01:23:21 Klare Kommunikation ist wichtig

Wir brauchen mehr Transparenz.

Thiemo

  • Am Ende heißt es dann, böse formuliert: „Die Elena hat gesagt, in einer Tomate sind weniger Nährstoffe drin.“ Am Ende sagen das zehn Leute nacheinander, und du bist dann die Blöde. Das hast du ja gerade so gar nicht gesagt. Ich habe es jetzt nur so formuliert, und ich mache diesen Fehler auch ständig und immer wieder.
  • Ich sage etwas, aber nicht im richtigen Kontext. Deswegen finde ich Instagram, zum Beispiel, auch so eine komplizierte Plattform. Wir haben so 90 Sekunden mittlerweile, um etwas aufzunehmen, und der Kontext fehlt einfach. Du greifst irgendwie einen Punkt, einen Aspekt, eine Zahl, eine Date heraus, aus einem Gesamtkontext. Man spricht es in die Kamera, jemand sieht das, und der baut einen anderen Kontext darum. Und dann ist plötzlich die Aussage eine ganz andere. Aber ich glaube, es ist ganz wichtig, dass wir – und das soll jetzt gar nicht böse klingen für alle, die das jetzt hören – die meisten Menschen verstehen über das, worüber wir reden nicht viel.
  • Wir versuchen das jetzt ja sehr einfach und plakativ zu machen, weil das ja super wichtig ist. Aber die meisten Menschen verstehen das natürlich nicht, was ja auch logisch ist. Aufgrund dessen hast du ja die Bücher geschrieben. Die haben das nicht studiert und so, und ich glaube, für viele ist das ganz, ganz schwierig zu verstehen.

“Und es gibt in Deutschland – in Amerika ist es auch so – aber es gibt auch diese andere Seite. In Deutschland ist das so eine krasse Ellenbogengesellschaft. Wir müssen uns viel mehr gemeinsam hinsetzen und über die Dinge reden und offen sagen so: „Hey, ich sehe da irgendwie ein Problem, aber ich verstehe das nicht. Kann mir das jemand erklären oder kannst du mir vielleicht helfen?“

  • So, und ich finde das super wichtig, dass man über diese Dinge redet, aber vielleicht auch einordnet und sagt: „Ich sehe das und meine Erfahrung sagt das und das. Aber ich habe da keine Daten, die mir das belegen und ich verstehe das auch nicht.”
  • Weil die Leute rennen ja am Ende dann draußen rum und verwechseln kurzfristige Wirkung mit langfristigen Wirkungen, was ja völlig unterschiedliche Dinge sind. Kurzfristig gesehen: Was macht Sport? Erhöht die Entzündungswerte, macht insulinresistent, erhöht den Blutdruck, erhöht die Herzfrequenz, das Immunsystem wird runtergefahren – ist ja alles schlechte Sachen.
  • Da kann sich jetzt jemand hinsetzen und sage: die Mechanismen verstehe ich. Sport ist da ein gutes Beispiel. Da könnte man auch sagen, Sport ist schlecht und erhöht das Herz-Kreislauf-Risiko. Es macht ja langfristig das genaue Gegenteil. So, und ich glaube, es ist super wichtig, dass diese Kommunikation eben in eine richtige Bahn eingeordnet wird. Gerade was ein noch nicht so bewiesenes. Thema wie diese Nährstofftherapie und Co angeht, weil wir dann viel mehr Offenheit dafür bekommen und auch viel schneller weiterkommen, glaube ich.

Helena

  • Deswegen habe ich ja versucht, in dem grünen Buch erst mal irgendwie, sagen wir mal, alle Kritikpunkte aufzugreifen, versucht sie irgendwie zu relativieren, zu erklären, sodass man sich erst mal mit weniger Angst, Nährstoffen – und im Übrigen auch Hormonen – nähern kann und dann versucht im zweiten Schritt zu erklären, wie man das anwenden könnte.
  • Und ich meine, ich kann mir vorstellen, dass jetzt auch nach diesem Podcast eher noch mehr Fragen entstanden sind, aber ich kann es jetzt nicht ändern. Es ist noch nicht erforscht. Es ist tatsächlich eine andere Herangehensweise. Ich versuche die Gesundheit zu gestalten und versuche jetzt nicht primär Menschen zu retten, die krank sind, sondern es ist erst mal der Versuch, über die Labordiagnostik herauszubekommen, wer was warum nutzen könnte in puncto Nährstofftherapie und Hormontherapie.
  • Ergänzend zu allem anderen, was Sinn macht und das auch “schlimmste Schulmedizin” sein. Das kann Sport sein, das kann ein Umzug sein, eine Ernährungsänderung, und ich hoffe einfach, dass mit unseren Informationen die Menschen verstehen, dass es einfach nicht so einfach ist – schwierigste Fragen mal eben so zu beantworten; dass man sich wirklich Mühe geben muss. Man muss lesen, man muss sich wirklich noch mal mit der Thematik etwas näher befassen.
  • Dann ist wichtig, vielleicht mit kleinen einzelnen Dingen zu beginnen, die einfach zu einem passen, die man schon immer mal machen wollte. Wichtig ist zu wissen, dass man in Labore gehen kann, dass man dort Laborwerte kaufen kann – dass das also nicht etwas ist, wo man nicht rankommt, wenn ein Arzt nicht mitspielt.
  • Ja, ich kann mir vorstellen, auf dem Land ist es schwieriger als in der Stadt auch. Vielleicht wichtig zu wissen ist: Ich glaube, dass das jetzt auch so eine Welle ist, auf der wir surfen oder reiten. Das heißt viele Kollegen in deinem Alter werden sich nicht mehr so wie das in meinem Alter war, sofort in die Kassenmedizin stürzen, sondern die sind kritisch, die wollen irgendwie gestalten und wollen nicht nur “reparieren und verwalten”.

01:28:40 Helena verliert die Hoffnung nicht

Sie denkt, dass sich mehr Ärzte und Ärztinnen mit präventiver Medizin befassen werden.

Helena

  • Das heißt, ich bin voller Hoffnung, dass die Ärzte und Ärztinnen, die jetzt nachkommen, sich mehr mit funktioneller Medizin und auch mit Prävention beschäftigen. Also, es ist komplex, da kann ich jetzt nichts für. Die Produkte sind nicht das Problem. Die Dosis ist wichtig, die findet man nur übers Labor. Wenn jemand super krank ist, dann ist es schon wichtig, das mit den Ärzten zu besprechen, weil es dann vielleicht im schlimmsten Fall als erstes Geldverschwendung ist und nicht sofort schaden würde.
  • Und es ist auch nicht unwichtig, mit den Ärzten einen gemeinsamen Weg zu beschreiten. Und auch dafür habe ich die Bücher geschrieben, dass man sie auch einem Arzt vielleicht mal schenken kann. Immerhin habe ich ja die Erfahrung und dadurch vielleicht auch eine gewisse Glaubwürdigkeit, dass das, was ich da beobachtet habe, auch vielleicht ein interessanter Aspekt sein könnte.
  • Also, insofern, vielleicht erst mal ein bisschen zusammengefasst die Schwierigkeiten, die das Ganze mit sich bringt – und insofern freue ich mich, dass wir schon mal irgendwie zumindest uns das Gefühl geben, dass wir doch eine ähnliche Wahrheit bearbeiten und auch gefunden haben und dass sich deine Erfahrungen und meine Erfahrung ähneln oder sogar auch decken. Das ist doch auch erst mal eine interessante Idee.
  • Ich denke auch, dass man durchaus 20 Ärzte im Land schon in diesem Sinne sammeln könnte. Aber wir sind alle erst mal auch so ein bisschen Einzelkämpfer. Ich meine, ich habe jetzt, was weiß ich, wie lange ich einzeln vor mir hin geforscht und beobachtet habe. Und da möchte ich auch mal etwas Positives vielleicht über Social Media sagen.

Thiemo

  • Absolut.

Helena

  • Also, ich glaube, dass die Bücher nicht so viel Verbreitung gefunden hätten, wenn ich hier nicht auch versucht hätte, gut zu kommunizieren oder meinetwegen auch ein bisschen Wissen zu verbreiten. Erst mal so, also nicht verzagen, nicht sofort ohnmächtig werden, wenn es kompliziert ist. So ist es. Lesen, dafür haben wir ein bisschen was geschrieben. Es gibt auch noch drei, vier andere gute Bücher, je nachdem, was einen interessiert.
  • Und es ist eben nicht in Ordnung, einfach mal eben zu erwarten, dass jetzt über Instagram jemanden jemanden rettet. Das geht nicht, das ist unmöglich.


01:30:59 Supplemente, die schaden können?

Wie wird hier auch auf Social Media kommuniziert?

Thiemo

  • Du hast gerade das Wort „Schaden“ in den Raum geworfen.

Helena

  • Welcher Schaden?

Thiemo

  • Es wird ja im Moment immer wieder in den Medien und Co darüber geredet, dass Nahrungsergänzungsmittel, Nährstoffe, wie man es auch nennen möchte, dass die eigentlich oft mehr schaden können. Wie stehst du dazu? Ich will ja jetzt gar nicht ganz tief rein, weil wir hatten ja tatsächlich – kann man ja auch sagen – als Idee für den Podcast eigentlich zuerst, dass wir unseren Artikel nehmen und diesen Artikel so ein bisschen auseinanderpflücken und darüber reden. Das ist aber zu aufwendig geworden.
  • Ich glaube, wenn wir jetzt irgendwie ein Dokument von knapp 60 Seiten schon aufgearbeitet, und ich finde das glaube ich auch den falschen Schritt, dass wir jetzt irgendwie über die Zeitung, über den Autor oder die Autorin sprechen, die das geschrieben hat, weil das wäre, finde ich, wieder der falsche Schritt dahingehend, was zu verändern.
  • Ich möchte den Weg suchen und gucken, ob ich sie oder ihn vielleicht in den Podcast kriege und mit ihr oder mit ihm über das Thema rede. Weil wir haben das so detailliert aufgearbeitet, und ich bin bei ganz, ganz vielen Facetten anderer Meinung, und ich bin vor allem der Meinung, dass das ganz oft ganz, ganz viel Angstmacherei ist.
  • Und die Headline ist ja immer oder fast immer „Nahrungsergänzungsmittel schaden“ oder „können schaden“. Mal so zwei, drei Take Away Sätze dazu? Ich weiß, zwei, drei Sätze fallen dir schwer.

Helena

  • Also erstmal: vielleicht wäre es doch gut, wenn wir in der Medizin nicht mehr das Wort „Nahrungsergänzung“ benutzen würden, weil es tatsächlich auch in den Medien irgendwie so “missbraucht” worden ist.

Thiemo

  • Ich verrate jetzt was: bei uns in der Akademie hieß das Modul 8 vorher „Nahrungsergänzung“ und Nährstoffe“, und nachdem dein Buch gelesen habe, habe ich das Modul umbenannt in „Nährstoffmedizin“.

Helena

  • Ja, das finde ich gut! Also „Nährstoffmedizin“, „Hormonmedizin“, oder „Hormon-Ernährungswissenschaft“, „Nährstoffwissenschaft“. Das fände ich viel bessere, seriösere und einfache deutsche Worte, auch „Mikronährstoffe“. Ich weiß, dass man damit “Mini-Stoffe” meint, aber das, was man therapeutisch ja dann macht, ist nicht mikro, sondern wirklich auch ein bisschen “voluminös” unangenehm. Und der Begriff ist auch verbrannt, den haben sie in der Ärzteschaft so ein bisschen den Heilpraktikern gegeben, und das ist so wie „Fräulein“ oder so, das gilt nicht.
  • Also insofern war die Idee wirklich nur noch über „Nährstofftherapie“ zu sprechen. Und jeder, der das Wort „Nahrungsergänzungsmittel“ benutzt, ist für mich einfach kein ordentlicher Ansprechpartner mehr. Ist gemein. Aber das verstehe ich nicht unter dem, was ich mache, weil es ist ja nicht ergänzend zur Nahrung, und es soll die Nahrung auch nicht ersetzen, sondern es ist über die Ernährung hinaus, mache ich Medizin mit etwas, was normalerweise in der Nahrung drinnen sein sollte, aber sogar extra auch oft höher dosiert als das, was man mit der Nahrung schaffen könnte.
  • Das ist ja so wie mit Sport: Du machst mehr Kilos als normal wäre. oder Sauna: Du machst mehr Temperatur als normal wäre, um etwas zu bewirken, um einen Reiz zu setzen oder eine Wirkung zu erzeugen.
  • Und mit dem Schaden: Also meine Beobachtung ist, dass immer, wenn man sich diese Artikel genau anschaut, es einfach eine blöde Headline ist. Teilweise passt sie sogar gar nicht zum Inhalt des Artikels.
  • Aber anscheinend geht es nur so, dass man vielleicht den Artikel auch unter die Menschen bekommt, dass er dann gelesen wird. Also negative Nachrichten werden mehr gelesen als Positive, wurde mir so gesagt. Das sei in den Medien normal oder sogar üblich und Absicht. Oft werden da drinnen dann auch Dinge beschrieben, die haben dann mehr mit wirtschaftlichen Daten zu tun, dass vielleicht dann Unternehmen Gewinne machen, wenn eben in den Drogeriemärkten dann Nahrungsergänzungsmittel gekauft werden – als sei das etwas Schlechtes.
  • Ich meine, die Autoindustrie freut sich, wenn sie Gewinne macht. Warum darf denn die Nahrungsergänzungsmittelindustrie keine Gewinne machen? Es ist halt nur die Diskrepanz, dass das von der Ärzteschaft nicht empfohlen wird. Und trotzdem gewinnen die immer mehr an Umsatz, und dann wird oft schlecht darüber berichtet, weil dann eben manche Hersteller mit unglaubwürdigen Marketing-Sätzen die Leute versuchen zu kriegen.
  • Also irgendwie, “Sie nehmen ab, nur mit unserem Mittel.” oder so was. Aber das wird doch auch mit anderen Produkten falsch gemacht, und das darf man dann eben nicht glauben, wenn man Konsument ist und sowas dann eben auch nicht kaufen. Also es werden da viele, viele Dinge miteinander gemischt und selten geht es um das, was ich in der Praxis mache, in den Büchern schreibe oder über das, was wir uns hier unterhalten.
  • Dass man zum Beispiel mit Ergothionein und einer Eisen-Infusion Dialysepatienten so einstellt, dass sie einen HB-Wert von 11 haben. Das wäre ja dann auch “ganz schrecklich”. Oder dass man mit Insulin Typ-1-Diabetiker behandelt. Oder dass man eben Hormonersatztherapie mit Progesteron und Östradiol macht. Das ist alles ganz böse dann in diesen Artikeln, weil entweder irgendwie jemand gewinnt oder irgendwer falsch kommuniziert oder die Packung irgendwie nicht gut beschrieben ist.
  • Also das hat alles mit den Effekten und der medizinischen Wirkung von Nährstoffen, Vitaminen und Co nichts zu tun. Wird aber im Artikel so nicht dargestellt, und das ist wirklich richtig schädlich. Und das trägt zum Beispiel auch dazu bei, dass dann eben viele Fragen aus einer Verunsicherung heraus gestellt werden.

Thiemo

  • Ja, ich verstehe das.
  • Es ist wirklich schwierig. Ich verstehe auch nicht, warum die Medien das unterstützen. Sind ja durchaus auch sehr seriöse Zeitungen oder Magazine. Also oft wird sich auch wiederholt.

Thiemo

  • Ich glaube, dass da auch so was wie Strohmann-Argumente mit drin sind und solche Sachen. Also wie gesagt, ich möchte da gar nicht zu tief eintauchen jetzt.

Helena

  • Es werden keine Experten zitiert, die meinetwegen auch gute Erfahrungen gemacht haben. Ist ja nicht so, als wären wir beide allein auf der Welt. Ich kann es dir nicht erklären, aber es wird halt…

Thiemo

  • …ein anderer Kontext geschaffen.

Helena

  • Es wird nicht über die Medizin, nicht über das, wie wir das machen, geschrieben, sondern über die Hersteller, über die unlauteren Methoden, die vielleicht der eine oder andere hat. Und das wird dann übertragen auf die medizinische Wirkung, die dann mit einem Schaden verbunden wird. Und was ja auch durchaus passiert ist, dass manchmal auch mit einem Nährstoff übertrieben worden ist und dann steht eben „Vitamin D schadet“.
  • Und wenn man dann guckt, dann hat da jemand 100.000 Einheiten am Tag genommen, und da gibt es halt Menschen, die sind unterschiedlich empfindlich. Wenn der in Wahrheit vielleicht nur 1000 oder 2000 gebraucht hätte, dann ist das natürlich auf Dauer schädlich. Aber das heißt jetzt nicht, dass Vitamin D per se schädlich ist.
  • Also der Umgang mit Nährstoffen wird negativ in den Medien aufgegriffen, wiederholt.

Thiemo

  • Ich glaube – das ist auch alles nur eine Vermutung. Vielleicht bringen wir da ja bald so ein bisschen Licht ins Dunkel, wenn wir da mal mit jemandem reden können. Aber ich glaube, das ist halt auch so ein bisschen der Versuch, dem entgegenzuwirken, was halt durch diese ganzen Firmen halt häufig einfach passiert. Da werden falsche Versprechungen gemacht. Diese Health Claims werden nicht eingehalten, es werden Dinge versprochen, etc.
  • Das ist jetzt schon wieder dieses Angstthema. Ganz oft schon angesprochen. Vertrauen spielt da eine sehr große Rolle, und ich glaube, wie wir es jetzt schon mehrfach gesagt haben: ist es einfach alles nicht so richtig verstanden. Also es ist das, was man mit Nährstoffen macht, was nicht so richtig verstanden wird. Das andere, was aber irgendwie auch mit Nährstoffen zu tun hat, wird dann aber alles in einen Topf geworfen, und dann heißt es, das ist alles dasselbe und das gleiche.
  • Und ich glaube deswegen, dass dieses Kommunikationsthema super, super wichtig ist. Aber ich werde dazu, wie gesagt, noch mal was ganz im Detail machen. Ich würde sagen, lasst uns doch mal ganz kurz und so eine so eine Case Study angucken. Ich wollte das Blutbild ja von dem jungen Mann eben schon geben, aber du hast gesagt. ”Nee, lass mal lieber, zeig mir das gleich, ohne dass ich mir schon Gedanken machen kann vorher.”

01:39:14 Ein Blutbild als Beispiel

Thiemo bringt einen Fall mit.

Thiemo

  • Also, ich habe ein Blutbild von einem jungen Mann mitgebracht. Ich muss mal selbst nachschauen, wie alt er war. Genau, er wurde 1996 geboren.

Helena

  • 27 Jahre also.
  • Er ist jemand, der sehr viel Sport macht. Präventiv, keine Probleme, keine Beschwerden. Er wollte einfach mal ein großes, funktionelles medizinisches Nährstoff-Blutbild machen. Wir werden euch das Blutbild hier natürlich auch zeigen, damit ihr es euch anschauen könnt.

Helena

  • Was auch interessant ist: viele Menschen sagen immer, sie hätten gern ein großes Blutbild. Dann versuche ich immer, denen beizubringen, dass sie das so nicht sagen sollen, sondern dass sie sagen sollen, funktionelle eingehende Labordiagnostik haben wollen. Präventiv oder ein bestimmtes Thema erforschend. Und das, was ich jetzt hier auf der ersten Seite sehen kann, ist aber das Blutbild. Das ist quasi ein Röhrchen, wo man dann die Blutzellen sehen kann. In diesem Fall nur ein kleines Blutbild. Ein großes Blutbild wäre, wenn die weißen Blutkörperchen noch in ihre Subtypen aufgeteilt wären.

Abb.2: kleines Blutbild

  • Und interessant bei dem jungen Mann hier ist, er hat einen guten HB (Hämoglobin) von 15,6. Das liegt mitten drin. Das MCV mit 97 schon einen Punkt über dem Referenzbereich liegt. Würde mir jetzt sagen, dass die roten Blutkörperchen ein bisschen zu groß sind. Ist nicht schlimm. Aber es kann sein, dass er einen B12 und / oder Folsäuremangel hat. Da könnte ich mir gut vorstellen, das hier etwas ist, was dem Knochenmark helfen würde, etwas kleinere rote Blutkörperchen herzustellen. Diese halten übrigens drei Monate, daher gilt der Zielwert von vor drei Monaten.
  • So lange leben diese Zellen. Das ist interessant, und die Thrombozyten sind in Ordnung mit 240.000. Das ist erstmal alles ganz hübsch. Auch das Natrium ist bei 146, das ist auch oberhalb des Referenzwerts. Vielleicht hat er ein bisschen zu wenig getrunken. Normalerweise liegt das immer konstant bei 140. Dann ist er vielleicht nicht gut bewässert.

Thiemo

  • Weiter geht es auf der Rückseite.

Abb. 3: Kalium

Helena

  • Auf der Rückseite … da stand das Blut, glaube ich, länger bei euch im Labor.

Thiemo

  • Das kann sein. Das Problem haben wir immer wieder, wie du es eben mit der Logistik auch angesprochen hast.

Helena

  • Also das würde bei mir auf keinen Fall passieren, weil ich dann sofort nervös werden würde. Früher in der Nephrologie war das immer ein Problem, bei dem man schnell eine Dialyse machen musste. Also Kalium von 6,9 ist mit einem normalen, gesunden Leben nicht wirklich vereinbar. Insofern ist das Blut vielleicht etwas länger irgendwo gestanden, und wenn die roten Blutkörperchen dann kaputt gehen, steigt die Konzentration von Kalium in den Zellen an. Dann ist im Blut zu viel Kalium, und das müsste man noch mal kontrollieren.

Abb. 4: Calcium, Magnesium, Kreatinin

  • Interessant ist auch, er hat ein sehr niedriges Kalzium, also 2,06. Das ist unter eurem Referenzwert von 2,08 bis 2,65. Das finde ich echt interessant. Hier würde ich denken, mal gucken, ob er einen Vitamin-D-Mangel hat, und mal gucken, wie es um sein Magnesium steht. Das Magnesium im Serum zu messen wäre natürlich interessant, aber noch interessanter wäre, was im Vollblut ist. Vielleicht kommt das noch.
  • Dann hat er interessanterweise erhöhte Kreatinin-Werte, 1,34. Jetzt kenne ich ihn nicht persönlich. Ich nehme mal an, er ist sehr muskulös und nimmt vielleicht irgendwelche Supplements. Dann ist das nicht ungewöhnlich.

Thiemo

  • Kommt noch, ja.

Helena

  • Dann hat er einen Kreatininwert erhöht von 1,34. Jetzt kenne ich ihn ja nicht. Ich gehe davon aus, er ist sehr muskulös und nimmt vielleicht Kreatin?

Thiemo

  • Ja ist er. Er nimmt auch Kreatin. Das bin übrigens nicht ich. Das hattest du ja auch vermutet vorhin.

Abb. 5: Harnsäure, Harnstoff, Cystatin C, GFR

Helena

  • Dann Harnsäure mit 4,5. Das ist gut. Das sollte bei Männern zum Beispiel nicht über 6 sein, bei Frauen nicht über 4. Dann ist das Cystatin C tatsächlich auch nicht niedrig. Das ist sozusagen der „geheime Nierenwert“, der kreatininunabhängig ist. Das finde ich erstmal interessant und würde ich im weiteren Verlauf beobachten. Vielleicht müsste man mal einen Ultraschall der Nieren machen und ihn wirklich mal fragen, ob er genug trinkt. Vielleicht ist er nüchtern gekommen und hat vergessen zu trinken. Ich sage den Leuten immer, sie sollen nicht nüchtern kommen. Manche jungen Männer fallen dann auch in Ohnmacht.
  • An alle: besser ist es, wenn man gut bewässert ist, also schön Wasser getrunken hat. Dann sind die Adern gut zu sehen. Derjenige, der das Blut abnimmt, findet auch etwas, der Blutdruck ist nicht so niedrig, und man ist danach nicht so schlapp.

Abb. 6: Leberwerte, GPT, GOT

  • Dann ist interessant die Leberwerte. Da hat er einen GPT-Wert von 67, das ist über dem Referenzwert von 40. Das ist interessant, verstehe ich nicht. In der Schulmedizin würde man sich aufregen, wenn das dreistellig wäre.

Thiemo

  • Hast du viele Sportler bei dir?

Helena

  • Sicherlich nicht so viele wie du.

Thiemo

  • Das sehe ich bei Sportlern ganz oft. Bei mir hat das so jeder zweite.

Helena

  • Und warum?

Thiemo

  • Ich kann es dir nicht hundertprozentig sagen, es ist jetzt nur Erfahrung. Auch als ich das Buch geschrieben habe, habe ich da einen Patienten beschrieben, und ich würde davon ausgehen, dass das mit dem erhöhten Grundumsatz damit zusammenhängt, dass einfach deutlich mehr umgesetzt wird und dadurch die Leber natürlich auch deutlich mehr machen muss. Deswegen könnte es sein – das ist aber jetzt nur ein Mechanismus – dass die Enzyme hoch reguliert werden. Gibt aber leider keine aktuellen Daten, zumindest keine, die ich kenne. Aber wir sehen das erfahrungsgemäß bei fast jedem.

Helena

  • Das ist interessant. Das würde zu deiner Hypothese passen, dass er auch eine erhöhte Kreatinkinase (CK) hat.

Thiemo

  • Das ist auch häufig zu beobachten.

Helena

  • Die GOT und die CK kommen ja ein bisschen “aus der Muskulatur.” Hier ist er am oberen Referenzbereich. Es könnte also sein, dass einfach Muskelgewebe kaputt geht, und deswegen vielleicht unter anderem auch die GPT etwas erhöht ist. Das würde ich aber im Auge behalten.

Thiemo

  • Wir haben zum Beispiel auch oft eine CK-MB von … Ich weiß jetzt nicht, was er hat.

Helena

  • Da ist er auch zu hoch.

Thiemo

  • Ja, das haben wir in der Praxis auch regelmäßig. Ist das das Blutbild von ihm, wo er eine CK-MB um die 50 hat? Da habe ich dann auch kurz geschluckt und mit ihm gesprochen, aber alles ist gut. Das sehen wir bei Sportlern regelmäßig. Wir haben ganz wenig CK und CK-MB in der Referenz, einfach durch das Krafttraining.

Abb. 7: Creatinkinase-Muscle-Brain

Helena

  • Also das finde ichinteressant, und das würde ich jetzt trotzdem nicht so stehen lassen, dass das normal ist. Ich könnte mir vorstellen, dass es da vielleicht doch auch Gründe gibt. Scheint ja nicht jeder Sportler das zu haben. Würdest du denn sagen, dass die Sportler, die sich schnell verletzen, eher wenig CK haben?

Thiemo

  • Nein, würde ich nicht sagen. Ich würde primär sagen, dass die Leute, die hohes, exzessives Krafttraining machen, primär diejenigen sind, die solche Werte haben, während Ausdauersportler weniger betroffen sind. Zumindest ist das mein Gefühl.
  • Es gibt aber ein super… ich kann es dir schicken. Es ist letzte Woche herausgekommen, ein super geniales neues Forschungsbuch über die Zusammenhänge von Blutbild und Ausdauersport.

Abb. 8: Fettstoffwechsel

Helena

  • Ja, interessant. Dann mache ich mal weiter. Hier hat er auf keinen Fall eine familiäre Hypercholesterinämie. Er hat perfekte niedrige Cholesterinwerte.

Thiemo

  • Er isst auch Fleisch, falls das gerade relevant ist.

Helena

  • 20er LDL, auch gutes HDL von 53. ApoB sogar zu niedrig. Lipoprotein (a) ist auch nicht erhöht. Er hat auch kein erhöhtes CRP. Das finde ich auch gut. Er hat einen Ferritin von 115 Transferrin, die Sättigung ist gut bei 41. Ich weiß nicht, bei Sportlern reicht ja oft 115. Reicht dir das bei Sportlern?

Thiemo

  • Ja, er ist recht groß und ziemlich muskulös. Ich hätte ihn bei 150 oder so erwartet, aber ich selbst habe zum Beispiel immer einen Wert von um die 130–135. Das ist völlig fein.

Helena

  • Hier hat er einen HbA1c-Wert von 4,8 %, auch sehr gut. Dann sehe ich – das finde ich jetzt interessant! Wenn die CK erhöht ist, denke ich bei den etwas älteren Menschen doch, dass die Schilddrüse vielleicht schlapp ist. In der schweren Hypothyreose gibt es ja auch das Wort Myopie. Hier hat er jetzt einen TSH-Wert von 3,2.

Thiemo

  • Was sind die freien Werte?

Abb. 9: Schilddrüsenwerte, Ferritin, Transferrin, HbA1c

Helena

  • Im Moment … Sehr gute fT3– und fT4-Werte. Und aus meiner Sicht, als Oldie, ist das Reverse T3 etwas zu hoch mit über 200. Ich weiß allerdings nicht genau, ob das Labor hier genau mit den Werten vergleichbar ist, die ich vom IMD kenne. Das müsste man vielleicht mal dort hinschicken.
  • Das würde ich jetzt erforschen, dass man vielleicht mal einen Nierenultraschall macht, dass man mal einen Schilddrüsenultraschall macht. Schaut, ob die Schilddrüse eher klein oder saftig ist, ob er kleine Knötchen oder Zysten hat. Das ist interessant, aber erstmal sehe ich hier keinen Handlungsbedarf, also dass man Hormone geben müsste. Dann natürlich ein super niedriger PSA-Wert.

Thiemo

  • Was mir an der Stelle einfällt – das hat jetzt mit dem aktuellen Fall nichts zu tun, weil ich mich in einer anderen Folge auch lange mit dem Thema Schilddrüsenhormone und Schwangerschaft beschäftigt habe. Ich finde es zum Beispiel super spannend, und das kommt mir jetzt gerade in diesem Kontext in den Sinn, weil er ja jetzt keine klare Schilddrüsendiagnose hat.
  • Es ist keine latente Unterfunktion, es ist keine manifeste Unterfunktion, aber der TSH ist trotzdem zu hoch. Eigentlich. Und was ich super spannend finde, wenn es um das Thema Kinderwunsch geht – das ist so eine Frage, die ich mir immer wieder stelle, aber für die ich noch keine Antwort habe –, es gibt Daten, die zeigen, dass Frauen eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, schwanger zu werden, wenn der TSH-Wert unter zwei oder, je nach Daten, unter 1,5 liegt.
  • Es gibt das aber immer nur anhand von Messung des TSH. Und was ich mich jetzt frage, ist: Ist der TSH-Wert wirklich das, was ausschlaggebend ist? Denn wenn ich jetzt so eine Frau hätte, die solche freien Werte hat, dann würde ich ja sagen, sie hat laut den Daten eine super Voraussetzung, schwanger zu werden. Aber eigentlich nicht, weil der TSH-Wert so hoch ist.
  • Es gibt aber keine Daten, die mir zeigen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden oder wie der Kinderwunsch ist, abhängig von den freien Werten T4, T3 und TSH. Diese Untersuchung gibt es so nicht. Es ist immer nur anhand des TSH.

01:51:47 Das Problem mit dem TSH Wert

Warum er allein nicht für die Schilddrüsendiagnostik reicht.

Helena

  • Das ist auch kein Wert, auf den ich mich unter der Therapie verlassen kann. Das wird aber immer noch so in der Praxis draußen gemacht. Also Hausärzte machen nur TSH und meinen dann, dass das die Wahrheit ist. Und tatsächlich, ich finde es ein absolutes Muss, dass man zur Abklärung der Schilddrüsen unbedingt die Hormone misst, nämlich T3, T4 und auch das rT3. Und bei dem könnt man zum Beispiel auch mal die Antikörper machen.
  • Ich meine, ist natürlich jetzt bei Männern eher selten, aber das finde ich.

Thiemo

  • Tatsächlich ist das in der aktuellen Leitlinie auch nicht drin. Da wäre sogar Antikörper messen nur drin, wenn das TSH erhöht ist, das fT4 erniedrigt ist. Dann würde man Antikörper messen. Wäre ja da tatsächlich nicht der Fall.

Abb. 10: Omega 3 Index, Fettsäureprofil

  • Helena

    • Dann hat er ja als nächstes hat er ein echt super Gesamteiweiß, hat einen sehr guten Omega 3 Index. Da hat er so 10,5 %. Also von mir kann man auch ruhig zwölf haben. Im Schnitt haben Menschen … der muss substituieren.

    Thiemo

    • Der substituiert auch.

    Helena

    • Weil nämlich alle die nicht substituieren und vielleicht auch ein bisschen fleischlos essen, die haben dann eher so 5 %. Ich habe auch schon 3 % gesehen.

    Thiemo

    • Ich hatte schon 2 – Komma – Nochwas.

Abb. 11: Nährstoffprofil

Helena

  • Das ist interessant. Ich sehe auch, dass er ein paar Mineralien nimmt, also hat wirklich ein sehr gutes Selen mit 160 im Vollblut. Dann hat er tatsächlich auch im Vollblut ein Kalziummangel. Also das wäre jetzt auf jeden Fall was, was ich ihm ans Herz legen würde vielleicht doch zusätzlich zu nehmen.

Thiemo

  • Was würdest du da machen? Also es nicht welches Präparat.

Helena

  • Ihr ja sicherlich auch noch mal Vitamin D gemacht.

Thiemo

  • Ja das ist da.

Helena

  • Da ist er eigentlich schon ganz gut eingestellt. Vielleicht steigert man das noch mal und, dann würde ich schon 1000 Milligramm Kalzium geben. Nein, ich sag jetzt keine Firma, sondern in Wahrheit bin ich bei Kalzium sehr leidenschaftslos. Hauptsache Kalzium. Das könnte auch etwas aus der Drogerie sein.
  • Und da ist eher das Problem, dass das groß ist und dass dann die Menschen sich überlegen müssen, die Tabletten sind groß, schaffen die das? Wollen sie ein Pulver? Oder eine Tablette? oder eine Kautablette? Oder so ist eher so ein bisschen die Form der oralen Aufnahme, die da das Problem darstellt.
  • Es kann auch sein, dass er vielleicht mehr braucht. Muss man mal gucken dann

Thiemo

  • Wie lange würdest du das jetzt nehmen und dann wieder nachmessen?

Helena

  • Also wenn ich wenn Geld kein Problem ist und die Termine auch nicht, dann finde ich schon alles nach so drei vier Monaten. Interessant, gerade bei so jemandem, der jung ist, der setzt schnell um und man sieht schnell Veränderungen. So, dann hier der nächste Zettel.

Helena

  • Er hat Ganz gut Vitamin B12 substituiert, da bestimmt auch. Und er hat tatsächlich doch auch ein ganz gutes Vitamin D. Die haben hier andere Einheiten. Ich denke mal, das sind 50 Nanogramm pro Milliliter.

Thiemo

  • Nanogramm müsste da aber auch drauf sein.

Abb. 18: Selen in den Böden

01:55:06 Kalzium, Bor, Q10

Warum sind sie wichtig?

Helena

  • Da finde ich schon, dass er ruhig 60, vielleicht auch 70 haben dürfte. Und das 1,25 OH Vitamin D ist mit 46 ein bisschen erhöht, weswegen ich Kalzium sinnvoll finde. Bor fehlt vielleicht noch. Ist vielleicht auch für junge Männer noch mal interessant.
  • Dann hat er hier einen Q10 – was cholesterinkorrigiert ist, was ich selten mache – zwar ganz gut ist, aber ich würde dem doch auch noch ein bisschen Q10 geben wollen.
  • Folsäure geht … was dann?

Abb. 16: Eisen als wichtiges Spurenelement

Thiemo

  • Machst du da einen Unterschied zwischen Ubiquinol und Ubiquinon?

Helena

  • Also meine Erfahrung ist, dass bei manchen tatsächlich unter Ubiquinon die Spiegel nicht so gut steigen, weil wahrscheinlich geht das mit dem Aktivieren irgendwie nicht so gut klappt. Insofern gebe ich lieber das Ubiquinol und in meiner Beobachtung sind 100 mg Ubiquinol so gut wie 200 mg Ubiquinon. Also doppelt so viel.

Thiemo

. Und ich würde Ubiquinon gar nicht so hoch dosieren wollen, weil auch wenn es da wieder keine klaren Daten gibt, aber gibt so ein bisschen dieses Blutgerinnung Thema, was immer so ein bisschen im Raume steht, wenn man das Ubiquinon zu hoch dosiert, so 400 bis 600, spielt dieses Thema Richtung schon eine Rolle irgendwie. Ubiquinol aber nicht.

Helena

  • Ja dann.

Thiemo

  • Deswegen. Ich bin ein Fan von Ubiquinol.

01:56:41 Hormonwerte

Hormone am Blutbild des Fallbeispiels.

Helena

  • Dann hier die Hormone, derist natürlich jung und da sieht das erstmal alles finde ich sehr gut aus. Wobei man schon drüber nachdenken könnte Testosteron … da kenne ich jetzt die Einheiten nicht so, da hat er jetzt einen freien Wert von nur 38, obwohl der Wert eigentlich ganz gut an der oberen Referenz ist.

Thiemo

  • Ich finde der reine FAI ist immer bisschen schwierig. Wo ist das Gesamttestosteron und das SHBG?

Helena

  • Bei 50, also schön niedrig.

Thiemo

  • Könnte man jetzt eingeben in den Rechner … der hat bestimmt ein freies Testosteron von 1,9 knapp 2 % würde ich schätzen und dann wäre das super gut.

Abb. 14: Hormonwerte

Helena

  • Dann DHEAS geht auch. Und Cortisol ist auf jeden Fall sehr ordentlich. Ich weiß nicht wie gestresst er ist? Wenn das jetzt immer so wäre, dann müsste der mal Pause machen und atmen und so was ist natürlich jetzt erst mal nicht schlimm, aber auf Dauer vielleicht jetzt auch nicht so gesund. Ja, also wenn man das jetzt mal so schaut, du hast ja gesagt der ist jung, der will einfach nur mal so gucken.

Thiemo

  • Der nimmt schon sehr viel mehr rein, der nimmt Multivitamin, der nimmt Selen, also der nimmt schon sehr, sehr, sehr viel.

Helena

  • Also das ist sichtbar. Und ich finde, dass er bei vielen Dingen tatsächlich auch gut nimmt und gut eingestellt ist. Und das einzige, was ich, sagen wir mal interessant finde, ist jetzt das mit dem eher höheren TSH, denn die freien Hormone sind ganz toll.
  • Und das andere ist das auf jeden Fall Kalzium etwas ist, was ihm fehlt. Aber ansonsten und dann fände halt interessant, wenn man wirklich mal richtig schaut, dass man alle Nährstoffe optimiert – Kalzium. Magnesium fand ich auch ein bisschen schlapp, Vitamin D ein bisschen erhöhen, Q10 noch mal ein bisschen dazu – ob es nicht doch möglich ist, auch bei den Sportlern ohne erhöhte GPT und CK ein hohes Trainingsvolumen zu machen.
  • Also im Sinne von mehr Zellwandrobustheit. Vielleicht muss man sich auch noch mal mit der Zellwand an sich beschäftigen. Vielleicht Phosphorlipide oder so was. Wenn ich so wie du diese Patienten hätte, fänd ich das jetzt interessant, weil ich kann mir vorstellen, dass das in Wahrheit auch doch nicht so gut ist. Oder die Zellwand zu empfindlich ist. Also finde ich auf jeden Fall interessant.
  • Ja, aber so so kann man das machen und ich finde, wenn das jetzt GanzImmun ist, kann man jetzt mit dem blauen Buch hingehen und sich zumindest eine Orientierung holen, wie man vielleicht aus Sicht der Gesundheit funktionell lesend diese Werte bewerten kann, um sie dann noch mal mit mehr Sicherheit in eine therapeutische Konsequenz zu bekommen.

Thiemo

  • Also es ist nicht so leicht, finde ich, andere Labore dann vielleicht zu vergleichen, aber es ist meiner Meinung Nach klar umrissen.

Helena

  • Ja, da gibt es wirklich im Internet viele Tabellen, wo man umrechnen kann, wenn die Einheiten nicht passen. Dadurch, dass man hier die Originalbefunde hat, die immer die Referenzbereiche angeben, hat man ja auch zu jedem Wert immer eine Orientierung wie im Verhältnis zur Referenz der Wert ist. Und das wäre auch etwas, das sich die Patienten wirklich angewöhnen sollten: sich von den Ärzten nicht nur so diese Praxissoftware-Ausdrucke geben lassen, wo dann also in alphabetischer Reihenfolge und total durcheinander irgendwelche Zahlen aufgelistet sind ohne Referenz.
  • Weil das sind deren Daten, wenn sie sie bezahlt haben. Und aus einem Originallaborbefund kann man wirklich sehr, sehr, sehr, viel mehr auch herauslesen und auch ordentlicher und nicht ganz so durcheinander in der Auflistung. Ja, also interessant und ich hoffe, dass mehr noch mehr Menschen irgendwie in die Pötte kommen und natürlich trotzdem auch immer wieder die Ärzte etwas vielleicht geärgert, gequält und infiziert und vielleicht auch begeistert werden, sodass wir beide nicht mehr so allein sind.

02:00:45 Wird Helena ein drittes Buch schreiben?

Wie sehen ihre Pläne aus?

Thiemo

  • Ja, absolut, absolut. Erst mal vielen, vielen Dank. Was mich jetzt noch total interessieren würde, wenn du, wenn du es sagen magst – wenn nicht, dann ist das auch für dich fein – wird es ein drittes Buch geben?

Helena

  • Tatsächlich? Ich hätte nach dem zweiten vielleicht noch mehr über Labor erklären können, aber erstens musste ich mich, glaube ich, erst mal ein bisschen erholen, und zweitens denke ich, warte ich jetzt auch noch mal ein bisschen länger ab, wohin es vielleicht von den Bedürfnissen her geht. Ich denke schon, dass ein weiteres Laborbuch interessant wäre, aber das ist auch nicht so einfach. Es macht mir Spaß, Prosa zu schreiben, und ich denke mal, dass das nicht ausgeschlossen ist, aber im Moment möchte ich eher aus diesen beiden Büchern schöpfen. Die Umsetzung für die Menschen ist schwer. Es braucht mehr Verbündete.
  • Ich möchte mithelfen, Strukturen zu schaffen, damit die Menschen Anknüpfungen finden können, vielleicht auch durch deine Health Coaches. Es wäre gut, sich mit den Laboren zusammenzusetzen, damit die die richtigen Profile bereitstellen, die nach unseren Büchern strukturiert sind. Also, ich glaube, dass der nächste Schritt ist, die Strukturen draußen so zu beeinflussen, dass die Menschen, die Nährstofftherapien und Hormontherapien nutzen wollen, mehr Möglichkeiten haben, Hilfe zu bekommen. Das ist wichtig.

Thiemo

  • Aber dann vielen, vielen Dank für deine Zeit. Es war etwas länger als gedacht. Vielen Dank. Vielen, vielen Dank für die Arbeit, die du machst. Und falls die Leute dich finden wollen, können sie natürlich die beiden vorherigen Podcast-Folgen, die wir schon aufgenommen haben, sehr gerne anhören. Aber wo finden die Leute dich sonst?

Helena

  • Nun ja, ich lebe und arbeite in Berlin. In der Praxis habe ich mittlerweile auch eine Kollegin, die mir hilft. Aber die Wahrheit ist, dass wir völlig überfordert sind und all die Emails und Anfragen nicht alleine bewältigen können. Insofern kann man mich nicht sofort als Ärztin konsultieren. Mein Wunsch vor Ort ist es einfach, Verbündete zu suchen – sei es Apotheker, Heilpraktiker, Coaches, Hausärzte, Fachärzte oder Freunde im Medizinstudium. Es gibt viele Möglichkeiten, und ich kann nicht jeden einzelnen abholen.
  • Deshalb habe ich mir die Mühe gemacht, hierher zu kommen, mit dir zu sprechen, Bücher zu schreiben und Podcasts zu machen. Das machen wir alles in unserer Freizeit. Ich habe immer noch einen richtigen Job nebenbei, und dieser besteht eigentlich aus der Praxis. Das mache ich alles sozusagen zusätzlich.

Thiemo

  • Ja, das ist ganz okay. Helena, vielen, vielen Dank für deine Zeit, und vielleicht machen wir das wieder.

Helena

  • Gerne! Ja, danke. Hat mir auch Spaß gemacht!

Über den Gast

Dr. med. Helena Orfanos-Boeckel ist ganzheitlich praktizierende Ärztin für Innere Medizin und Expertin auf dem Gebiet der Nährstoffe und körpereigenen Hormone. Sie studierte Humanmedizin in Brüssel und Berlin und absolvierte die Facharztausbildung zur Internistin mit Schwerpunkt „Nephrologie“ (Nierenheilkunde) an der Freien Universität Berlin, heute Charité Berlin. Hier verbrachte sie insgesamt 10 intensive und lehrreiche Klinikjahre in unterschiedlichen internistischen Fachabteilungen, der Intensivstation und der Nieren-Transplantationsambulanz. Seit 2002 arbeitet Helena Orfanos-Boeckel in ihrer eigenen Praxis für ganzheitliche Innere Medizin, Stoffwechsel- und Präventivmedizin in Berlin-Charlottenburg. In ihrer Praxis geht neue Wege, die klassische internistische Medizin mit den neuen Erkenntnissen u. a. der hormonellen, orthomolekularen und mitochondrialen Medizin verbindet.

Weitere Folgen

Männerhormone mit Helena Orfanos-Boeckel #39

In der heutigen Folge des CYBS Podcasts sprechen Thiemo und Helena Orfanos-Boeckel über ein Thema, was viel zu sehr vernachlässigt wird: Männerhormone! Warum ist es so wichtig, auch als Mann…