Was jeder über Schilddrüsengesundheit wissen muss #37

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In der heutigen Folge im CYBS Podcast greift Thiemo die Frage eines Zuhörers auf und gibt euch einen Deep Drive in die aktuelle Datenlage rund um das Thema Schilddrüse! Was genau macht dieses kleine Organ eigentlich? Welche Erkrankungen kann man unterscheiden und was kannst du tun, um deine Schilddrüsengesundheit zu unterstützen? Darüber hinaus spricht Thiemo über die aktuellen Behandlungsleitlinien und Ergebnisse neuester Forschungen.

Wir sprechen über:

  • Into [00:00:05]
  • Wie kam es zum Thema der heutigen Folge? [00:01:47]
  • Diagnostik für die Schulddrüse [00:02:13]
  • Die Schilddrüse [00:03:33]
  • HPA Achse [00:05:27]
  • Reverses T3 und Jod [00:07:44]
  • Warum es nicht reicht, nur den TSH Wert zu bestimmen [00:11:22]
  • Schilddrüsenunterfunktionstypen [00:13:04]
  • Schilddrüsenerkrankungen sind auf dem Vormarsch [00:17:23]
  • Wir brauchen mehr präventive Aufklärung! [00:20:27]
  • Was sagen denn die Leitlinien? [00:23:24]
  • Individuelle Diagnostik vs. Diagnostik für die Allgemeinbevölkerung [00:30:47]
  • Diagnostik am Morgen sollte Standard sein [00:33:50]
  • Was die Leitlinien übersehen [00:36:39]
  • Primäre manifeste Schilddrüsenunterfunktion vs latente Hypothyreose [00:38:48]
  • Hashimoto Thyreoiditis [00:40:49]
  • Ein Blick in die modernen Daten und das Ding mit der Kommunikation nach außen [00:43:20]
  • Vorhofflimmern und kardinale Parameter [00:48:37]
  • Nochmal zusammengefasst [00:53:49]
  • Was braucht es denn alles noch für eine funktionierende Schilddrüse? [00:56:24]
  • Das Problem ist multifaktoriell [01:00:30]
  • Supplemente [01:01:33]
  • Warum Jod j enach Kontext so wichtig ist [01:04:31]
  • Superpower für die Schilddrüse: Selen [01:06:13]
  • Weniger Nährstoffe in den Lebensmitteln [01:08:12]
  • Eisen und die Schilddrüse [01:11:42]
  • Zink [01:13:55]
  • Selbstoptimierung und die “Basics” [01:17:16]
  • Wir brauchen mehr Daten [01:24:07]
  • Take Away [01:26:29]
  • Weiterführender Ausblick [01:28:34]
  • Kältetherapie [01:36:12]
  • Gesundheit verständlich machen [01:41:00]

Time Stamps und Inhalte:

00:00:05 Intro

  • Willkommen beim CYBS-Podcast für Medizin 3.0. Wir vereinen moderne Medizin und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, um dir dabei zu helfen, dein volles Potenzial zu entfalten. Mein Name ist Thiemo Osterhaus. Ich bin Arzt und Gründer der Medletics Academy. Mein Ziel ist es, deine Gesundheit nachhaltig zu optimieren, indem ich Verständnis und praxisorientierte Werkzeuge bereitstelle. Aber nun zum Thema der heutigen Folge des „Create Your Best Self“-Podcasts.
  • Wir haben uns viele Gedanken dazu gemacht, und vor allem sind wir wieder in den Austausch mit euch getreten. Eines meiner größten Ziele für 2024 ist es, den Podcast auf ein größeres, professionelleres, und vor allem regelmäßiges Niveau zu heben. Deshalb verspreche ich euch das heute, um mir auch selbst ein wenig Druck zu machen.
  • Ihr werdet nun wöchentlich neue Folgen erhalten. Wir werden unser Bestes tun, um so schnell wie möglich mit den Skripten für die Premium-Mitgliedschaften Schritt zu halten. Dabei sind wir jedoch weiterhin auf Unterstützung angewiesen.

Ende der Vorschau

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00:01:47 Wie kam es zum Thema der heutigen Folge?

Schreibt uns gern eure Fragen!

  • Wir haben jedoch von einem unserer Premiummitglieder eine geniale Frage erhalten, und auf diese Frage möchte ich in diesem Podcast ganz detailliert eingehen. Deshalb wundert euch nicht, wenn ich immer wieder zwischendurch nach links schaue und dann wieder zur Kamera.

Abb.1: Frage eines Premiummitglieds

  • Ich habe viele Notizen gemacht und mit dem gesamten Team etwa 30 Stunden Recherche betrieben, um das Thema Schilddrüse – also Diagnostik, Nährstoffe, was man außerhalb von Medikamenten tun kann usw. – noch einmal im Detail zu betrachten. Aber ich beginne mit der Umfrage, bei der es um das Thema „Schilddrüse optimieren“ ging.

00:02:13 Diagnostik für die Schulddrüse

Welche Werte sollten unbedingt gemessen werden?

  • Wir sprechen darüber, welche Werte unbedingt gemessen werden sollten. Welche Werte sind realistisch, relevant und gut? Wir haben uns sogar die aktuellen Leitlinien dazu angeschaut, denn die Referenzwerte ändern sich, und ich habe schon mehrmals betont, dass sie nicht den Optimalwerten entsprechen. Wir diskutieren auch den Unterschied zwischen Referenz- und Optimalwerten, insbesondere im Zusammenhang mit Schilddrüsenwerten.
  • Wie kann man die Schilddrüse verbessern? Dies kann auch durch Lifestyle, Supplemente, Nährstoffe usw. geschehen. Wie ist die Datenlage zu Ashwagandha? Dazu habe ich bereits ein umfangreiches YouTube-Video gemacht, aber wir können gerne noch einmal ins Detail gehen, auch mit Einblicken aus der Praxiserfahrung. Ich werde im Podcast stets versuchen, zwischen der aktuellen Wissenschaft, den Leitlinien und unserer praktischen Erfahrung aus der Praxis zu unterscheiden.
  • Es ist schwierig, einen Hausarzt zu finden, der über den Tellerrand schaut und so weiter. Daher ist es mir wichtig zu betonen, dass wir in diesem Podcast versuchen werden zu differenzieren: Was ist Evidenz? Was sagen die Leitlinien? Was halte ich möglicherweise für sinnvoll in Bezug auf die Leitlinien oder nicht? Was sagen die Referenzbereiche? Was ist unsere Praxiserfahrung? Am Ende solltest du einen Leitfaden haben, dem du folgen kannst, wenn es um das Thema Schilddrüse geht.

00:03:33 Die Schilddrüse

Was ist das eigentlich für ein Organ?

  • Und deshalb lass uns doch noch einmal ganz am Anfang beginnen. Was ist denn eigentlich die Schilddrüse? Wie funktioniert das Ganze? Die Schilddrüse ist wahrscheinlich eines der Organe – und da schauen wir uns später auch noch einmal eine Umfrage dazu an – bei der die meisten Menschen gar nicht wissen, was dieses Organ im Detail macht. Die Schilddrüse ist eines der wichtigsten Hormonsysteme in unserem menschlichen Körper, das über verschiedene Stoffwechselwege langfristig das Gewicht, unser Gemüt, aber auch das Thema Kälteregulation zum Beispiel steuert. Es hat auch Einfluss auf die Verdauung.
  • Das heißt, wir haben unglaublich viele verschiedene Facetten, in denen die Schilddrüse eingreift. Ehrlicherweise gibt es kaum eine Zelle in unserem menschlichen Körper, die keine Rezeptoren für die Schilddrüse hat. Das bedeutet, die Schilddrüse beeinflusst mit ihren beiden primären freien Hormonen, dem fT3 und dem fT4 – darauf kommen wir gleich noch -, fast jede Zelle des menschlichen Körpers.
  • Und deshalb spielt die Schilddrüse, ebenso wie die Organe und Hormone der Schilddrüse, in jeder Lebensdekade, in jedem Lebensalter und in jedem Lebensabschnitt eine entscheidende Rolle. Egal, ob es sich um die Schwangerschaft handelt, das Kindesalter, das jugendliche Alter oder das hohe Alter. Die Schilddrüse wird nie irrelevant.
  • Sie durchläuft verschiedene Phasen, in denen sie in verschiedenen Elementen relevanter wird und dann wieder etwas weniger Bedeutung hat. Aber dafür nimmt dann die Relevanz in einem anderen Bereich zu, und die Schilddrüse ist etwas, dem tatsächlich sehr wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Und dadurch, dass die meisten Menschen das nicht verstehen, ist das auf jeden Fall eine Folge, bei der ich dir empfehlen kann, vielleicht bei YouTube einzuschalten und Co., um das Ganze auch visuell mitverfolgen zu können. Ich werde jetzt zunächst ein Bild einblenden, was ich zwischendurch immer wieder machen werde.

00:05:27 HPA Achse

Die drei Ebenen der Schilddrüsenachse.

Abb.2: Hypophysen-Schilddrüsen-Achse

  • Aber hier geht es jetzt um die Achse der Schilddrüse. Also, wie funktioniert die Achse der Schilddrüse eigentlich? Wir haben drei Ebenen: den Hypothalamus, die Hypophyse und das Organ selbst: die Schilddrüse. Fangen wir unten an. Die Schilddrüse produziert primär T3 und T4, etwa 80 % T4 und etwa 20 % T3.
  • Das sind die primären Hormone, die von der Schilddrüse als erstes produziert werden und dann im menschlichen Körper ihre Funktionen erfüllen können, wie bereits angedeutet. T4 ist das inaktive Hormon, und T3 ist das aktive Hormon. Der große Teil der Funktionalität der Schilddrüse, den du spürst, wenn dir warm wird, wenn dein Stoffwechsel hochgeht, wenn es um Gewichtsabnahme und langfristig um deine Leistung geht, wird in aller Regel durch T3 vermittelt.
  • Das heißt, wir haben 20 % T3, das erst produziert werden muss. Das erfordert eine Umwandlung, ähnlich die Umwandlung von T4 in T3. Die Zahl, die am Ende des Hormons steht, repräsentiert die Anzahl der Jodatome. Warum das relevant ist, werden wir am Ende besprechen, wenn es um die Anzahl der Jodatome an diesen Molekülen geht.
  • Beim T4 sind es also vier, beim T3 sind es drei. Dabei spielen Enzyme eine Rolle, die Jodatome von den Molekülen abschneiden. In diesem Fall sind es die Enzyme D1 und D2, die aus T4 das T3 machen. Das heißt, wir können auf der einen Seite direkt fT3 produzieren. Das freie T3 ist dann das, was deinem Körper zur Verfügung steht und ungebunden im Körper vorkommt. Die Schilddrüse im menschlichen Körper, am Organ selbst und auch an verschiedenen anderen Organen wie der Leber, kann fT4 in fT3 umwandelt werden, was großartig ist.
  • Das Problem ist, dass diese Umwandlungen selenabhängig sind. Das bedeutet, wir brauchen auf jeden Fall Selen, um die Hormone umwandeln zu können. Warum das relevant ist, werden wir später betrachten, wenn wir uns die Analysen anschauen und woher wir heute überhaupt Selen aufnehmen. Dann haben wir noch ein weiteres Molekül, das aus dem fT4 entstehen kann.

00:07:44 Reverses T3 und Jod

Wie dein Stoffwechsel gestoppt wird.

  • Und das ist tatsächlich der Grund, warum es hier in der Grafik (Abb. 2) rot markiert ist. Etwas, das sehr, sehr selten gemessen wird und das die meisten Menschen auch nicht kennen, ist das Reverse T3. Es sieht genauso aus wie das T3, es ist einfach nur spiegelverkehrt, und es wird letzten Endes nicht aus der Deiodase 1 oder 2 gebaut, sondern aus der D3, der Deiodase 3.
  • Dabei wird ein anderes Jodatom abgespalten, als es eigentlich der Fall wäre, wenn wir es in T3 umwandeln würden. Du kannst es dir so vorstellen: rT3 und fT3 sehen genau gleich aus – sie sind spiegelverkehrt, man kann sie nicht genau übereinanderlegen, ähnlich wie bei deiner linken und rechten Hand. Das habe ich gerade im Video versucht zu zeigen.
  • Das Gute daran ist, dass rT3 auch eine Funktion in unserem Körper hat. Es ist nicht nur ein Stoff, der anfällt, sondern rT3 fungiert gewissermaßen als Ausschalter, weil jedes dieser Hormone nicht über sich selbst wirkt. Diese Hormone docken an unseren Rezeptoren, also den Schilddrüsenrezeptoren an, und führen entweder kurzfristige oder langfristige Reaktionen auf Gen-Ebene aus.
  • Dieses rT3 bindet an den Rezeptor von T3, wo eigentlich das aktive Schilddrüsenhormon ft3 angedockt ist, und passt perfekt rein. Aber es aktiviert diesen Rezeptor nicht. Das bedeutet, es funktioniert wie ein Ausschalter in unserem System. Du kannst dir vorstellen, dass der Körper, wenn er möchte, dass die Schilddrüsenhormone nicht mehr wirken, nicht einfach sagen kann: „Okay, ich produziere jetzt keine Schilddrüsenhormone mehr.“ Das dauert, weil im menschlichen Körper immer noch genügend Schilddrüsenhormone im Blut gebunden oder gelöst sind, die immer noch an die Rezeptoren binden können.
  • Die Produktion von rT3 in verschiedenen Situationen wie extremen Stresssituationen, nach großen Operationen, nach Traumata usw. wirkt wie ein Ausschalter. Das heißt, das rT3 bindet an den Rezeptor, aber es wird keine Reaktion ausgelöst. Das ist in vielen Situationen gewollt, aber natürlich nur ein Problem, wenn wir in extremen Stresssituationen einfach zu viel von diesem rT3 produzieren.
  • Jetzt ist es so, dass es für die Produktion dieser Hormone einen Trigger geben muss. Hier kommen der Hypothalamus und die Hypophyse ins Spiel. Das TSH ist wahrscheinlich das, was die meisten Menschen kennen, weil es auch in den Leitlinien eine große Rolle bei der Diagnostik spielt.
  • Aber es ist jetzt so, dass, wenn nicht genügend Schilddrüsenhormone, rT3 und fT4 und primär fT3, im Blut vorhanden sind, dann gibt es einen Feedback-Mechanismus, der dem Gehirn signalisiert, dass nicht genügend Hormone vorhanden sind. Infolgedessen müssen der Hypothalamus und die Hypophyse arbeiten – es gibt Feedback zu beiden. Entweder der Hypothalamus produziert zuerst das TSH, das “Freisetzungs-Hormon” für die Schilddrüse, und aktiviert damit die Hypophyse, oder die Hypophyse produziert direkt TSH, das Thyroidea-stimulierende Hormon. Dadurch produziert die Schilddrüse mehr Hormone.
  • Haben wir dann wieder genügend Nachschub für unser Blut, gibt es wieder diesen negativen Feedback-Mechanismus. Das Gehirn, der Hypothalamus und die Hypophyse erhalten die Information, dass genügend Hormone im Blut vorhanden sind. Daher ist keine weitere Produktion von T3 und T4 erforderlich, das heißt, wenn genügend Schilddrüsenhormone im Blut vorhanden sind, ist der TSH-Wert niedrig, und wenn zu wenig Schilddrüsenhormone im Blut vorhanden sind, steigt der TSH-Wert.

00:11:22 Warum es nicht reicht, nur den TSH Wert zu bestimmen

Der TSH wird in der klassischen Schulmedizin zu hoch gelobt.

  • Bei einer normal funktionierenden Schilddrüse reicht es also – und das ist das, was wir uns gleich anschauen werden – nur den TSH-Wert zu bestimmen. Warum das jedoch nur in der Theorie richtig ist, meiner Erfahrung nach aber in der Praxis nicht wirklich sinnvoll ist, schauen wir uns gleich genauer an. Die Daten, die wir betrachten, und die Experten, die diese Studien verfasst haben, empfehlen nicht nur fT3, fT4 und TSH zu messen. Sie raten dazu, die Leitlinien, die nur die Messung des TSH vorsehen, zu hinterfragen. Denn das ist der gängige Goldstandard heutzutage.
  • Nur TSH zu messen und bei einem hohen TSH-Wert zu folgern, dass zu wenig Schilddrüsenhormone vorhanden sind, ist laut den Experten in der Praxis nicht ausreichend. Es gibt verschiedene Situationen, in denen die Schilddrüse mal viele Hormone produzieren soll und mal wenig produzieren soll. Das bedeutet, wir haben, wie bereits erwähnt, Stresssituationen. Wir haben Situationen wie Verdauung, wir haben Traumata, und es gibt viele Situationen, wie zum Beispiel auch eine akute Erkältung, in denen die Schilddrüse Anpassungen vornehmen muss, um mehr oder weniger Hormone zu produzieren.
  • Wir befinden uns also selten in einem steady state, sondern wir haben eine Rhythmik in der Ausschüttung der Hormone, die letztendlich an den Kontext, also an die Situation, in der wir uns befinden, angepasst ist. Zum Beispiel ist das Thema Kinderwunsch, das ich hier eher etwas ausnehmen möchte. Aber schreib uns gerne bei YouTube in die Kommentare, ob das ein Thema ist, bei dem du gerne mehr darauf eingehen möchtest, denn auch dazu sind wir auf extrem viele Daten gestoßen.

00:13:04 Schilddrüsenunterfunktionstypen

Was bedeutet das eigentlich?

  • Ich zeige dir gleich auch ein paar Daten, von denen ich mir tatsächlich nicht bewusst war, dass sie ganz neue Erkenntnisse liefern. Es gibt nämlich sehr viele Daten, die heutzutage genutzt werden, aber schon 20 Jahre alt sind. Es gibt jedoch auch viele neue Daten zu diesen Themen. Kinderwunsch ist zum Beispiel eines dieser Themen, und das ist ein super komplexes Thema.
  • Die Schilddrüsendiagnostik ist heute tatsächlich auch ein Teil des Neugeborenen-Screenings, weil wir ein extrem großes Problem mit der Wachstumsrate, also dem zurückbleibenden Wachstum bei Neugeborenen, sehen, wenn wir eine Schilddrüsenunterfunktion haben. Jetzt noch einmal ganz kurz die Basics: Was ist das? Eine Unterfunktion habe ich bereits erklärt, nur habe ich das Wort nicht benutzt. Wenn wir zu wenig freie Schilddrüsenhormone haben, dann liegt eine Unterfunktion vor.
  • Ich blende hier mal eine Tabelle ein. Diese stammt aus unserer Akademie, ist jedoch stark vereinfacht, und zeigt verschiedene Situationen auf der linken Seite. Du siehst dort die Schilddrüse und ihre ausgeglichene Funktion, was der Normalzustand wäre. Da haben wir ein normales TSH, also etwa im Wert von 2 – zu den Referenzwerten kommen wir später –, das fT3, das ebenfalls normalerweise bei etwa 3,3 oder um die 3 liegen sollte, und dann noch das fT4, was ungefähr bei 1,4 liegen sollte.

Abb. 3: Schilddrüsenfehlfunktionstypen

  • Der T3 ist ebenfalls normal. Was das alles im Detail bedeutet, mit Referenz- und Optimalwerten, dazu komme ich später. Jetzt gibt es verschiedene Unterfunktionstypen. Ich will es nicht zu kompliziert machen. Welche verschiedenen Unterfunktionstypen gibt es alle? Man kann sie zwar hier auch in der Tabelle sehen, aber es gibt quasi eine Unterfunktion, bei der zu wenig freie Schilddrüsenhormone vorhanden sind, also die Funktion der Schilddrüse unter dem liegt, was normal ist.
  • Das heißt, wie du in der Tabelle siehst, sind bei der primären Unterfunktion die Werte erniedrigt. Wenn wir uns eine Überfunktion ansehen, ist genau das Gegenteil der Fall. Die Funktion liegt über dem, wo sie normalerweise liegt. Das bedeutet, wir haben zu viel T3 und zu viel T4. Das ist bereits die Definition von Über- und Unterfunktion. Und was dabei herauskommt, wenn wir bei der Unterfunktion bleiben, ist, dass bei zu niedrigen Hormonwerten ein Feedback-Mechanismus aktiviert wird, und dann wird aus der Hypophyse mehr TSH produziert und ausgeschüttet.
  • Das heißt, bei einer ganz normalen primären Schilddrüsenunterfunktion sind fT4 und fT3 niedrig und TSH erhöht, und bei der Überfunktion ist es genau umgekehrt. fT4 ist erhöht, und das TSH ist sehr niedrig. In diesem Kontext würde es also völlig ausreichen, wenn man sich nur den TSH-Wert anschaut. Es gibt dann noch einige spezifische Formen, die du in der Tabelle siehst, wie zum Beispiel eine sekundäre Unterfunktion und das sogenannte Low-T3-Syndrom, bei dem die Konstellationen etwas anders sind.
  • Bei einer sekundären Unterfunktion ist das TSH zum Beispiel ebenfalls erniedrigt. Was es damit auf sich hat, erkläre ich später im Detail. Jetzt aber zurück zu den Basics. Wenn wir uns die Funktionalitäten der Schilddrüse anschauen, korreliert eine Unterfunktion mit Symptomen wie Gewichtszunahme, Antriebslosigkeit, vielleicht sogar einem Hang zu depressiven Symptomen, trockener Haut, Verstopfung und vielen weiteren Symptomen. Diese treten auf, wenn die Schilddrüsenhormone in unserem Körper nicht ausreichend vorhanden sind. Eine Überfunktion verursacht ähnliche Symptome, nur in die entgegengesetzte Richtung.
  • Das bedeutet, eine Überfunktion führt eher zu Durchfällen, fettiger Haut, Gewichtsabnahme und Wärmeintoleranz anstelle von Kälteintoleranz wie bei der Unterfunktion. Es ist immer genau konträr, und das ist super wichtig zu verstehen, weil wir natürlich nicht bei jedem alles messen wollen.

00:17:23 Schilddrüsenerkrankungen sind auf dem Vormarsch

Immer mehr Menschen erkranken an der Schilddrüse und das verdient mehr Aufmerksamkeit.

  • Wobei man ehrlich sagen muss, dass wir in der Praxis dieses Thema Schilddrüsendiagnostik bei jedem die Basics wie TSH, fT3 und fT4 sowieso immer zusammen messen. Das gibt es bei uns nicht, dass das getrennt wird. Warum, dazu komme ich auch gleich noch mal, auch wenn man sich die Daten anschaut. Aber was einfach so ist, und das zeigt auf der einen Seite unsere Erfahrung nach, ist dass die Rate, also die Prävalenz an Schilddrüsenerkrankungen, immer mehr zunimmt. Worauf das zurückzuführen ist, kann ich nur vermuten. Es gibt noch keine hundertprozentigen Belege dafür. Auch da sind wir ganz tief eingestiegen. Es gibt super viele neue Daten von Springer, viele Auszüge aus verschiedenen Büchern momentan, die gerade herauskommen, wo wir immer wieder sehen, dass Schilddrüsenerkrankungen zu den häufigsten Erkrankungen in unserem Land gehören. Momentan, und da ist jetzt noch nicht mit einbezogen, ob das Überfunktionen sind oder Unterfunktionen.
  • Aus meiner Erfahrung haben wir deutlich mehr Unterfunktionen, vor allem bei jungen Frauen, als zu viele Überfunktionen. Natürlich spielt das Autoimmunthema eine sehr große Rolle, dazu kommen wir auch gleich noch mal. Was sich jedoch als sehr wichtig und relevant erweist, ist, dass wir jetzt gerade im Moment einige Symptome genannt haben wie Gewichtszunahme, Depressivität, Antriebslosigkeit, Hunger, Kälteempfindlichkeit.
  • Es ist jedoch problematisch, von den Symptomen jetzt jedes Mal auf die Erkrankung zu schließen, weil die Symptome in der Konstellation für den Arzt vielleicht sehr spezifisch sind, aber an sich sind Symptome wie Gewichtszunahme sehr unspezifisch. Wir haben keine pathogenen, spezifischen Anzeichen wie einen Ausschlag an einem bestimmten Teil des Körpers, wie beispielsweise eine Rötung auf der Handfläche, die sehr spezifisch für eine Lebererkrankung ist. Solche eindeutigen Anzeichen haben wir bei Schilddrüsenuntersuchungen nicht direkt.
  • Das heißt, dieses Thema, das für die meisten Menschen federführend ist, ist dieses Energiemangelthema. Meistens zumindest. Und das kann unglaublich viele spezifische Ursachen haben. Es ist also sehr wichtig zu betonen, dass du die Folge jetzt für dich hörst, aber am Ende nicht automatisch davon ausgehst, dass es definitiv eine Schilddrüsenunterfunktion ist, nur weil die Symptomkonstellation unspezifisch ist, muss man sagen.
  • Ich finde jedoch, dass dieses Thema in Deutschland deutlich mehr Aufmerksamkeit bekommen sollte, vor allem wenn es darum geht, Menschen klar zu machen, was es mit der Schilddrüse auf sich hat. Es gibt nämlich eine sehr schöne repräsentative Umfrage aus dem Jahr 2023, bei der 1040 Menschen online in Fragebögen befragt wurden. Dabei kam heraus, dass vielen Menschen die Funktion der Schilddrüse gar nicht bewusst ist.

00:20:27 Wir brauchen mehr präventive Aufklärung!

Thiemo’s Sicht auf die aktuelle Diagnostik in der Schulmedizin.

  • Und das, obwohl wir eine so große Verbreitung von Schilddrüsenproblemen in unserer Gesellschaft haben. Laut dieser Umfrage leiden 47 % der befragten Menschen entweder selbst darunter oder kennen jemanden, der von Schilddrüsenproblemen betroffen ist. Trotzdem wissen sie am Ende des Tages selber nicht genau, wofür die Schilddrüse verantwortlich ist bzw. was die Schilddrüse im Detail macht. Das finde ich ist etwas, was genau das unterstützt und auch unterschreibt, was ich immer wieder sage: Wir brauchen viel, viel, viel mehr präventive Aufklärung!

  • Mediziner müssen viel mehr zusammenhalten und viel mehr über diese Dinge aufklären, anstatt darüber zu urteilen, was jemand etwas anderes gesagt hat oder nicht. Ich habe gerade eben noch ein Interview gehört, wo es um Cholesterin und Co ging. Da hieß es dann auch, dass ein anderer Mediziner gesagt hat, dass das LDL super relevant für die Diagnostik sei. Die Wissenschaft zeigt das jetzt nicht. ApoB ist da federführend, aber wir müssen uns einfach um die Dinge kümmern, die weit verbreitet sind, und das vor allem gemeinsam als Team. Das ist super wichtig, und das zeigt diese Umfrage zum Beispiel, finde ich auch sehr schön, dass, wenn wir uns das Wissen zur Schilddrüse in Deutschland anschauen, es sehr verbreitet ist, und in den Daten leiden 47 % entweder selbst darunter oder kennen jemanden.
  • Aber es ist so, dass 46 %, also fast die gleichen 46 % aller Befragten, noch nie einer Untersuchung der Schilddrüse unterzogen wurden. Auch ein sehr spannendes Thema in diesem Kontext. Und 22 % aller Befragten wissen, dass die Hauptaufgabe der Schilddrüse die Regulierung der Hormone ist. Das ist nicht mal 1/4 der befragten Menschen. Man kann jetzt interpretieren, ob das so repräsentativ ist oder nicht. Aber es ist, finde ich, schon eine Zahl, die uns zeigt, dass wir viel mehr Aufklärung brauchen, als es eigentlich der Fall ist, bzw. als es gerade aktiv der Fall ist. Und was wir auch sehen, das ist ja etwas, was in der Frage zum Beispiel auch gestellt wird, was hat das mit der Diagnostik auf sich?
  • Und ich rede schon seit fünf Jahren darüber, dass man TSH, fT3 und fT4 messen soll und warum und welche Nährstoffe relevant sind. Und deswegen war die Idee, in dieser Podcastfolge sich mal ganz genau anzuschauen, was zeigen die Leitlinien? Was zeigen die aktuellen Daten? Denn es kann ja durchaus auch sein, dass ich Dinge aufgrund meiner praktischen Erfahrung empfehle, die wir in der Praxis und viele führende Mediziner in diesem ganzheitlichen Sektor empfehlen, wir aber trotzdem eigentlich keine haltbaren Belege dafür haben, warum das so ist.

00:23:24 Was sagen denn die Leitlinien?

Was empfehlen die aktuellen Daten und wie steht Thiemo dazu?

  • Und ich bin ganz ehrlich, vor zehn Jahren oder auch vor fünf Jahren hättet’s wahrscheinlich auch noch anders gesehen. Deswegen haben wir uns ganz neutral hingesetzt und versucht, uns erst einmal die Leitlinien anzuschauen, zu schauen, was denn die Studienergebnisse, die aktuellen, und was sagen die Praxiserfahrungen?
  • Daraus zu versuchen, auch eine Ableitung zu machen, was wir jetzt aufgrund von Wissenschaft und Erfahrungsschatz empfehlen würden. Das ist genau das, was wir jetzt machen. Das heißt, wir sind in die Leitlinien eingestiegen. Wir verlinken auch alles, wie immer.
  • Aber unter der AWMF Online kann man sich alle Leitlinien anschauen. Und wenn wir uns das Thema Schilddrüse anschauen, gibt es erst mal tatsächlich gar nicht so viele Leitlinien, sondern nämlich genau eine, und das ist „Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis“. Es gibt da natürlich ganz spezifische Leitlinien für spezifische Themen, aber keine, die uns hier jetzt sonderlich viel helfen.
  • Und ich glaube, was da auch an der Stelle noch mal wichtig zu erwähnen ist: Leitlinie ist nicht gleich Leitlinie. Wir haben verschiedene Leitlinien. Wir haben z.B,. die S1 Leitlinie. Wir haben S2 Leitlinien. Die kann man dann auch noch mal spezifisch unterteilen mit drei Leitlinien. Also je weiter nach unten man kommt, desto größer sind die Empfehlungen aufgrund von Evidenz und von strukturiertem Konsens.
  • Und wir haben bei dieser Leitlinie vom erhöhten TSH-Wert in der Hausarztpraxis zum Beispiel eine 1S2K Leitlinie, die, wenn wir uns die Definition anschauen, “Empfehlung aufgrund der Basis eines strukturierten Konsens” zieht. Das heißt, wir haben sowohl Evidenz drin, wir haben hier teilweise nicht Evidenz drin, und das ist etwas, was auch sehr schnell auffällt. Was aber erst mal gar nicht negativ zu bewerten ist, sondern wir haben eine Leitlinie und Leitlinien versuchen immer, das größte Wohl für alle Patienten herauszuziehen.
  • Das heißt, Leitlinien sind super relevant und wichtig. Das ist etwas, woran sich die Therapien der meisten oder eigentlich aller Erkrankungen richten und was sich Ärzte und Mediziner anschauen sollten und daraus dann auch entscheiden: „Okay, wie therapiere ich jetzt wen?“ Das Problem ist natürlich, dass sich Leitlinien oft nicht weiterentwickeln oder oft auch nicht alle Blickwinkel in diese Leitlinien mit eingehen.
  • Viele Dinge, die neu sind, gemessen werden, aber dann nicht in der Leitlinie drin sind. Wie bei Lp(a) für kardiovaskulären Dingen oder ApoB zum Beispiel. Aber das ist ein sehr schönes Beispiel, weil das ist in den US-Leitlinien für das ganze kardiovaskuläre Thema zum Beispiel mit drin, in Deutschland nicht, und das ist, wenn wir uns die kardiovaskulären Leitlinien anschauen, für das Verhältnis von Triglyceriden zu HDL zum Beispiel um Insulinsensitivität und solche Dinge zu messen bzw. einfach messbar zu machen, dann war das bis vor ein paar Jahren in den USA zum Beispiel noch in den Leitlinien drin, heute nicht mehr.
  • Ist es jetzt aber nicht mehr. Das heißt, Leitlinien verändern sich über die Zeit, und so sollte das ja auch sein. Und wenn wir jetzt hereinschauen in diese Leitlinien, dann ist hier, wie der Name schon sagt, primär geht es um einen erhöhten TSH-Wert, was ja definitionsgemäß dann gerade eben, wie ich schon angedeutet habe, mit einer Schilddrüsenunterfunktion einhergeht. Kompliziert wird es erst, wenn der TSH-Wert niedrig ist.
  • Bei einem erhöhten TSH-Wert ist es eigentlich recht eindeutig und klar, dass wir uns bei einer Schilddrüsenunterfunktion befinden. Allerdings ist jetzt natürlich die Frage: Was bedeutet erhöht? Denn das würde wahrscheinlich jeder wieder so ein bisschen unterschiedlich identifizieren. Und deswegen fängt diese Leitlinie damit an, in Abhängigkeit vom Alter die TSH-Werte als erhöht zu interpretieren. Das heißt, in einem Alter von 18 bis 70 Jahren sind Werte von über vier zum Beispiel als erhöht zu werten, in einem Alter von über 80 aber erst ab über sechs.

  • Und das ist total gängig, dass wir uns in der Medizin nach dem Alter richten, dass wir uns nach dem Körpergewicht richten, bei verschiedenen Dingen auch nach dem Geschlecht richten. Und deswegen ist das gar nichts Unnatürliches. Ob diese Referenzbereiche jetzt so sinnvoll sind für den allgemeinen Verbrauch laut Leitlinie oder für das Individuum … Am Ende des Tages würde ich jetzt aus Erfahrungswerten etwas anderes sagen.
  • Da komme ich aber gleich noch mal zu. Und wie gesagt, das ist schon die überarbeitete Version. Das heißt, TSH-Screening ist eine Blutuntersuchung, die man machen würde. Aber auch da gibt es eine Empfehlung, wann TSH gemessen werden soll und die besagt zum Beispiel: Ein TSH-Screening sollte bei symptomatischen Erwachsenen erfolgen. Da ist es wieder die Frage: Was also symptomatisch?
  • Dem würde ich zum Beispiel widersprechen. Ist jetzt aber wieder meine Erfahrung, die ich habe. Das heißt, wenn wir eine präventiv medizinische Untersuchung machen würden, dann würde bei uns und bei sehr vielen funktionellen Medizinern das Thema Schilddrüse dazu gehören, auch ohne Symptome. Denn wir können natürlich bei jedem Menschen, der symptomatisch ist, alle Schilddrüsenhormone und alle anderen Blutwerte messen. Das ist natürlich klar, ist aber auch ein Kostenpunkt.
  • Aber da gibt es diese schöne, große Cochrane-Analyse, die am Ende die Aussage trifft, dass präventiv medizinische Blutdiagnostik nicht sinnvoll ist. Wenn man dann aber in diese Daten mal reinschaut, dann werden da auch Blutwerte gemessen, die sehr, sehr, sehr basic sind und dann würde ich das unterschreiben. TSH ist da bei den meisten Untersuchungen so nicht dabei.
  • Ich würde aus meiner Erfahrung heraus eben nicht nur diesen Wert messen, auch wenn die Leitlinie sagt, dass das bei symptomatischen Erwachsenen nicht sein muss. Wenn jemand präventiv medizinisch arbeiten möchte, dann würde ich das aber schon für sehr sinnvoll erachten. Aber natürlich nicht bei jedem. Jetzt einfach den TSH-Wert zu messen. Und was die Leitlinie aussagt, steht z.B. bei Punkt B an der Stelle bei 4.2.1: “eine Routine mäßiges TSH bei Frauen mit Kinderwunsch oder Schwangerschaft ohne bekannte Schilddrüsenerkrankung sollte ebenfalls nicht erfolgen.” – und dem würde ich zum Beispiel widersprechen.

Abb. 6: TSH-Screening-Empfehlungen

  • Nicht, weil ich jetzt sage, ich bin allwissend oder klüger, sondern aus meiner Erfahrung heraus. Versteht mich jetzt nicht falsch, aber wenn ich mich in die Situation begebe, ein Kind zu bekommen, dann möchte ich doch alles so optimal gestalten, wie es geht. Nicht nur für mich, sondern auch für mein Kind. Und da wäre das Thema Blutdiagnostik, gerade Schilddrüsendiagnostik, weil das in der Schwangerschaft eine so essenzielle Rolle spielt, bei.
  • Das zeigen eben auch nicht nur die neuen, sondern auch die alten Daten. Würde ich aus meiner Erfahrung heraus und wenn meine Frau schwanger wäre, würde ich auf jeden Fall den TSH-Wert und viel mehr noch messen, um im worst case Anpassungen machen zu können. Weil die Frage ist ja auch: Wie lange habe ich schon ein Symptom und habe mich daran gewöhnt?

00:30:47 Individuelle Diagnostik vs. Diagnostik für die Allgemeinbevölkerung

Wie verbindet Thiemo Leitlinien mit persönlicher Erfahrung?

  • Aber es ist jetzt individuell betrachtet. Die Leitlinie macht keine individuellen Betrachtungen, sondern bezieht sich auf die Allgemeinbevölkerung. Deswegen gibt es auch Referenzbereiche für die Allgemeinbevölkerung, um zu sagen, wie viele Menschen prozentual ein Problem haben und so weiter. Sehr sinnvoll für die Allgemeinheit, für das Individuum aber überhaupt nicht sinnvoll. Und das ist meiner Ansicht nach hier genau das Gleiche. Die Frage ist, worum geht es in der Hausarztpraxis, wo man keine Zeit hat?
  • Okay, wieder ein anderer Kontext, den ich hier habe, als wenn ich jetzt präventivmedizinisch mit jemandem arbeite. Ich würde das sogar noch einen Schritt weiter treiben und würde mich sogar hinsetzen und sagen, TSH-Screening rein aus TSH-Sicht würde meiner Ansicht nach so oder so keinen Sinn ergeben, wenn ich mir das in der Leitlinie anschaue. Ich meine hier die Bestimmung von freien Hormonen.

Abb. 7: Leitlinie zur Bestimmung der freien Hormone

  • Das steht in 5.4.1.1 in dem Kontext hier zur weiteren Abklärung einer Hypothyreose, also einer Schilddrüsenunterfunktion, sollte zunächst einmalig das fT4 bestimmt werden. Und da sieht man jetzt, dass zum Beispiel ein sehr schöner Punkt, aber zur weiteren Abklärung einer Hypothyreose, das heißt die Diagnose der Hypothyreose, also der Schilddrüsenunterfunktion durch das erhöhte TSH wird dem ja vorausgesetzt. Ich würde beim ersten Mal schon das fT4 messen, aber das ist, wie gesagt, ein Erfahrungswert, den ich habe.
  • Und ich denke, gerade die Diagnostik von Schilddrüsenproblematiken, egal ob Über- oder Unterfunktion, muss sich definitiv drastisch ändern, langfristig. Denn wir haben das in der Tabelle, die ich hier auch gerade sehe. Wenn wir eine sekundäre Schilddrüsenunterfunktion haben, habe ich ein normales TSH. Ich habe aber trotzdem eine Unterfunktion, denn das niedrige TSH ist die Ursache für die niedrigen Schilddrüsenhormone.
  • Warum das so ist? Das ist sehr komplex und kann bei Sexualhormonproblemen bei jungen Frauen zum Beispiel vorkommen. Das heißt, ich habe ein Problem mit den Sexualhormonen, und dadurch, dass auch die Sexualhormone durch den primären Trigger, also LH und Co, auch aus der Hypophyse stammen, kann es durchaus sein, dass diese sekundäre Unterfunktion sich auch auf die Schilddrüse auswirkt und dass auch die Sexualhormonachse nicht besser wird, wenn die Schilddrüse nicht besser wird.
  • Das heißt, wenn ich nur das TSH messe, dann identifiziere ich diese Probleme gar nicht, weil wenn ich nur TSH messe, dann bedeutet das ja, ich finde die niedrigen Schilddrüsenhormone gar nicht, wie man in der Tabelle sieht. Und das ist leider etwas, was oft nicht gemacht wird. Und das ist einfach etwas, was ich sehr, sehr, sehr schwierig finde.
  • Und ich habe hier noch mal einen kleinen Ausschnitt, wo man in der Leitlinie auch sieht, in Abhängigkeit von bestimmten Methoden existiert eine hohe Variabilität der gemessenen Werte, was ich definitiv unterschreibe. Das heißt, wir sehen bei verschiedenen Messungen stark schwankende Werte, weswegen es zum Beispiel auch als durchaus wichtig erachte, Schilddrüsenhormone nur morgens zu messen und nicht mittags, nachmittags oder abends.

00:33:50 Diagnostik am Morgen sollte Standard sein

Blutwerte sollten nur morgens abgenommen werden, um aussagekräftig zu sein.

  • In keinem akuten Setting ist das etwas anderes. Aber wenn ich eine vernünftige Aussage über diese Werte haben möchte, dann brauche ich diese Werte morgens, denn sie sind morgens deutlich höher und natürlicher als im Laufe des Tages, so wie das auch bei verschiedenen anderen Hormonen, wie einer Messung von Cortisol oder anderen Dingen Sinn ergeben würde – vor allem bei Hormonen.
  • Und was man ja auch sieht, ist, dass bei einem TSH weit über dem jeweiligen altersspezifischen Referenzwert, mit einem fT4 unter diesem Referenzwert, die Diagnose einer manifesten Hypothyreose gestellt werden kann. Das ist dann das, was wir eben auch schon hatten: niedrige Werte mit erhöhtem TSH, also niedriges fT4 und fT3 mit erhöhtem TSH: das ist die Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion. Und das ist das, was theoretisch ja auch dem gängigen Standard entspricht.
  • Was aber hier gemacht wird, ist, dass gesagt wird – und ich zeige gleich noch mal den ganz genauen Ablauf oder das diagnostische Vorgehen-, dass fT3 nicht bestimmt wird. Und man muss ganz ehrlich sagen, dass diese Leitlinie ja den erhöhten TSH-Wert voraussetzt, also wir starten ja schon bei einem erhöhten TSH-Wert.
  • Das heißt dann laut Leitlinie noch, wenn ich einen erhöhten TSH habe, dass dann nicht weiter gemessen wird. Vor allem für den Verlauf, um zu sehen, wie sich diese Dinge entwickeln, wäre das aber besser.
  • Und vor allem richtet sich diese Leitlinie primär an die Diagnostik, an die Blutwerte. Ich möchte ja auch keine Blutwerte behandeln – sondern die Blutwerte, die Diagnostik nutzen, mit der Anamnese in einen Gesamtkontext bringen und dann daraufhin Therapieentscheidungen treffen und auch schauen, wie sich Wohlbefinden, Symptome, aber auch die Werte in einem gewissen Konsens ändern.
  • Und ich kann nur eine Änderung feststellen, wenn ich einen vorherigen Wert gemessen habe. Und die Leitlinie sagt dazu: “Die Bestimmung, des fT3 bei erhöhten TSH hat eben keinen Zusatznutzen. Die Bestimmung erfolgt im Kontext der weiterführenden Diagnostik bei niedrigen TSH-Werten, also bei einer Hyperthyreose.”

Abb. 8: Bestimmung des fT3 laut Leitlinie

  • Und das ist zum Beispiel finde ich nicht richtig formuliert, weil wir können eben auch erniedrigte TSH-Werte bei einer Hypothyreose haben.
  • Und das ist sehr, sehr, sehr schwierig, weil da wirken sich zyklusabhängige Dinge bei Frauen aus, da wirken sich alle möglichen Lifestyle- und Umweltfaktoren auf das Thema Hormone aus. Es ist sehr schwierig, ein Flowchart zu bauen, und zu sage, dass “B immer nach A kommt”. Oder auch B und dann C.

00:36:39 Was die Leitlinien übersehen

Warum die Schilddrüsendiagnostik ausführlicher in die Leitlinien aufgenommen werden sollte.

  • Darauf gehen wir auch noch einmal ein. Es ist jedoch trotzdem so, dass ein niedriger TSH-Wert in der Schulmedizin sich eigentlich immer nur mit der Hyper-, also der Überfunktion deckt. Und das ist meiner Ansicht nach falsch. Die Erfahrung sagt auch ganz klar, wenn ich es prozentual – was aber jetzt nur auf die Patienten von mir bezogen ist – einschätzen müsste, dann sind von 100 % der Menschen, die mit Schilddrüsenproblematiken bei uns landen, bestimmt mindestens 50 % von einer sekundären Schilddrüsenunterfunktion betroffen, die ich laut der Definition so überhaupt nicht greifen würde und auch nicht identifizieren würde, wenn ich nur den TSH-Wert messen würde.
  • Das ist meiner Ansicht nach ein großes Problem, und das sagt die Leitlinie tatsächlich auch, indem sie ja sagt “auf spezielle und weitere führende Diagnostik und Therapie bei Schilddrüsenkarzinom, sekundär erworbene Hypothyreose, z.B. nach Operation von Stuma und Knoten wird hier nicht eingegangen.”

Abb. 9: Zielgruppen, Adressaten und Ziel der Leitlinie

  • Es gibt aber auch keine Leitlinie, wo dann explizit darauf eingegangen wird. In der Schulmedizin würde jetzt in der Hausarztpraxis dann zum Endokrinologen weitergeleitet werden. Wenn wir uns diesen kompletten diagnostischen Verlauf mal anschauen und das siehst du jetzt hier in der Abbildung.

Abb. 10: Vorgehen bei erhöhtem TSH-Wert laut Leitlinie

  • Wie gesagt, wichtig ist, der erhöhte TSH-Wert wird hier vorausgesetzt. Wenn wir einen erhöhten TSH-Wert haben und wir schauen uns die Anamnese an und die ist dann unauffällig, dann kann man den TSH später noch einmal nachmessen.
  • Und wenn der TSH-Wert dann immer noch erhöht ist, dann kann man wieder den TSH-Wert noch einmal nachmessen. Und wenn er dann irgendwann wieder niedrig ist, also unterhalb von vier ist, dann brauchst du keine weitere Diagnostik. Das würde auch bedeuten, dass die ersten drei TSH-Messungen entweder fehlerhaft wären, was tatsächlich sehr häufig der Fall ist. Ich habe auch Daten dazu gefunden, die ich euch gleich mal zeigen kann. Es ist aber auch so, dass wir natürlich Schwankungen haben aufgrund von bestimmten Lebensabschnitten, bestimmten Lebensphasen, bestimmten Dingen, die in diesen Lebensabschnitten bei den Menschen letzten Endes zustande gekommen sind.

00:38:48 Primäre manifeste Schilddrüsenunterfunktion vs latente

Hypothyreose

Wo liegt der Unterschied in der Diagnostik?

  • Wenn wir uns das anschauen, haben wir einen erhöhten TSH-Wert und wir haben eine Anamnese. Dann folgen wir der anderen Seite, und in diesem Kontext würde fT4 gemessen werden. Es gibt ja drei Möglichkeiten: Entweder ist es erhöht, es ist normal oder fT4 ist niedrig. Wir gehen jetzt erst mal mit dem einfachen Wert, nämlich wenn der TSH-Wert erhöht ist und der fT4 sehr niedrig.
  • Dann habe ich eine primäre manifeste Schilddrüsenunterfunktion. Also sagen wir, wir haben einen erhöhten TSH und einen erhöhten fT4-Wert. Dann habe ich laut ihrer Leitlinie jetzt hier entweder sekundäre Ursachen und muss weiter überweisen, weil es könnte jetzt sein, dass ich auch eine Überfunktion habe, und damit bin ich in einem komplett anderen Behandlungsspektrum und sowieso in einem komplett anderen Krankheitsbild.
  • Kompliziert wird es eigentlich dann erst, wenn der Wert normal ist, also TSH erhöht, fT4 aber normal – was ja eigentlich nicht in die Definition einer Unterfunktion reinpassen würde. Es gibt dann so einen Spezialfall, was eine latente Hypothyreose ist. Das heißt, die freien Werte sind gut bis normal, aber der TSH-Wert ist erhöht. Auch das wäre etwas, was ich nicht sehen würde, wenn ich nur den TSH messen würde, was aber die Leitlinie ja auch nicht empfiehlt, was aber trotzdem sehr viele machen.
  • Tatsächlich, und in dem Fall wäre eigentlich die Empfehlung jetzt Antikörper wie TPO und Co zu bestimmen, um zu schauen, ob man Hashimoto hat. Auch da wäre dann Ultraschall natürlich sehr sinnvoll. Kommen wir aber gleich noch dazu. Und wenn die Antikörper negativ sind, also niedrig, das TPS zum Beispiel, und damit Hashimoto eigentlich ausgeschlossen ist. Ich sage bewusst „eigentlich“, weil wir uns auch gerade in einer Phase befinden können, wo die Autoimmunerkrankung ruhig ist, wir aber auch aktive Phasen haben könnten.

00:40:49 Hashimoto Thyreoiditis

Diagnostik in heißen und kalten Phasen.

  • Das heißt rein theoretisch gesehen könnte es auch sein, dass wir schon Hashimoto entwickelt haben, aber gerade eine sehr stille Phase durchmachen und die Antikörper deswegen niedrig sind. Sehr, sehr, sehr selten müsste man genau diesen Zeitpunkt treffen. Ist sehr selten, aber theoretisch könnte es passieren, und dann hätte ich trotzdem nach wie vor nur eine latente Hypothyreose. Das würde bedeuten, hier könnten Hormone, also Thyroxin, involviert sein.
  • Auch darüber wird momentan viel diskutiert. Ob nicht die Kombinationsgabe von Thyroxin und Thybon schon sinnvoller wäre, darüber wird ebenfalls viel diskutiert. Auch dazu gibt es viele wissenschaftliche Daten, teilweise eher ältere. Und dazu braucht es definitiv weitere moderne Daten. Dazu komme ich aber gleich noch mal. Und wenn die Antikörper zum Beispiel positiv wären in dem Fall, dann hätten wir wahrscheinlich Hashimoto.
  • Man muss aber sagen, ich kann auch Hashimoto haben in den anderen Konstellationen. Also ich könnte auch Hashimoto mit einem erhöhten fT4 haben und auch mit dem erniedrigten fT3, was jetzt hier nicht aufgeführt ist. Aber theoretisch wäre das auch möglich, weil es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt und die in Schüben und Phasen auftritt.
  • Vor allem hängt es davon ab, wann ich die Autoimmunerkrankung diagnostiziere, ob sie schon weit fortgeschritten ist oder noch recht am Anfang steht, die schon sehr weit fortgeschritten ist oder die noch recht am Anfang steht. Da kann es eben zu Schüben kommen, und das kann ein Problem sein. Das heißt, meiner Erfahrung nach würde ich auf jeden Fall fT3 hinzuführen, aber das ist, wie gesagt, für den reinen erhöhten TSH-Wert. Ist das das, was die Leitlinie so vorschreibt? Schauen wir mal rein.

Abb. 11: Leitlinie zu Hashimoto

  • Und gerade in diesem Kontext würde, wie gesagt, das, was die Leitlinie empfiehlt, nämlich die Antikörper zu bestimmen, für die Diagnostik passen. Aber die empfehlen dann zum Beispiel auch keine wiederholte Messung, was für den Verlauf, gerade wenn es um Ernährungsanpassung und so geht, schon eine sehr sinnvolle Sache ist. Sie würden jetzt hier aber den Verlauf in der Hausarztpraxis nicht mit einbeziehen aufgrund der Antikörpermessung, weil das keine Veränderungen für die Behandlung ergeben würde.
  • Aber es würde natürlich für Ernährungs- und Lifestyle-Anpassungen relevant sein. Rein auf das Medikament Thyroxin bezogen, würde das wahrscheinlich keinen Unterschied machen, weil man sich da eben nach den Hormonwerten und dem TSH richten würde. Und ja, das ist, wenn es um das Thema Diagnostik geht, erst mal das, was in der Leitlinie empfohlen wird.

00:43:20 Ein Blick in die modernen Daten und das Ding mit der Kommunikation nach außen

Wie sieht denn nun die aktuelle Empfehlung aus?

“Wir schauen uns gleich mal an, wie die aktuellen Daten aussehen oder modernere Daten. Man muss aber ganz klar sagen: Leitlinien sind nach bestem Wissen verfasst, basierend auf den verfügbaren Daten. Und wir haben einfach nicht sehr viele Daten, das muss man ehrlicherweise zugeben. Ich würde es mir anders wünschen – Viele würden es sich wahrscheinlich auch anders wünschen. Aber wir haben noch nicht die Menge an Daten, die notwendig wäre, um die Leitlinie zu ändern.”

  • Denn ihr müsst euch vorstellen, es gibt einen großen Unterschied zwischen dem Betrachten eines Mechanismus im menschlichen Körper und dem Betrachten eines Ergebnisses im menschlichen Körper. Wenn ich mir zum Beispiel den Mechanismus von Insulin anschaue, dann sehe ich, dass Insulin niedrige Blutzuckerwerte bewirkt und dafür sorgt, dass der Zucker in die Zellen geht. Aber Insulin hemmt zum Beispiel auch den Abbau von Fett, sodass die Fettzellen, wenn das Insulin hoch ist, aufgrund des Mechanismus nicht richtig funktionieren können.
  • Wenn wir uns jedoch Ergebnisstudien zum Fettverlust und zum Thema Gewichtsmanagement anschauen, sehen wir, dass eine kohlenhydratarme Ernährung im Vergleich zu einer kohlenhydratreichen Ernährung statistisch keinen signifikanten Vorteil hat. Das bedeutet, dass dieser Mechanismus, den wir kennen oder aus der Biochemie verstehen, in den tatsächlichen Daten bei Menschen nicht präsent ist.
  • Ein anderes Beispiel ist Aspirin. Der Mechanismus, den die meisten kennen, ist, dass Aspirin das Blut verdünnt. Die meisten nehmen Aspirin, sei es in geringen Milligramm-Dosen als Baby – Aspirin oder Menschen mit Herzproblemen, um das Blut zu verdünnen. Gibt es noch etwas mit Thrombozytenaggregation? Und so weiter, wir gehen jetzt nicht ins Detail. Aber es gibt biochemische Mechanismen von Aspirin, die eher das Gegenteil bewirken, also eher zu Blutgerinnung führen.
  • Man könnte jetzt von allen Wirkungsmechanismen, nicht nur einem, sondern vielen, diesen einen Mechanismus herausnehmen und sagen: „Seht her, Aspirin führt eher zur Blutgerinnung.“ Wenn wir uns das jedoch in den wirklichen Studien dazu anschauen, überwiegen alle anderen Wirkungswege. Und das ist der große Unterschied zwischen Mechanismus und Erfahrungswerten, die sich auf eine ganz spezifische Population beziehen, möglicherweise diejenige, die gerade in meiner Praxis ist oder die von anderen Kollegen genannt wird.
  • Das ist jedoch nicht auf die Allgemeinbevölkerung übertragbar. Das ist wichtig zu verstehen, und ich wünschte mir das oft anders. Vor fünf Jahren hätte ich das wahrscheinlich auch ganz anders gesagt. Aber ich merke immer wieder, dass die Kommunikation so, so, so wichtig ist und dass wir keine generalisierten Aussagen treffen sollten, wenn wir dafür keine Belege haben.
  • Vor allem nicht, wenn die Belege etwas anderes sagen. Hier ist es jetzt jedoch so, dass wir zum Beispiel keine Belege haben, die sagen, dass TSH, fT3 und fT4 gemeinsam gemessen werden sollten. Das bedeutet natürlich etwas anderes als wenn wir keine Belege hätten. Und so ist es auch mit der Sonographie also dem Schilddrüsenultraschall. Die Leitlinie sagt: ”Eine routinemäßige Durchführung einer Sonographie sollte bei Patientinnen mit erhöhten TSH-Werten nicht durchgeführt werden.”
  • Dem würde ich ganz klar widersprechen, zum Beispiel aus der Erfahrung. Was aber nicht bedeutet, dass die Leitlinie jetzt falsch ist. Die Leitlinie bezieht sich auf das, was wir alles wissen. In der Praxis haben wir jedoch keine Studie mit 5000 Menschen gemacht, bei der wir gesehen haben, dass bei einem erhöhten TSH immer Probleme auftreten. Aber wir möchten Verlaufsparameter messen und die Größe der Schilddrüse kennen.
  • Das ist ein Parameter, den wir im Verlauf beobachten wollen, um zu sehen, wie sich das Ganze ändert, weil wir viel mit präventiven, funktionellen und Lifestyle-Interventionen arbeiten. Und dafür brauchen wir mehr Daten, weil wir zwar wissen, dass Ernährung gesund sein sollte, aber auch wie sollte die Bewegung stattfinden? Für jeden ist das ein wenig anders, und wir benötigen Parameter, die wir im Verlauf immer wieder messen, um uns das anzuschauen.
  • Und das ist eben auch bei diesem Thema Schilddrüsen-Sonographie der Fall. Ich würde es anders sehen, aber wir benötigen einfach viel mehr Daten und viele weitere Studien, sodass wir am Ende sagen können, dass es sich lohnt, die Sonographie der Schilddrüse hinsichtlich Größe und Co durchzuführen, denn das wird insgesamt viel zu wenig gemacht.

Abb. 12: Sonographie-Empfehlungen

  • Und wie gesagt, kommentiert gerne. Ich habe hier ein großes Kapitel zur Schwangerschaft, bei dem wir auch schöne neue Daten haben, z. B. die European Guidelines aus 2021, wo die Europäische Schilddrüsengesellschaft davon spricht, dass Schilddrüsenprobleme und Fertilität thematisiert werden sollten. Wenn ihr das interessant findet, kommentiert das bitte und gebt uns Bescheid, denn das würde die Diskussion definitiv in eine ganz andere Richtung lenken.

00:48:37 Vorhofflimmern und kardinale Parameter

Die Schilddrüse und ihre Auswirkung auf andere klinische Parameter.

  • Und wir wollen uns letzten Endes einmal die Daten anschauen, die mit dem einhergehen, was wir in einer Leitlinie gesehen haben und was unsere Erfahrung zu diesen ganzen Dingen sagt. Hier haben wir zum Beispiel eine schöne aktuelle Metaanalyse, die die Assoziation von klinischen Parametern wie Vorhofflimmern und anderen kardinalen Parametern, Osteoporose, Frakturen, aber auch malignen Erkrankungen und zum Beispiel Schilddrüsenparametern mithilfe von 58 geeigneten Artikeln untersucht.
  • Das bedeutet, wir sprechen hier von einer ziemlich großen Datenlage aus dem Jahr 2020, wenn mich nicht alles täuscht. Dabei wurde festgestellt, dass die klinischen Symptome, die wir in der Genese bei den Menschen sehen, nur in 23 % – also weniger als 1/4 – mit unserem vermeintlichen Goldstandard, den wir gerade momentan messen, nämlich dem TSH-Wert, assoziiert waren.

Ich wiederhole das noch mal, weil das so relevant und wichtig ist. Diese Goldstandard-Messung aus den Leitlinien stellt lediglich die Messung des TSH-Werts in Frage. Das heißt, 58 klinische Studien wurden ausgewertet und in diesem Paper zusammengefasst. Nur 23 % der klinischen Symptome korrelierten mit der Höhe des TSH-Werts. Das ist etwas, was man sich auf der Zunge zergehen lassen muss.”

  • Denn scheinbar ist es so, dass wir zwar auf der einen Seite laut einer Leitlinie mit dem TSH-Test immer noch versuchen, Schilddrüsenprobleme zu diagnostizieren. Wenn wir jedoch die Klinik, also die Symptome betrachten, ist es eine ganz andere Geschichte. Das heißt, und ich stelle das jetzt in Frage – ich sage nicht, dass es so ist –, es kann durchaus sein, dass der TSH-Wert kein geeigneter Parameter ist, um Schilddrüsenüber- und unterfunktion allein zu diagnostizieren.
  • Wenn man das Ganze noch weiter betrachtet, war in diesen Daten zu sehen, dass die vier Werte, also die freien Schilddrüsenhormone, das Thyroxin, zu etwa 50 % mit den klinischen Daten einhergehend. Das heißt, fast doppelt so gut wie nur der TSH-Wert. Das ist auch das, was die Autorinnen und Autoren jetzt hier fordern, dass der TSH-Wert als Referenzparameter überdacht bzw. hinterfragt werden sollte.
  • Das ist eine ganz neue Datenlage, von der wir hier sprechen aus 2020. Das Ganze wurde auch in einem Springer-Artikel von 2021 aufgegriffen. Die Autoren des Springer-Artikels haben sich das dann noch mal im Detail angeschaut und betonen ebenfalls, dass eine Diagnose nur mit dem TSH-Wert kritisch zu hinterfragen ist und dass eine Bestimmung der freien Schilddrüsenhormone Sinn ergeben könnte.
  • Das ist genau das, was nicht nur ich, sondern auch viele andere funktionelle medizinische Ärzte in den letzten Jahren versucht haben, immer wieder auf den Schirm zu bringen. Natürlich ist das auch eine finanzielle Thematik und so weiter. Aber es ist eben wichtig, dass wir uns das Thema Schilddrüse aus einer anderen, einer ganzheitlichen, aus einer größeren Perspektive anschauen.
  • Auch in diesem Artikel wurde schön auf die kardinale Schwankung eingegangen, aber auch auf laborbedingte Schwankungen und auf Begleiterkrankungen, die dazu führen können, dass diese unspezifischen TSH-Erhöhungen auftreten können, die wir jedoch als Goldstandard-Messung nehmen. Zum Beispiel kann es bei Adipositas nach schweren allgemeinen Erkrankungen wie einem grippalen Infekt zu kompensatorisch erhöhten TSH-Werten kommen. Natürlich gibt es auch das Syndrom der partiellen Schilddrüsenhormonresistenz.
  • Das heißt, es gibt verschiedene Schilddrüsenerkrankungen, die individuell und selten sind, bei denen die Schilddrüse nicht auf die Hormone reagieren kann und damit resistent ist, ähnlich wie bei einer Insulinresistenz oder zum Beispiel auch bedingt durch verschiedene Medikamente wie Herzmedikamente oder Lithium, das oft auch in der Psychiatrie eingesetzt wird.
  • Also es ist eben nicht damit getan, sich nur hinzusetzen und zu sagen: „Okay, wir messen TSH.“ Stattdessen wird dieses Thema von vielen Seiten mittlerweile kritisch hinterfragt. Auch dieses Paper aus dem Springer-Verlag hinterfragt zum Beispiel die Therapie allein mit Thyroxin, dass wir das als Goldstandard nehmen, aber nach wie vor sehen, dass es Menschen gibt, die trotz eines erhöhten T4 oder trotz erhöhten TSH-Wertes weiterhin Probleme haben.

00:53:49 Nochmal zusammengefasst

Brechen wir das Gesagte nochmal runter.

  • Okay, fangen wir noch einmal von vorne an. Wir sehen jedoch, trotz oder bei Menschen, die Thyroxin nehmen und bei denen die fT4-Werte sich verbessern, dass der TSH-Wert sinkt und dadurch besser wird, die Symptome aber nicht besser werden. Manchmal gelingt es diesen Menschen auch nicht richtig, in fT3 zu konvertieren. Warum wir darauf gleich noch eingehen werden, wenn es um die Selen und Co geht, habe ich eben schon kurz in dem Schaubild angedeutet. Doch auch das wird kritisch hinterfragt. In individuellen Fällen kann es Sinn ergeben, auf eine Kombination von Thyroxin und Thybon zurückzugreifen.
  • Das ist etwas, was wir zum Beispiel auch sehr häufig machen, und es wird meistens auch besser vertragen. Aber dazu benötigen wir viel mehr Daten, weil es einfach zu selten und zu wenig gemacht wird, und das spiegelt sich auch in den Studien wider, die dazu existieren.
  • Diese Therapie hat bisher nicht ausreichend Einzug in die Leitlinien gefunden. Oder anders ausgedrückt: Es fehlen umfassende Daten darüber, wie sich eine solche Therapie im allgemeinen Outcome auswirkt, wenn sie bei mehr Menschen angewendet wird als in der Praxis üblich. Das sind Fragen, die ich gerne beantwortet hätte, denn wir führen das in einem sehr individuellen Setting durch. Das ist natürlich etwas anderes als wenn man dies in Leitlinien einfließen lassen würde. Daher benötigen wir einfach viel, viel, viel mehr Daten, Studien und Publikationen, vor allem aber auch viele Menschen, die sich damit auseinandersetzen.
  • Wenn wir nun auf die Leitlinien schauen, empfehlen sie etwas, basierend auf vorhandenen Daten. Diese Daten zeigen gewisse Zusammenhänge, aber sie zeigen auch, dass es keine guten Korrelationen zwischen der klinischen Symptomatik und dem TSH gibt. fT4 korreliert in diesem Kontext zum Beispiel deutlich besser, wird jedoch nicht als Goldstandard gemessen, sondern nur dann, wenn der TSH-Wert bereits als erhöht gemessen wurde. Auch das ist nicht immer signifikant, aufgrund der verschiedenen Faktoren, die den TSH beeinflussen können.
  • Vor allem wird TSH oft allein gemessen, meistens zu Beginn der Diagnostik. So können Fälle von Unterfunktion oder sekundäre Unterfunktionen übersehen werden. Das sehen wir in den Daten, denn fT4 korreliert zum Beispiel fast doppelt so gut mit der klinischen Symptomatik wie der TSH-Wert. Daher raten viele Wissenschaftler dazu, die reine Diagnostik mit TSH zu hinterfragen. Ich würde das jetzt noch einen Schritt weiterführen und mich fragen, was alles für eine funktionierende Schilddrüse benötigt wird.

00:56:24 Was braucht es denn alles noch für eine funktionierende Schilddrüse?

Thiemo’s Empfehlungen.

  • Wir haben bereits viel über TSH gesprochen. Über das Releasing Hormon aus dem Hypothalamus haben wir gar nicht gesprochen, weil das tatsächlich in der Diagnostik nicht so relevant ist. Das ist nur in einer ganz spezifischen Endokrinologie, in einem ganz spezifischen Setting von Bedeutung. Aber was braucht es denn überhaupt, um letzten Endes die Schilddrüse funktionsfähig zu machen?
  • Was sind die Grundstoffe, die benötigt werden, um fT3, fT4 und TSH zu produzieren? Also, welche Nährstoffe sind erforderlich, um überhaupt optimale oder Referenzbereiche zu erreichen, die wir eigentlich anstreben? Bevor wir uns nun diesen Nährstoffen zuwenden, schauen wir uns, wie versprochen, noch einmal die Grafik an.

Abb. 13: Referenz- und Optimalwerte Schilddrüse

  • Die Referenzwerte – das sind die Werte, die in der mittleren Spalte für TSH, fT4 und fT3 stehen – sind die Bereiche, die von Laboren vorgegeben werden. Es gibt unterschiedliche Labore mit verschiedenen Referenzbereichen. Diese unterscheiden sich nur sehr geringfügig, und dahinter, in Rot geschrieben, sind unsere Erfahrungsbereiche aus der Praxis, wo wir uns aufhalten wollen. Diese schwanken tatsächlich sehr stark.
  • Das wirft natürlich zunächst Fragen auf. Warum ist das so? Befinden wir uns mit den optimalen Werten oder den individuellen optimalen Werten innerhalb der Referenz? Aber warum geht die Referenz so weit darüber und darunter? Ich habe bereits viele Dinge in YouTube-Videos besprochen und in einer ganzen Podcastfolge über das Thema Referenzbereiche gesprochen, was ich jetzt nicht im Detail wiederholen möchte. Ich habe auch ein Buch darüber veröffentlicht, das du dir anschauen kannst.
  • Was ich jedoch in diesem Kontext interessant finde, ist, dass es deutschlandweit zwar einen gültigen Referenzbereich für TSH gibt, wenn wir uns das bei erwachsenen Menschen anschauen. Tatsächlich haben wir jedoch in Deutschland eine unterschiedliche Notversorgung, die in Norddeutschland anders ist als in Süddeutschland, zum Beispiel. Deswegen sollten die Referenzbereiche innerhalb von Deutschland eigentlich aufgrund unterschiedlicher Messplattformen und Co auch etwas unterschiedlich sein.
  • Allerdings wurden keine regionspezifischen Referenzbereiche für TSH in Deutschland definiert. Wenn wir uns aber auch aus dem „Time Journal“ anschauen, gibt es schöne Daten, die uns zum Beispiel auch zeigen, dass das eigentlich nicht so sinnvoll ist. Denn wenn wir uns hier die Daten anschauen, die TSH-Referenzbereiche für süddeutsche Erwachsene betreffen (nicht für deutsche, sondern für Süddeutsche), sehen wir, dass dieser TSH-Referenzbereich bei schilddrüsengesunden süddeutschen Bevölkerungen jetzt höher liegt als vor zehn Jahren für Norddeutschland etabliert wurde.
  • Das bedeutet, wir sehen auch dort Unterschiede. Und das sehen wir nicht nur innerhalb von Deutschland, sondern es ist grundlegend so, dass sich die Referenzbereiche innerhalb von verschiedenen Jahren, verschiedenen Dekaden, natürlich abhängig vom Wert, verändern. Das heißt, die Referenzbereiche für TSH sind momentan deutlich höher oder breiter als vor 50 Jahren, zum Beispiel, denn damals wurde ein so hoher TSH-Wert wie heutzutage nicht toleriert.

01:00:30 Das Problem ist multifaktoriell

Wie kann man aber nun vorgehen, um die Schilddrüse zu unterstützen?

  • Woran das jetzt liegt, das ist multifaktoriell. Es wäre Quatsch zu sagen, das liegt nur an dem Selenmangel, den wir in unseren Böden haben, oder daran, dass wir immer mehr chronische “unterversorgte” Äcker haben. Die Ursache ist also multifaktoriell, und das ist tatsächlich das, worauf wir jetzt in den nächsten Minuten eingehen wollen.
  • Wenn ihr euch jedoch noch einmal die Referenzbereiche anschaut, ist unseres Erachtens ein TSH-Wert von unter 1,5 bzw. unter 2 sehr wertvoll. So um die 1,4 wäre optimal. Ein fT3-Wert von etwa 3 wäre klasse. Bezüglich des Reverse T3 – es gibt zwar einen Referenzbereich dafür, aber ich halte ihn für sehr fragwürdig. Das liegt daran, dass Reverse T3 so selten gemessen wird, dass ich mich frage, wie statistisch signifikant und aussagekräftig diese Referenz überhaupt ist.
  • Wenn man sich auch hier wieder Daten anschaut, sieht man, dass der Reverse-T3-Wert eigentlich ins Verhältnis zum fT3 gesetzt werden sollte, was viel relevanter ist. Man kann einen erhöhten Reverse-T3-Wert eher tolerieren, wenn das fT3 auch hoch ist, im Vergleich zu einer Situation, in der das fT3 niedrig ist. Das Verhältnis spielt also eine größere Rolle.

Abb. 14: Grundnährstoffe Schilddrüse

  • Hier seht ihr auch die Grundstoffe der Schilddrüse. Auch in diesem Kontext sind die Referenzbereiche und auch die optimalen oder individuellen Erfahrungsbereiche nicht wirklich korrekt, weil es natürlich für jeden Menschen wieder anders ist. Das steht immer im Kontext mit der Anamnese, und auch da sind der Selenwert, der Eisenspeicher, zum Beispiel Gesamteiweiß und Jod relevant. Jod messen wir allerdings nicht im Blut, sondern im Urin.

01:01:33 Supplemente

Der Umgang mit Supplementen sollte nie wahllos geschehen.

Also, ein praktisches Takeaway an dieser Stelle: Wenn wir jetzt über Nährstoffe sprechen, tut bitte nicht nur mir, sondern vor allem euch selbst den Gefallen: nehmt nicht irgendwelche Nährstoffe oder Supplements, die ihr wahllos einfach in euch reinstopft, weil euch das irgendjemand sagt – sei es jemand, der gute Erfahrungen gemacht hat oder jemand, der damit Geld verdient. Messt die Werte bei euch, denn wenn eine Sache jetzt klar sein sollte, und das wird gleich noch klarer, es gibt immer viele Argumente dafür und viele dagegen. Die Frage ist, welche Argumente überwiegen.”

  • Das, was am Ende die Empfehlung für euch gibt und wo ihr euch befindet, hängt von euren spezifischen Werten ab, wie ihr euch ernährt, wie euer Lifestyle ist, ob ihr Symptome habt oder nicht. Das bedeutet: Erst messen eurer Blutwerte, dann Supplements in einer gewissen Dosierung, die euch ein Arzt oder Therapeut empfiehlt, und dann wieder messen. Überlegt dann, war die Dosierung zu hoch, war sie nicht hoch genug? Warum sind die Werte nicht im optimalen Bereich? Dann gibt es vielleicht ein Problem im Darm.
  • Wenn ihr euch bestmöglich versorgen wollt, ergibt es nur Sinn, zu wissen, wo ihr steht. Ihr würdet euch auch nicht einen Schuh in irgendeiner Größe kaufen, nur weil ihr ihn schön findet. Ihr wisst, welche Schuhgröße ihr habt, und dann könnt ihr den Schuh passend für euch kaufen. Ebenso könnt ihr nicht einfach Selen oder Omega-3 implementieren, weil ihr nicht wisst, wie viel ihr braucht. Man kann natürlich wenig von gewissen Dingen supplementieren und dann ein paar Monate später messen. Ich würde das aber klar nicht empfehlen.
  • Also, welche Mikronährstoffe sind hier relevant? Das sind für die Schilddrüse primär vier bis fünf Stück, vor allem federführend sind die Aminosäure Tyrosin, Selen, Eisen auf eine bestimmte Art und Weise, Vitamin D, Zink und vor allem Jod.

01:04:31 Warum Jod je nach Kontext so wichtig ist

Warum du auf deine Jodversorgung achten solltest.

  • Das heißt, Jod ist ein essenzieller Bestandteil unserer Schilddrüsenhormone. Das brauchen wir also auf jeden Fall. Ihr habt ja auch verschiedene Ernährungsmöglichkeiten wie Fisch, Seafood und so weiter. In Deutschland ist Jod auch im Speisesalz enthalten. Das ist natürlich ein relevanter Punkt, ganz, ganz wichtig. Und das ist einer der größten Punkte, wenn es um das Thema Jod geht. Es wird immer gesagt, wenn man Hashimoto hat, darf man bloß kein Jod nehmen.
  • Ja, während einer akuten Hashimoto, also während eines akuten Schubs, sollte man auch kein Jod nehmen. Aber auch Menschen mit Hashimoto haben trotzdem einen gewissen Jodbedarf am Tag. Also von daher können auch sie Jod nehmen. Nur ist die Menge sehr spezifisch, und es ist super relevant, dass man es nicht zum falschen Zeitpunkt einnimmt. Also tut mir auch da einen Gefallen.
  • Besprecht das mit jemandem, dem ihr vertraut, mit dem ihr zusammenarbeitet, und geht das gemeinsam durch, und die Person entscheidet. Macht das nicht einfach so auf eigene Faust, nur weil ihr gehört habt, Jod ist gut und ihr habt eigentlich Hashimoto. Das kann auch nach hinten losgehen. Aber es ist falsch zu sagen, dass man mit Hashimoto kein Jod nehmen darf.
  • Der Kontext ist hier maßgeblich. Gerade in gesundheitlichen, medizinischen Kontexten ist das auch der Grund, warum ich Podcasts und YouTube deutlich besser finde für medizinischen Content als Instagram, zum Beispiel. Denn in einem Real-Life-Kontext, den es für gesundheitlichen Content braucht, können wir jetzt schon über eine Stunde sprechen, glaube ich. Ich kann diesen Kontext nicht innerhalb von 30 Sekunden geben, und der ist super relevant. Deswegen ist die Aussage einfach falsch, dass man keines nehmen darf.

01:06:13 Superpower für die Schilddrüse: Selen

Über Enzyme, Nervenleitung und die Schilddrüse.

  • Der Kontext ist relevant, absolut. Okay, gehen einmal zum Selen. Selen ist ein super, super relevanter Punkt. Die Enzyme, über die wir schon kurz gesprochen haben, die Deiodinasen, sind teilweise selenabhängig. Selen wird benötigt, um von dem T4 ein Jod abzuspalten und fT3 zu produzieren. Das ist ganz, ganz wichtig, vor allem die Typ-2-Deiodinase benutzt Selen. Wenn ihr kein Selen habt, ist das der Punkt, wo dann diese fT3-Messung wieder relevant wird.
  • Denn wenn ich sehe, dass jemand genug T4 hat und der TSH-Wert auch gut ist, weiß ich noch nicht, wie das aktive Schilddrüsenhormon ist. Natürlich schwankt das auch aufgrund von verschiedenen Faktoren wieder, aber auch hier ergibt es super viel Sinn, Selen im Vollblut mitzumessen, um zu gucken, ob der Selen-Wert an einem guten Punkt ist oder nicht. Und wenn nicht, Selen zu supplementieren oder selenreich zu essen oder Dinge zum Beispiel zu konsumieren, die jetzt hier aufgeführt sind, wie auch wieder Fisch, Fleisch und solche Dinge.
  • Auch ein paar Nüsse sind am nachhaltigsten, um diesen Wert zu erhöhen, und dann wieder zu messen und zu gucken, um dadurch die Schilddrüsenfunktionalität zu verbessern, ohne an der Schilddrüse zu manipulieren, sondern einfach nur die Basissubstanzen zu geben, damit die Enzyme besser arbeiten können. Und gerade Selen ist so ein schönes Beispiel. Auch dazu haben wir wieder Daten.

Abb. 15: Nährstoffe und ihre Rolle in der Schilddrüsenfunktion

01:08:12 Weniger Nährstoffe in den Lebensmitteln

Stimmt das überhaupt?

  • Es ist einfach so, dass der Selengehalt stark vom Konsum, also von der Konzentration des Lebens an unserem Boden, abhängt, wie viel am Ende in den Nahrungsmitteln auch drin ist. Hier gibt es zum Beispiel eine schöne Untersuchung von der ETH Zürich, die erstmals viele globale Daten zusammengetragen hat, und dadurch haben sie eine durchschnittliche Selenskonzentration in den Böden von 1980 bis 1999 und von 2080 bis 2099 modelliert.
  • Und diese Modellierung zeigt dann, das heißt, es wurde geguckt, wie hat sich der Selengehalt von 1980 bis 1999 verändert, und das wurde dann auf 2080 bis 2099 modelliert. Diese Modellierung hat eben gezeigt, dass bis zum Ende dieses Jahrhunderts wahrscheinlich 2/3 der landwirtschaftlich genutzten Fläche einen durchschnittlichen Selendefizit von rund 9 % aufweisen könnten. Und das ist tatsächlich etwas, was sehr signifikant ist.

Abb. 18: Selen in den Böden

  • In dieser Untersuchung sind die Flächen davon am meisten betroffen, auch in Europa. Das heißt, Deutschland ist ein Land, das potenziell stark davon betroffen ist, selbst wenn wir uns gut ernähren. Wenn wir uns wirklich gut ernähren, ist das wahrscheinlich etwas, was die allerwenigsten betrifft. Aber Kontrolle ist besser als sich darauf zu verlassen. Und ehrlicherweise, wie viele Menschen ernähren sich gerade auch noch richtig gut? Muss man ja auch sagen.
  • Würde es wieder Sinn ergeben, diesen potenziellen Mangel, der natürlich nicht bei jedem vorliegt, zu messen? Ist es so, dass wir das messen sollten und dass im allerbesten Fall, zum Beispiel im Vollblut, und das ist einfach das, was die Forscher zum Beispiel auch sagen, die waren von den zunehmenden Mangelerscheinungen, unter anderem durch die Auswirkungen des Klimawandels, besorgt.
  • Also das sind ja alles Dinge, die jetzt in dieser Modellierung zum Teil nicht berücksichtigt wurden, weil sie eben von 1989 bis 1999 zum Beispiel auch noch nicht da waren. Und das ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt, der in diesem Kontext oft diskutiert wird. Aber auch dazu muss man sagen, haben wir leider nicht sonderlich viele Daten. Bei Selen haben wir so eine Modellierung.
  • Aber ganz oft wird einfach gesagt, dass wir einfach viel weniger Nährstoffe in den Lebensmitteln haben. Und ja, das haben wir irgendwie auch, aber irgendwie auch nicht so richtig klar nachgewiesen. Also, zumindest berichtigt mich, wenn ihr diese Daten dazu habt, dann schickt mir die. Gerne würde ich mich darüber freuen, aber wir haben bis dato noch keine, die uns ganz klar zeigen, dass letztendlich das eine mit dem anderen stark korreliert.
  • Und dann haben wir zum Beispiel ja auch noch, wie es gerade eben schon angedeutet wurde: Eisen. Eisen ist ganz, ganz wichtig, wenn es darum geht, dass die Produktion der Schilddrüsenhormone vernünftig arbeiten kann. Und ohne Eisen funktioniert die Schilddrüse einfach nicht richtig. Wie oft aber wird die Schilddrüse im Kontext mit dem Hämoglobin-Wert und mit Ferritin, dem Entzündungswert, welche sehr sinnvoll sind, zusammen gemessen?
  • Wie oft werden diese Werte gemessen? Und selbst wenn gemessen wird, wird oft ein Ferritin-Wert von 20 dann als okay eingestuft, weil es noch keine Anämie vorliegt, das heißt noch keine signifikante Veränderung der roten Blutkörperchen aufgrund des Eisenmangels.

01:11:42 Eisen und die Schilddrüse

Auch hier besteht ein wichtiger Zusammenhang.

  • Ich habe bereits über Eisenmangel gesprochen und wir haben auch schon viele Daten dazu. Das bedeutet, wir sehen in den Daten, dass ein Ferritinwert unter 50 mit Symptomen wie Energiemangel und Haarausfall korreliert – die wir auch sehen, wenn wir uns die Schilddrüse zum Beispiel anschauen.
  • Das heißt, nicht nur unsere Erfahrung aus der Praxis zeigt, dass, wenn wir Menschen mit erhöhten TSH-Werten haben, bei denen die freien Werte vielleicht noch einigermaßen in Ordnung sind, wenn wir Eisen verabreichen, weil die Ferritinwerte nicht gut sind, dann der TSH-Wert unterdrückt wird. Also er geht runter, das bedeutet, die Schilddrüse kommt wieder in eine bessere Ausgangsposition. Auch darüber habe ich schon oft gesprochen.

Abb. 16: Eisen als wichtiges Spurenelement

  • Aber es ist sehr wichtig, in diesem Kontext zu betonen, dass wir dazu zwar Erfahrungswerte haben, aber viel mehr wissenschaftliche Daten benötigen. Damit wir so etwas sagen können wie „Eisenunterstützung verbessert den TSH-Wert und führt dazu, dass Symptome wie Haarausfall und Energiemangel besser werden“. Hierfür benötigen wir groß angelegte Daten, die uns bisher fehlen.
  • Erfahrungswerte zeigen dies, aber wir sollten keine grundlegenden Aussagen für die gesamte Bevölkerung treffen, basierend auf Mechanismen im Körper oder auf Erfahrungen, die wir gemacht haben. Denn diese Erfahrung trifft immer noch nur für die Gruppe von Menschen zu, die wir in der Praxis haben. Das ist eine sehr wichtige Botschaft, nicht nur für alle, die dies jetzt hören und sich mit dem Thema Schilddrüsenkrebs beschäftigen, sondern auch für alle Ärzte und Kollegen.
  • Und ich schließe mich da klar nicht aus, dass wir sehr vorsichtig sein sollten, was die Kommunikation nach außen angeht. Denn der Kontext spielt eine unglaublich große Rolle und medizinische Fakten werden oft falsch verstanden oder so interpretiert, wie es gerade passt. Und es ist super wichtig, dass wir in der medizinischen Gemeinschaft uns nicht gegenseitig herunterziehen, sondern dazu ermutigen, dieses Wissen weiterzugeben. Also ihr habt noch nie ein Video von mir gesehen und werdet auch keines sehen, in dem ich über irgendjemanden oder eine Aussage herziehe, weil das einfach… Ich glaube nicht, dass wir das System so langfristig verändern können.

01:13:55 Zink

Warum es für den endokrinen Stoffwechsel so wichtig ist.

  • Und das ist aber ja der ganz klare Drang oder die ganz klare Vision, die ich habe, dass wir hier etwas verbessern und optimieren können. Kommen wir mal wieder zurück zum Thema, nämlich zum Thema Zink. Ich hatte eben kurz angedeutet. Zink ist nicht so elementar wie Aminosäuren, Jod, Selen und Eisen. Die vier sind super, super relevant, haben wir eben schon gesagt.
  • Die habe ich jetzt eben ausgelassen. Aminosäuren sind das Grundgerüst für die Hormone, also Thyroxin. Da kommt dann Jod dran, und das bildet dann die Hormone. Zink kann, wenn wir uns die Daten ansehen, unter anderem dabei helfen, inaktives T4 in T3 umzuwandeln und so zu aktivieren.

Abb. 17: Zink und fT4

  • Aber auch da muss man ganz klar sagen – und ich bin da super transparent, weil ich finde, es ergibt überhaupt keinen Sinn, euch jetzt zu sagen: Ja, Zink hilft dabei, das zu aktivieren. Genau das zeigt jetzt diese eine Datenlage. Aber es ist zum Beispiel auch so, wenn wir uns einen Artikel ganz neu aus dem Jahr 2022 ansehen, dass das nicht so ist. Da sagen die Autoren zum Beispiel etwas anderes, nämlich dass Vitamine und Mineralstoffe wie Zink, Magnesium, Eisen, Vitamin D und Vitamin C keine signifikanten Unterschiede zeigen.
  • Die derzeitige Studienlage ist unzureichend, um eine Empfehlung abgesehen von ausgewogener, nährstoffreicher Ernährung auszusprechen. Und so weiter und so fort. Und das kann ich nur unterschreiben. Wie ich schon gesagt habe, wir brauchen mehr Daten dazu, und die haben jetzt Zink, Magnesium, Eisen und Vitamin D in diesem spezifischen Kontext dazu genannt.
  • Wichtig ist, dass man sich jetzt nicht hinsetzt, sagt: “Okay, aber dann war das ja falsch, was ich eben gesagt habe, ne?” Und auch Vitamin D wurde jetzt in diesem Kontext als nicht belegt dargestellt. In ganz vielen anderen Kontexten ist es belegt. Ganz wichtig: Der Kontext spielt eine entscheidende Rolle. Bei Zink ist das nicht klar, und deswegen würde ich Zink auch nicht zu den vier essentiellen Nährstoffen der Schilddrüse zählen.
  • Aber auch da ist es sehr einfach, denn man könnte Zink auch da wieder im Blut messen. Theoretisch. Ob das dann immer so zielführend ist, sei jetzt mal dahingestellt. Aber Zink zu messen, wäre kein Problem. Und wenn ich einen starken Zinkmangel habe, das aufzufüllen. Aber auch hier kommt es immer wieder zurück zu den Basics: Die Ernährung, euer Lifestyle, das ist das Allerwichtigste.
  • Die meisten Leute sagen, weil sie ja Nährstoffe hören, “Supplementiere doch mal was!” und ich habe in zwei Tagen eine große Podcastaufnahme mit jemandem. Es wird dort auch um das Thema Nährstoffe gehen, wo wir über so ein paar verschiedene Artikel sprechen, wo nach außen hin wieder alles super negativ dargestellt wird. Und ich muss ehrlicherweise sagen, wir haben wirklich größere Probleme als ständig darüber zu diskutieren, ob Vitamin D jetzt gut ist oder Omega 3 gut ist oder nicht.
  • Wir wissen es bei vielen Dingen nicht. Bei ganz vielen Dingen stehen wir ganz, ganz, ganz am Anfang. Ich finde es trotzdem super spannend, immer wieder über so Dinge wie Ashwagandha und Co zu reden. Tun wir jetzt gleich auch. Aber wir brauchen zu diesen Sachen viel mehr Evidenz, und die meisten suchen immer nach so fancy Sachen, die man machen kann, lassen aber außen vor, dass wir uns gesund ernähren, dass wir Sport machen – und ich rede jetzt nicht von 2 Mal die Woche -, dass wir genügend schlafen.

01:17:16 Selbstoptimierung und die “Basics”

Warum ohne die Basics Selbstoptimierung keinen Sinn macht.

  • Das sind so grundlegende Dinge, die die meisten einfach nicht machen. Das spielt hier natürlich ebenfalls eine ausschlaggebende Rolle, weil Eisen, Aminosäuren, Zink, Selen sind relevant. All diese Sachen haben mit den Faktoren zu tun, die ich gerade genannt habe. Und das ist ganz, ganz wichtig, dass wir das bei all dem, was wir uns hier anschauen, von Daten über Leitlinien, nicht außen vor lassen, dass wir zu diesen Basics zurückkommen und uns eben die essenziellen Dinge anschauen, die die größte Auswirkung haben.
  • Und wenn man das macht, dann können wir über alle Dinge reden, die zur Optimierung beitragen. Aber wir sollten nicht bei der Optimierung anfangen, wenn wir die ganzen Basics nicht machen. Das ist ganz, ganz wichtig zu verstehen. Wir kommen immer wieder zu diesem Thema zurück. Und wenn wir theoretisch. Ich habe gerade eben Eisen schon mal erwähnt, aber auch hier seht ihr das in den Daten.
  • Zum Beispiel, wenn wir uns den Artikel „Synthese, Stoffwechsel und Diagnostik der Schilddrüsenhormone“ aus der experimentellen Endokrinologie anschauen, wo auch hier als essenzielles Spurenelement Eisen für eine normale Schilddrüsenfunktion benutzt wird, habe ich eben schon gesagt, wegen der Aktivität der Peroxidase, ein wichtiger Punkt, aber wir brauchen einfach Daten, Daten, Daten, Daten, Daten, um das Ganze irgendwie voranzutreiben.
  • Aber es ist eben auch nicht so, als hätten wir keine. Denn auch wenn in verschiedenen Artikeln jetzt gesagt wird, dass die Synthese von Schilddrüsenhormonen und das Eisen benötigt werden, wird nicht und dass wir eine Korrelation zwischen den fertigen Werten und Schilddrüsenwerten vermuten, ist es eben so, dass wir zum Beispiel in der Studie von 2015 von Sachdeva et al. sehen, glaube ich so ausgesprochen wurden, für nur 50 Patienten. Und das ist jetzt nicht so, dass das jetzt plötzlich die größte und stärkste Evidenz hat, mit einer neu diagnostizierten Schilddrüsenunterfunktion.
  • Die Unterfunktion wurde überprüft, und da war es so, wenn wir uns jetzt nicht die ganze Studie, sondern einfach die Ergebnisse anschauen, war es so, dass bei gesunden Personen in dieser Studie, also von den 50, im Vergleich zu den gesunden Personen in der Kontrollgruppe, bei den Schilddrüsenunterfunktion-Patienten ein signifikant reduzierter Wert gefunden werden konnte.
  • Das heißt, wir sehen da schon eine Korrelation, aber 50 Patienten reichen nicht aus, um zu sagen, es besteht ein Kausalzusammenhang. Also weil die Werte so niedrig sind, hatten wir eine Schilddrüsenunterfunktion. Das wäre kausal zusammen. Was wir jetzt sagen können ist: Wir können sagen, so bei 50 Patienten bzw. bei 50 Menschen und da wurde ja verglichen mit der Kontrollgruppe, haben wir gesehen, dass im Vergleich mit der Kontrollgruppe bei den Patienten mit Schilddrüsenunterfunktion ein signifikanter Ferritin-Wert beobachtet wurde.
  • Aber es kann auch sein, dass etwas ganz anderes die Ursache für diesen Ferritin-Wert oder für die Unterfunktion war. Und das ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt. Wenn wir jetzt mal so hier in die Daten reinschaut, dann sieht man die Kontrollgruppe, sieht man die Fälle zum Beispiel. Und auch da sehen wir für das Ferritin bei der Kontrollgruppe, was ja jetzt auch nicht sonderlich hoch ist, was so um die 60 geschwankt ist mit einer Breite von 8,56, was jetzt also eher so im Werte um die 100 oder 20, je nachdem ob Mann oder Frau zum Beispiel, und bei den Patienten oder bei den Fällen, von denen ich gerade gesprochen habe, hat man zum Beispiel gesehen, dass der Wert im Schnitt eher bei 21 lag und dass wir aber einen TSH-Wert von so um die 7 gesehen haben.
  • Und in der Kontrollgruppe, wo sie um die 60 Ferritin hatten, hatten wir einen TSH-Wert von um die 2,7 – also deutlich niedrigere TSH-Werte. Und das sehen wir zum Beispiel auch, wenn wir uns jetzt hier also auch fT4 anschauen in der Kontrollgruppe, das fT4 gleich bleibt bei 60er Ferritin. Das ist hier eine andere Einheit, also Mikrogramm pro Deziliter, als mit der wir in Deutschland arbeiten, als z.B. die Amerikaner.
  • Und wenn wir uns das jetzt in der Patientengruppe anschauen, wo wir einen Wert von 21 hatten, dann haben wir dann hier ein fT4 von 5,1, also auch signifikant niedriger. Und das bei den fT3 Werten war das zum Beispiel auch der Fall.

Abb. 18: Ferritinwerte und Schilddrüsendiagnostik

  • Das sind ja die, die ich genannt habe. Wir messen jetzt in der Praxis In München, und das macht eigentlich auch fast keiner in Deutschland – fT3 und fT4 messen außer jetzt spezifische Endokrinologen vielleicht. Also auch da, wenn man sich in der Kontrollgruppe noch mal fT3 anschaut, was bei 3,12 in der Fallgruppe lag und bei 2,34 in der Case Gruppe – also auch deutlich niedriger als in der Kontrollgruppe.
  • Also da man sieht eine Korrelation zwischen diesen Dingen, und das ist auch, was wir in der Praxis sehen in solchen Fällen. Wir würden jetzt Eisen geben, entweder über die Ernährung oder als Nahrungsergänzung oder als Infusion, hängt natürlich von dem individuellen Risikoprofil ab. Und was wir dann sehen, ist in den allermeisten Fällen kurzfristiges Ansteigen von TSH nach ein, zwei Wochen und ein, zwei Wochen später ein Ansteigen von den freien Werten und dann ein Abfallen vom TSH, was dann deutlich runtergeht – was wir ja wollen.
  • Und das ist das, was jetzt auch meine Erfahrungswerte zeigen. Und zum gleichen Thema sehen wir zum Beispiel auch hier systematischen Review mit Metaanalyse von Luo et al. aus dem Jahr 2021. Also wir haben sehr viele neue Daten, auch wo Eisenmangel als Risikofaktor für Schilddrüsenprobleme bei Frauen im gebärfähigen Alter und in der Schwangerschaft aufgegliedert wird. Und dieser Unterschied in der Studie zum Beispiel muss man sagen, dass in der Gruppe mit dem Eisenmangel der fT4-Wert niedriger war als in der Kontrollgruppe.
  • Hat man gesehen, aber war statistisch zum Beispiel nicht signifikant. Das heißt, ihr seht, in verschiedenen Daten sieht man das, in anderen Daten sieht man das nicht. Aber es ist halt trotzdem so, und die Daten würden uns dann noch mal ganz spezifisch im Kontext mit Schwangerschaft und Kinderwunsch anschauen.

01:24:07 Wir brauchen mehr Daten

Es muss mehr geforscht werden, damit einzelne Studienergebnisse reproduziert werden können.

  • Also, es geht in eine ähnliche Richtung, aber die Daten reichen einfach noch nicht aus. Und das ist auch, wo diejenigen, die die Ergebnisse dieser Studie schreiben, sagen, dass basierend auf den vorliegenden Daten und Ergebnissen scheint die Prävalenz einer Schilddrüsenunterfunktion bei Schwangeren mit Eisenmangel erhöht zu sein. Wir brauchen einfach mehr Daten.
  • Ich wiederhole mich, und das wird, glaube ich, dann irgendwann auch langweilig. Aber es ist so und das ist mir ganz wichtig, dass ihr das versteht, dass wir in der Medizin oft super, super oft Leitlinien und Daten haben, die veraltet sind. Die aber zum besten Wissen der Evidenz gemacht sind und oft aber die Evidenz fehlt und es eben viele Menschen gibt, die einen Mechanismus nehmen und diesen Mechanismus dann verallgemeinern.
  • So, und das kann funktionieren, kann aber auch ein großes Problem sein. Und deswegen ist mir das wichtig, dass wir da differenzieren zwischen Mechanismen, die es im Körper gibt, wie ich das mit dem Insulin erklärt habe. Es gibt auch einen Unterschiede zwischen kurzfristigen und langfristigen Reaktionen – Sport macht zum Beispiel kurzfristig eine Insulinresistenz, erhöht den Blutdruck, erhöht die Herzfrequenz, erhöht die Entzündungswerte.
  • Also alles Sachen, die ein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind. Langfristig reduziert Sport aber das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Also man kann halt nicht immer von kurzfristigen auf langfristige Dinge schließen. Man kann nicht immer von einem Mechanismus auf ein Outcome schließen, weil euch interessiert das ja nicht und das interessiert ja auch keinen am Ende des Tages. Also mich jetzt schon.
  • Aber ob Insulin, das die Insulindüse, also die Verdauung von Fett ist, nicht die Verdauung im Darm, sondern den Abbau von Fett fördert, sondern was relevant ist am Ende des Tages ist. Ja, also wenn ich Zucker oder Kohlenhydrate esse, nehme ich dann mehr ab oder nicht? Und das ist auch das große Problem, wenn wir Studien haben, die an Ratten gemacht sind, so, es kann sein, dass das in Ratten auch funktioniert und wir brauchen solche Studien von Ratten und Mäusen, aber wir können dann nicht immer zu 100 % auf das Outcome in Menschen schließen und deswegen müssen wir da, glaube ich, einfach viel offener mit umgehen.

01:26:29 Take Away

Nochmal zusammgengefasst.

  • Und das wären so die allerwichtigsten Basics für das Thema Schilddrüse, mit denen ihr arbeiten könnt. Thema Ernährung, Lifestyle, Schlaf, Training spielt alles eine Rolle. Um diese Facetten, über die wir gerade gesprochen haben, zu evaluieren bzw. zu optimieren, je nachdem, wie das bei dem Individuum bei euch ist. Aber ich kann euch nur wärmstens empfehlen, da natürlich erst mal zu schauen.
  • Das ist euch jemand zu suchen, der da offen rangeht, der da mit einem etwas anderen Blickwinkel vielleicht auch was verändern möchte, der euch auch zuhört, der euch auch in der Anamnese Glaubwürdigkeit schenkt und sich nicht nur auf das Labor am Ende des Tages verlässt.
  • Also zusammenfassend: welche Werte sollte man messen? Aus meiner Ansicht nach, die so ein bisschen konträr zu den Leitlinien stehen: TSH, fT3, fT4, im spezifischen Falle auch das Reverse T3, im spezifischen auch die Antikörper, auf jeden Fall aber Ferritin als Eisen-Speicher, dazu den CRP-Wert, um zu gucken, ob der Eisenwert aussagekräftig ist.
  • Man kann den Eisenstoffwechsel noch viel genauer bestimmen, mit Transferrin und Sättigung und Co. Selen im Vollblut auf jeden Fall. Man kann den Gesamteiweiß-Wert messen als repräsentative Aussage für Taurin. Oder man macht ein Gramm und misst genau das noch schöner, aber auch deutlich teurer. Und was es auf jeden Fall ganz am Ende braucht, ist Jod.
  • Eigentlich. Das müsste man aber am besten nicht im Blut, sondern im Urin. Man könnte Zink messen. Das machen wir jetzt für Schilddrüsen-Diagnostik nicht, aber wir machen das grundsätzlich in so einem Gesundheitsprofil. Meistens hängt aber auch wieder vom Klienten oder vom Patienten ab und das sind eigentlich so die wichtigsten Basics, wenn es um Schilddrüse geht. Natürlich gibt es aber auch andere Dinge, die sich indirekt auf die Schilddrüse und Gesundheit auswirken, wie der Omega 3 Index zum Beispiel über Entzündungen und pharmakologische Prozesse.
  • Das heißt, auch das kann Sinn ergeben. Aber wenn man es jetzt rein aus dem “Schilddrüsen-Universum” betrachtet, wäre das sinnvoll. Wir haben jetzt viel darüber gesprochen, was eine Unterfunktion ist. Ich habe zwischendurch mal angedeutet, man könnte als Medikament, wenn die Werte zu niedrig sind und der TSH wird erhöht, das Thyroxin nehmen. Man könnte eine Kombination nehmen aus Thyroxin und Thybon, was noch, aber laut aktuellen Paper nicht hinreichend untersucht ist.
  • Je nachdem mit wem man redet, ist die Meinung da ein bisschen divers, also ein bisschen unterschiedlich. Die Frage ist ja jetzt, wenn man das macht und, wenn diese Nährstoffe niedrig sind, über die wir gerade geredet haben, sie auf jeden Fall erhöhen, weil das wäre deutlich einfacher als im Detail sich hinzusetzen und die Medikamente zu nehmen und vor allem auch nebenwirkungensärmer.
  • Und die wirken sich ja auch nicht nur auf die Schilddrüse aus, sondern auf ganz viele andere Facetten auch. Also diese Dinge sind super relevant und wir haben da supergute Erfahrungen mit. Gibt es da viele Daten zu? Nein, gibt es nicht. Das sind Erfahrungswerte, die wir hier teilen. Dennoch ist es natürlich auch so, wenn man sich und da gehen wir in der nächsten Podcastfolge drauf ein.
  • Wenn man sich da wieder Studien und Studien anschaut, wie die in Deutschland ist, dann ist die nicht so, wie das oft dargestellt wird. Ja, man kann sich super ernähren, aber es wird halt oft nicht getan und das ist so man kann sich ja auch an eine Geschwindigkeitsbegrenzung halten, wird oft halt auch nicht getan. Der Vergleich hinkt jetzt ein bisschen, aber trotzdem ist es so, dass wir hinschauen sollten, wenn die Gesundheit, die Performance für uns eine entscheidende Rolle spielt.

01:28:34 Weiterführender Ausblick

Was könnte in der Forschung noch relevant werden?

  • Deswegen möchte ich euch noch einen ganz kleinen Ausblick geben, was man in der aktuellen Wissenschaft noch diskutiert, welche Themen noch relevant sind, die gerade für das Thema Schilddrüse vielleicht in den nächsten Jahren noch deutlich mehr Relevanz haben, von denen wir zum Beispiel auch teilweise umsetzen. Ich denke, bei mir selber mache, und das erste habe ich schon ganz oft drüber gesprochen, da gibt es auch ein großes YouTube Video dazu, ist das Thema Ashwagandha.
  • Da gibt es jetzt keine bahnbrechenden neuen Untersuchungen, als ich die letzten Male drüber gesprochen habe. Die schönste Studie von Sharma et al. oder eine von denen aus 2018 ist zum Beispiel eine, wo in einer doppelblinden randomisierten Studie mit Placebo-Gruppe und Co der Effekt von einer achtwöchigen Einnahme von Ashwagandha auf die Schilddrüsenwerte untersucht wurde. Und da hat man gesehen, dass sowohl TSH als auch fT3 als auch die fT4-Werte sich im Vergleich zur Placebo-Gruppe verbessert haben.

Abb. 19: Ashwagandha und Schilddrüsenhormone

  • Hier ging es in den meisten Studien wieder mal so, dass mit 600 Milligramm gearbeitet wurde. Natürlich, jetzt, wo immer mehr Menschen auch mit Alternativmedizin gerne arbeiten, gibt es auch mehr Nebenwirkungen, die beschrieben werden. Es gibt so ein paar anekdotische Sachen, die beschrieben werden, wie Leberwert-Problematiken, die aber in einzelnen Fallstudien beschrieben sind, die jetzt in keinen großen Studien belegt sind, was aber nicht bedeutet, dass man dem keine Beachtung schenken sollte.
  • Es gibt auch viele Menschen, die so etwas wie Mattigkeit beschreiben, auf der Gefühlsebene, man irgendwie die Emotionen nicht mehr so richtig wahrnimmt und auch wie so ein bisschen emotionslos wird. Ich habe noch keinen Patienten gehabt, der das hat, ich kann das auch selbst nicht beschreiben. Wir haben sehr, sehr gute Erfahrungen mit Ashwagandha bis jetzt gemacht, ist aber sicher keine Wunderwaffe.
  • In der schwedischen Medizin wird das schon seit Jahrhunderten eingesetzt. Aber da ist natürlich auch das Messen und die Wissenschaft etwas anderes. Und es gibt noch ganz viele andere Studien, wie aus dem Jahr 2020, hier zum Beispiel von Tongkat Ali. Auch da hat man zum Beispiel bei verschiedenen systemsichen Untersuchungen, die Effektivität und auch Sicherheit von Anfang an in menschlichen Studien untersucht.
  • Auch da hat man gesehen, dass Ashwagandha dazu beitragen kann, subklinische Schilddrüsenunterfunktionen zu verbessern. Also, klinisch gesehen und nicht über eine manifeste Schilddrüsenunterfunktion mit deutlich erhöhtem TSH und deutlich erniedrigten fT3- und fT4-Werten. Ich denke, das ist ein Thema, was super spannend wird in den nächsten Jahren, wo wir aber sicher noch nicht am Ende angekommen sind, also wo noch viele Informationen kommen werden, wo wir hoffentlich noch viel mehr Dinge untersuchen werden, wo vor allem noch viel mehr Studien gemacht werden, wo es gute Analysen langfristig zu gibt, sodass wir irgendwann hier sitzen können oder auch in zwei Jahren und sagen können: „Wir wissen deutlich mehr.“.
  • Und genauso gibt es zum Beispiel auch, was die Phytotherapie, also das Thema Heilpflanzen, angeht, gibt es auch zum Beispiel ein schönes neues Buch im Springer-Verlag erschienen. Da sind wir jetzt mal drüber gestolpert, wo es zum Beispiel auch wieder verschiedene Dinge gibt, die mir so zum Beispiel auch nicht bekannt waren.
  • Auch da nenne ich euch hier mal etwas, was auf verschiedene Symptomatik bei Schilddrüsenüberfunktion bezogen ist. Also so etwas wie Unruhe, Spannungszustände, Angstzustände, Herzrasen und so weiter. Aber das sind dann halt wirklich jetzt hier als Arzneidroge benannt. Aber das sind halt alles. Es ist ein Buch über Praxis, heißt das im Springer-Verlag, Niedersachsen-Auflage erschienen, und da sind auch sehr, sehr, sehr viele Dinge drin.
  • Das Wolfstrapp-Kraut zum Beispiel, damit habe ich aber keine Erfahrung. Also mit Baldrian, ab und an mal, aber auch so mit Weißdornblättern und so, das ist aber wie gesagt eine ganz, ganz, ganz andere Welt. Ich will euch hier nur mal einen Ausblick geben, was man alles noch machen kann. Es gibt ein super, super schönes Review.
  • Es geht letzten Endes hier um eine Zusammenfassung von Dingen von Nährstoffen, die laut verschiedenen Studien wieder eine Auswirkung auf das Thema Schilddrüse haben können. Und ihr seht jetzt hier ziemlich viele, angefangen von Knoten über Melatonin.
  • Wir können uns die ruhig mal ein, zwei einfach da rausgreifen. Man sieht zum Beispiel, dass Melatonin sehr positiv ist bei antidepressivem Effekt. Man sieht, dass Vitamin D hier, was die Schilddrüse angeht, auf die Immunmodulation eingeht.
  • Die ganzen Daten habe ich mir jetzt auch noch nicht angeschaut, aber das ist ein super, super schönes Thema, wo man langfristig natürlich deutlich weiter einsteigen kann. Auch Omega 3 ist hier mit drin.
  • Also, ihr seht, dieses Nährstoffthema ist etwas, was sehr, sehr, sehr groß ist. Das war jetzt, wie gesagt, ein Ausblick, wo auch wir jetzt noch mal tiefer einsteigen werden in den nächsten Monaten. Mir ist wichtig, dass ihr einfach auch mitbekommt, dass sich das Thema weiterentwickelt, dass wir da nicht stillstehen, dass da eigentlich auch keiner stillsteht, ehrlicherweise. Und dass es zum Beispiel auch Dinge gibt, die man mal so ein bisschen hinterfragt und anders sieht.

01:36:12 Kältetherapie

Wie nützlich ist es wirklich für die Schilddrüsengesundheit?

  • So wie das Thema Kälte zum Beispiel. Es gibt eine schöne Studie, auch aktuelle Studien aus dem Jahr 2022, die nach außen hin oft deutlich vielversprechender dargestellt werden, als sie es nämlich am Ende des Tages sind. Und so sehen wir bei Cool Water Exposure eine Steigerung, zum Beispiel laut der Studie jetzt in fT3, was sehr, sehr, sehr schön ist.
  • Aber ehrlicherweise, wenn man dann so ein bisschen näher in diese Studie hinschaut, dann sieht man, dass diese Veränderungen auf das freie T3 und auf das TSH nach minutenlangem Schwimmen in Eiswasser gefunden worden. Und da ist jetzt wieder die Frage: Wie groß ist der Effekt im Verhältnis zu dem Schmerz, den man verspürt? Das ist jetzt wieder zum Beispiel etwas, was meiner Ansicht nach alles, was wir gerade von Anfang an über die Physiotherapie, über die anderen Nährstoffe und das Kälte-Thema, das ist jetzt nichts, was zu diesen Basics gehört.

Abb. 20er: Effekte von Kältetherapie auf die Schilddrüse

  • Das ist also erst mal ist die Veränderung von den Werten so gering, und der Aufwand, den man betreiben muss, damit dieser Schmerz im kalten Wasser – und ich weiß, wovon ich rede – so groß ist, dass die Frage im Raum steht, ob man für eine Optimierung an den Schilddrüsenwerten oder an der Schilddrüse und Gesundheit das machen sollte.
  • Wenn ich schon alles andere mache von Medikamenten oder Nährstoffen oder Blutuntersuchungen und alles, was sich positiv auswirkt, dann kann ich mich natürlich hinsetzen und darüber nachdenken, ob ich auch das kalte Wasser letzten Endes oder das Schwimmen in Eiswasser, wie es ja jetzt hier ist – was anderes als das Schwimmen in Wasser, studienmäßig anders belegt als ein Eis im Eis fast zu sitzen ist – wieder was anderes als in der Sauna zu sitzen. Also völlig unterschiedliche Mechanismen.
  • Am Ende des Tages zumindest laut Datenlage. Jetzt. Und da muss man sich halt überlegen. Wenn man schon alles macht, ist das natürlich noch so eine Spitze auf dem Eisberg, die man machen kann.
  • Aber die wichtigen Dinge sind die Basics davor. Was jetzt aber wieder wichtig ist, ist der Kontext. Ich rede jetzt von Schilddrüse. Eisbaden ist super, super relevant. Meiner Ansicht nach, wenn es um die mentale Komponente geht. Es gibt so viele Leute, die morgens früh ins Eiswasser gehen und sagen, dass sie sich deutlich motivierter für den Tag fühlen, weil sie eine super große Hürde morgens überwunden haben und dass sie sich hinsetzen.
  • Ich habe vor ein paar Tagen einen guten Podcast gehört, wo ein Psychologe mit einem großen YouTuber bzw. auch mit einem Arzt darüber sprechen, dass sie über diese mentale Komponente von Eisbaden sprechen und es gibt jemanden, ich weiß seinen Namen nicht mehr, der hat letztes Jahr sich hingesetzt und gesagt, ich will eine andere Identität bekommen. Ich möchte da ein anderer Mensch werden und ich werde jetzt dokumentieren wir jeden Tag für 365 Tage im Jahr, und der macht das.
  • Und man sieht bei Instagram richtig, wie der sich verändert. Dieser Mensch, also wie sich sein Mindset, wie sich auch sein Körper dann irgendwann langfristig verändert. Und ich denke schon. Ich sage bewusst, denke, weil wir das auch noch nicht hundertprozentig mit Daten belegen können, das das Thema Eisbaden schon eine große Relevanz hat. Aber die Frage ist halt der Kontext, und ich denke, dass die psychologische, die mentale Komponente eine sehr, sehr, sehr große ist und im Verhältnis dazu die Anpassung bei den Schilddrüsenhormonen eine sehr kleine.
  • Und dann ist die Frage, sollte man das machen, sollte man das nicht machen? Wenn ich jetzt jemand bin, der mit der Schilddrüse vielleicht ein Problem hat und ich habe auch mit der mentalen Komponente ein Problem, dann kann das Eisbaden wieder eine sehr, sehr, sehr sinnvolle Sache sein. Aber ihr merkt, Gesundheit ist ein sehr komplexes, sehr schwieriges Thema, was?
  • Und ich versuche das ja für euch so einfach runterzubrechen, wie es geht. Aber es ist tatsächlich manchmal auch nicht so ganz einfach, den Kontext zu schaffen und zu kreieren, weil ihr müsst euch vorstellen, ihr hört euch jetzt diese anderthalb zwei Stunden an! Für uns war diese Folge eine Arbeit in Summe mit Filmen und Schneiden, was ja jetzt dann im Anschluss erst noch kommt von 40 – 50 Stunden, so der Research-Prozess, waren 25 – 30 Stunden, da waren zwei Leute daran beteiligt, dann jetzt das Filmen, das hat ungefähr zwei Stunden gedauert und der ganze Schnitt danach wird auch noch mal ungefähr so lange dauern.

01:41:00 Gesundheit verständlich machen

Thiemo’s Vision.

  • Das ist etwas, was ich super gerne mache, weil ich dieses Thema Gesundheit für Menschen verständlich machen möchte, wie wir ja gesehen haben. In den Daten ist es einfach so, dass die meisten das noch gar nicht verstehen. Und dann ist es natürlich super schwierig für einen, es umzusetzen, und du kannst daran teilhaben. Denn wenn wir bei uns auf YouTube zum Beispiel gehen und auch in den Podcast gehen, sehen wir, dass die meisten Menschen, die unsere Sachen anschauen, uns gar nicht abonniert haben.
  • Das heißt, du kannst uns wirklich einen großen Gefallen tun und diesen Kanal zum Beispiel abonnieren, das mit deinen Freunden teilen, davon erzählen. Und dann ist mein Versprechen an dich, dass wir uns hinsetzen und diesen Podcast immer weiter ausbauen, immer professioneller machen, immer tollere Gäste einladen und auch über immer größere Themen sprechen können.
  • Denn dafür brauchen wir einfach ein größeres Team, das sich mit diesem Thema beschäftigt. Und so viel war es jetzt eigentlich erst mal zum Thema Schilddrüse. Wenn ihr Fragen habt, schreibt das super gerne in die Kommentare. Schreibt das gerne in den Mitgliederbereich bei uns. Im Premium Membership habt ihr die Möglichkeit, Fragen zu stellen, aber kommentiert super gerne bei YouTube, weil wir würden wirklich gerne wissen: was können wir auch verbessern?
  • Gebt uns konstruktive Kritik, wenn ihr Daten habt, die wir nicht haben oder nicht hatten, die wir nicht mit einbezogen haben, schickt uns das super gerne. Ich überlege gerade, wie wir das langfristig machen können, dass wir irgendwie eine Möglichkeit zur Verfügung stellen, dass Menschen, die sich auch mit Daten beschäftigen, die Themen anders sehen oder andere wissenschaftliche Daten haben, die wir vielleicht nicht gefunden haben oder einfach noch nicht kannten, dass diese Menschen uns diese Daten auch zur Verfügung stellen – daran arbeiten wir.
  • Aber lasst uns wirklich super gerne Feedback da, damit wir mit euch interagieren können, damit wir wissen, was ihr braucht, ob das für euch passt und was wir in Zukunft für euch auch optimieren können. In dem Sinne wünsche ich euch einen wunderschönen Tag. Vielen, vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal! Thank you!

Über Thiemo

Thiemo Osterhaus ist Mediziner, Autor, Speaker sowie Gründer der Medletics Academy und teilt seine Leidenschaft und Expertise für Gesundheit auf verschiedenen sozialen Plattformen. Als einer der wenigen Mediziner in Deutschland beschäftigt er sich damit, Gesundheit und Leistungsfähigkeit so zu optimieren, dass diese auf ein neues, bisher unbekanntes Level angehoben werden können. Seine einzigartige Herangehensweise, die einem stetigen Wandel durch den Einfluss von Erkenntnissen aktueller Wissenschaft sowie Praxiserfahrung unterliegt, basiert auf personalisierter Diagnostik und einem individuellen, ganzheitlichen Therapieansatz. Er betreut als führender Experte auf diesem Gebiet unter anderem High Performer und unterstützt sie dabei, ihr maximales Potential zu entfalten und ihre Grenzen neu zu definieren.

Weitere Folgen

Männerhormone mit Helena Orfanos-Boeckel #39

In der heutigen Folge des CYBS Podcasts sprechen Thiemo und Helena Orfanos-Boeckel über ein Thema, was viel zu sehr vernachlässigt wird: Männerhormone! Warum ist es so wichtig, auch als Mann…